Experten warnen

Hitze jetzt gefährlicher als Luft

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Wenn die Temperaturen steigen, befürchten viele auch einen Anstieg der Ozonwerte. Doch der sommertypische Smog hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen.

Das kann doch nicht gesund sein. Mit der Hitze strömen sicher auch unsichtbare Umweltgifte vor allem in die Großstädte, möchte man meinen. Stimmt aber überhaupt nicht, sagen die Experten.

Ozonsmog war gestern. Die brüllende Hitze und die knallige Sonne natürlich sind im Hochsommer die große Gesundheitsgefahr für die Menschen - und weniger die unsichtbaren Umweltgifte, wie Experten berichten.

Die überraschende Erkenntnis: Ozon ist inzwischen eher ein Problem an den Stadträndern und der krebserregende Feinstaub wird durch die Hitze sogar abgebaut. Heißt: Die Luft in den Großstädten ist eher sauberer als dreckiger.

Ozon: Der sommertypische Smog sei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, sagt Atmosphärenchemiker Sebastian Scheinhardt von der Landesanstalt LUBW in Karlsruhe. Die höchsten Ozonwerte treten demnach meist am Stadtrand und den angrenzenden ländlichen Gebieten auf. In den Innenstädten reagiere das in Autoabgasen enthaltene Stickstoffmonoxid mit dem Ozon und baue es sogar ab.

"So kommt es oftmals zu der widersprüchlichen Situation, dass die Ozonbelastung in Innenstädten niedriger ist als in ländlichen Gebieten", heißt es bei der LUBW. Erhöhte Ozonwerte können Reizungen der Atemwege, Husten, Kopfschmerzen und Atembeschwerden verursachen. Der allgemeine Rat der Experten: Anstrengung vermeiden.

Feinstaub: Er ist eher ein Winter-Phänomen, wie Scheinhardt bestätigt. Auch weil dann geheizt wird und die unsichtbar in der Luft schwebenden, gesundheitsschädlichen Teilchen nicht nur aus den Autoabgasen stammen, sondern zu einem großen Teil auch aus Heizungen. Ammoniumnitrat etwa, eines der ungesunden Feinstaubteilchen, verdampfe sogar bei den aktuellen Temperaturen, sagt Scheinhardt.

Stickstoffdioxid: Kaum Einfluss hat die Temperatur nach Angaben der LUBW auf die Werte beim Stickstoffdioxid. Bei viel Verkehr gebe es hohe Werte, bei wenig Verkehr niedrige. Bei Hitze werde ja nicht mehr oder weniger Auto gefahren, sagt LUBW-Experte Scheinhardt.

Unter dem Strich seien Hitze und Sonne die eigentlichen Gefahren für den Menschen, sagt Peter Michael Bittighofer vom baden-württembergischen Landesgesundheitsamt. Der Körper sei aufgeheizt, Herz und Kreislauf stark belastet. Leichte Kleidung sei genauso angesagt wie Sonnenhut oder Sonnenschirm gegen UV-Strahlung. Auch würden die Nächte nicht die Abkühlung bringen, die der Mensch dringend für einen guten Schlaf benötige.

Neben Klimaschutzmaßnahmen müssten sich die Städte auch an den Klimawandel anpassen, forderte derweil der Naturschutzbund Nabu. "In Städten muss es grüne Oasen geben, die Schatten und Kühle spenden. Frischluftschneisen dürfen nicht unterbrochen werden, sonst kann kühlere Luft nicht in und durch die Siedlungen fließen", sagte Nabu-Chef Andre Baumann.

dpa

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