Weniger jugendliche Komatrinker - Prävention wirkt

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Auch wenn die Zahl der sogenannten "Koma-Säufer", die im Krankenhaus landen, rückläufig ist: Fast jeder fünfte Jugendliche betrinkt sich mindestens einmal im Monat. Foto: Peter Steffen

Wiesbaden (dpa) - Jedes Wochenende landen völlig betrunkene Jugendliche in den Krankenhäusern der Republik. Aber ihre Zahl sinkt - Kampagnen und Werbemaßnahmen gegen Alkohol zeigen Wirkung. Doch der Kampf gegen das Komatrinken ist noch nicht gewonnen.

"Drink doch ene met" - nicht nur in den Karnevalshochburgen haben in diesen Tagen Bier, Schnaps und Wein Hochkonjunktur. Und auch wenn wieder viele Jugendliche zur Flasche greifen werden, die Zahl der jugendlichen Komatrinker ist rückläufig. Fast 23 300 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren sind 2013 in Deutschland wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt worden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag (10. Februar) in Wiesbaden mitteilte, sind das 12,8 Prozent weniger als 2012 - allerdings immer noch fast zweieinhalb mal so viel wie im Jahr 2000.

Zum Vorjahr also ein deutlicher Rückgang, aber keine Entwarnung. "Bevor die Sektkorken knallen: Wir haben diese Probleme nach wie vor", sagt der Geschäftsführer der Hauptstelle für Suchtfragen (HFS), Raphael Gaßmann. "Deutschland ist weiterhin eine Alkohol-Nation." Sieben von zehn wegen Alkohol im Krankenhaus behandelten Jugendlichen waren noch keine 18 Jahre alt. In einem aktuellen Fall kam in Nürnberg eine 14-Jährige in eine Klinik, weil sie sich lebensgefährlich stark betrunken hatte. Das Mädchen hatte einen Atemalkoholwert von mehr als 4,5 Promille. Laut Bundespolizei war sie im Gesicht schon blau angelaufen.

Überproportional häufig greifen junge Männer regelmäßig zu Bier, Schnaps oder Wein. Zwar sank ihr Wert nach Destatis-Berechnungen 2013 um 15,6 Prozent. Mit 336 Fällen je 100 000 Einwohnern sind von übermäßigem Alkoholkonsum aber weiter vor allem Jungen und junge Männer betroffen. Bei Mädchen und jungen Frauen verzeichneten die Statistiker ein Minus von 6,7 Prozent auf 253 Fälle je 100 000 Einwohner.

Sowohl die HFS als auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) machen eine gelungene Aufklärungsarbeit für den Rückgang verantwortlich. Die Zahlen zeigten, dass Präventionsmaßnahmen Jugendliche erreichen, sagt BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss. Gaßmann von der HFS betont, die Einstellung der Öffentlichkeit zu Jugendlichen mit Alkohol habe sich geändert, die Akzeptanz sinke. Dennoch: Nach BZgA-Zahlen betrinkt sich fast jeder fünfte Jugendliche mindestens einmal im Monat.

Der Kinderschutzbund nimmt auch Eltern und Lehrer in die Pflicht. Es gebe eine Aufklärungs- und Schutzpflicht, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesverbandes, Cordula Lasner-Tietze. "Das Verhalten der Erwachsenen spielt eine große Rolle." Gaßmann fordert vor allem eine Erhöhung der Steuern auf Alkohol. "Alkohol ist taschengeld-kompatibel. Jeder kann für unter zehn Euro eine Flasche Wodka kaufen und sich damit umbringen. Wir brauchen Preise wie im europäischen Durchschnitt." Dann würden Jugendliche weniger trinken und auch später beginnen. "Jeder Monat zählt", betont Gaßmann. Zudem müsse die Alkohol-Werbung eingedämmt und die Erreichbarkeit für Jugendliche erschwert werden.

In Frankfurt hatten zu Monatsbeginn jugendliche Alkohol-Testkäufer in mehr als jedem zweiten der 95 auf die Probe gestellten Supermärkte, Trinkhallen, Kioske, Tankstellen und Internetcafés illegal Alkohol kaufen können. Besonders schlecht schnitten Trinkhallen und Supermärkte ab, obwohl diese mit Warnsystemen an den Kassen ausgestattet sind. In einer Trinkhalle war der einzige Verkäufer selbst erst 14 Jahre alt. Die erwischten Läden sollten geschlossen werden, fordert Gaßmann.

Der Alkoholkonsum ist aber nicht nur bei Jugendlichen ein Problem. "Trotz der erfreulichen Entwicklung bei jungen Menschen bleibt die absolute Zahl der aufgrund eines Alkoholrausches behandelten Personen nach wie vor besorgniserregend hoch", betont Thaiss. Am häufigsten treten Alkoholvergiftungen bei den 45- bis 54-Jährigen auf.

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