Ufo gegen Lufthansa: Flugbegleiter beginnen Streik

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Die Lufthansa rechnet mit heftigen Auswirkungen des Streiks ihrer Flugbegleiter. Foto: Boris Roessler

Es soll der längste Streik in der Geschichte der Lufthansa werden. Von 14.00 Uhr an wollen die Flugbegleiter von Europas größter Airline in den Ausstand treten - und das acht Tage lang. Die Lufthansa arbeitet deshalb an einem Sonderflugplan.

Frankfurt (dpa) - Lufthansa-Passagiere müssen sich ab Nachmittag auf zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen durch den längsten Streik in der Geschichte der Airline einstellen. Die Flugbegleiter beginnen ihren Ausstand zunächst an den Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf, teilte die Gewerkschaft Ufo mit.

An den Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf seien die Mitglieder von 14.00 Uhr bis zum Betriebsschluss zur Arbeitsniederlegung aufgerufen, hieß es von Ufo.

Der Flughafen München werde wegen des Endes der Herbstferien in Bayern bis einschließlich Sonntag von dem Streik ausgenommen. Weitere Einzelheiten für die kommenden Tage würden erst im Laufe des Tages mitgeteilt, hieß es.

"Alle Passagiere der Lufthansa müssen damit rechnen, dass ihr Flug kurzfristig ausfällt", erklärte Ufo-Chef Nicoley Baublies die flexible Taktik der Gewerkschaft ohne festgelegte Ankündigungsfristen. "Wir haben einen achttägigen Streik bis Freitag nächster Woche. Wie viele Ausnahmen es dabei geben wird, hängt nicht zuletzt vom Verhalten der Lufthansa ab."

Ufo sei auch nicht zu unverbindlichen Sondierungen bereit. "Um den Streik zu unterbrechen, braucht es schon ein handfestes Angebot", betonte Baublies. Die Kollegen seien empört über das Verhalten und die Verhandlungstaktik des Konzerns.

Derweil arbeitet die Lufthansa an einem Sonderflugplan. Denn das Unternehmen gehe davon aus, dass im Europaverkehr großflächig Flüge gestrichen werden müssten, teilte Lufthansa in Frankfurt mit. Auf der Langstrecke sollten nach Streikbeginn noch mindestens acht Verbindungen ab Frankfurt angeboten werden. Einen Sonderflugplan wollte die Airline noch am Vormittag online stellen. Für gestrandete Umsteiger reservierte die Lufthansa in Frankfurt vorsorglich bereits 2500 Hotelzimmer.

Der Flughafen Frankfurt/Main ist das wichtigste Drehkreuz der Lufthansa. In Düsseldorf gibt es dagegen nur Verbindungen nach München und Frankfurt - insgesamt 18 Flugpaare täglich sowie einen internationalen Flug nach New York.

Bei streikbedingten Flugausfällen können die Passagiere kostenfrei umbuchen oder stornieren. Betroffen von dem Streik ist nur die Konzernmutter Lufthansa, nicht Töchter wie Germanwings.

Die Gewerkschaft hatte bis kurz vor Streikbeginn über das genaue Ausmaß ihrer Aktionen geschwiegen. Insgesamt soll der Arbeitskampf bis zum Freitag kommender Woche (13. November) fortgeführt werden. Es ist der erste Ausstand der Flugbegleiter in der aktuellen Tarifrunde, bei der es um die Übergangs- und Betriebsrenten von rund 19 000 Flugbegleitern bei der Lufthansa-Kerngesellschaft geht. Die Piloten der Lufthansa haben hingegen schon 13 Mal gestreikt.

Flughafen Frankfurt

Flughafen Düsseldorf

Flughafen München

Webseite der Lufthansa

Piloten: In der laufenden Tarifrunde haben die Piloten seit April 2014 bereits 13 Mal die Arbeit niedergelegt. Im Streit um den Konzerntarifvertrag für rund 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings geht es um Gehälter oder Übergangsrenten. Die Piloten wollten zudem den Ausbau der Billigschiene Eurowings verhindern. Weil sie dieses nicht tarifliche Ziel aber allzu offen mit dem Streik verbunden haben, stoppte das Landesarbeitsgericht Hessen die letzte Streikrunde Anfang September am zweiten Tag. Derzeit laufen Gespräche zu den Übergangsrenten.

Flugbegleiter: Sie haben zuletzt 2012 gestreikt. Damals wurde der Konflikt unter Einschaltung eines Schlichters mit einem umfassenden Tarifpaket beigelegt. In der aktuellen Auseinandersetzung sind wichtige Punkte die Absicherung und Vergütung der 19 000 Flugbegleiter bei der Lufthansa-Mutter sowie die Alters- und Übergangsversorgung.

Bodenpersonal: Für die rund 33 000 Bodenbeschäftigten verhandelt Lufthansa mit Verdi. Auch hier geht es um die Entgelte und die Betriebsrenten. Anders als das fliegende Personal haben die Kräfte am Boden allerdings keinen Anspruch auf Übergangsversorgung. Von Streiks war bei Verdi bislang noch nicht die Rede. In der letzten Tarifrunde hatte das Bodenpersonal 2013 mit zwei Warnstreiks große Teile des Flugverkehrs der Airline lahmgelegt.

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