So wintertauglich ist Mallorca

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Viel Freiraum: So erleben die Sommerurlauber den Strand von Paguera wohl selten.

Wenn die Sonnenstunden nicht mehr ausreichen für lange Strandtage, dann gilt auf Mallorca eine Zeitrechnung jenseits des Bräunungsgrades. Reiseredakteurin Christine Hinkofer hat die Wintertauglichkeit der Baleareninsel mit einer Gruppe von Lesern getestet.

Wenn die Sonnenstunden nicht mehr ausreichen für lange Strandtage, dann gilt auf Mallorca eine Zeitrechnung jenseits des Bräunungsgrades. Reiseredakteurin Christine Hinkofer hat die Wintertauglichkeit der Baleareninsel mit einer Gruppe von Lesern getestet.

Paguera im Februar 2011

Der Pool ließ uns kalt, aber probeliegen kann man ja schon mal – für den nächsten Sommer: Markus, Gustl, Rosi, Inge, Christa, Rosemarie, Horst, Manfred und Lilo (v.l.)

Knacks! Da war er wieder, der Schweinehund! Hat sich aus dem rechten Kniegelenk unüberhörbar zu Wort meldet. Ein bisschen Morgengymnastik, Grätsche, Beuge, und schon macht er sich bemerkbar, der fiese Kerl, der sich im Laufe eines langen bewegungsarmen Bürolebens bei mir eingenistet hat. Jetzt will ich ihn loswerden, endgültig, will den Sch...kerl auf Mallorca im winterkalten Mittelmeer versenken. Und weil solche Vorhaben in der Gemeinschaft besser funktionieren, reisen wir zusammen.

Wir, das sind: Menschen, die im Urlaub ihre sportliche Ader wiederentdecken wollen (richtig, das bin ich), die allein leben, aber nicht solo unterwegs sein wollen (dazu gehören Lilo aus Herrsching oder Markus aus Bad Tölz). Oder Menschen wie die Schmidts aus Unterhaching, für die das Fitnesstudio ohnehin das zweite Wohnzimmer ist und die auch im Urlaub ihr Bewegungspensum brauchen.

„Füße gerade, Zehenspitzen nach vorn, locker in die Knie!“ kommandiert Uwe seine morgendliche Qi-Gong-Gruppe. Er gehört zum Team, das uns hier auf Mallorca Beine macht. Wir tanzen nach seiner Pfeife.

Warum wir uns für diesen Fitness-Urlaub ausgerechnet Paguera ausgesucht haben, diesen noch erfreulich normalen Urlaubsort genau in der Mitte zwischen dem Millionärshügel von Port Andratx und dem Betonsilo-Moloch Santa Ponsa, dafür gibt es gute Gründe.

Mallorca ist die größte der Baleareninseln im Mitttelmeer.

Der erste hat mit dem Wetter zu tun. Hier unten im Südwesten, an den Ausläufern des Tramuntana-Gebirges, bekommt die spanische Ferieninsel von der europäischen Winterkälte besonders wenig ab und von den Sonnentagen besonders viele. Gut 20 Grad hatte es bei unserer Ankunft an einem Freitag im Februar, T-Shirt-Wetter, in den Strandcafés, die auch um diese Jahreszeit alle geöffnet haben, sitzen die Menschen ärmelfrei.

Der zweite Grund hängt mit der Infrastruktur zusammen. In einer guten halben Stunde ist man von Paguera mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Zentrum der Hauptstadt Palma. Der 102er Bus fährt stündlich, mit Haltestellen beinahe vor jedem Hotel. Das ist natürlich ein Argument für Winterurlauber, die rumkommen wollen.

So war's auf der Mallorca Leserreise

So war's auf der Mallorca Leserreise

Auch für Wanderer ist Paguera mit seinem kilometerweiten Pinienwäldern im Rücken ein ideales Revier. Wir gehen den neu angelegten Weg nach Capdella (zirka eine Stunde, auch für weniger Geübte) oder auf den Sa Bruta, den Aussichtsberg über Paguera, der vor allem auf der letzten Etappe seinem Namen alle Ehre macht. Gemütlich ist dagegen die Wanderung in die Cala Fornells und weiter zum Cap d’Andritxol mit Ausblick auf Camp de Mar, die Sandra, unser sportlicher Wirbelwind aus dem Hotel Valentin Reina, leitet.

Womit wir beim dritten Argument wären, das Paguera zum idealen Standort für Winterurlauber macht. Der ganze Ort, Hoteliers, Fremdenverkehrsorganisationen und Gastwirte leisten zusammen ihren Beitrag, um ihn mit attraktiven Rahmenprogrammen (die fast ausschließlich kostenfrei angeboten werden) zu beleben. Konzerte, Ausflüge, Marktbesuche in Andratx und Sineu, Weinprobe in Santa Catarina – alles drin, alles dran. Das zieht. „Wir sind schon den vierten Winter hier und haben noch immer nicht alles gesehen“, erzählt mir ein Ehepaar am Frühstückstisch. Sie wollen unbedingt wiederkommen.

Natürlich: Auch ein Winter auf Mallorca kann sehr launisch sein. Das laue Frühlingslüftchen verwandelt sich manchmal, so schnell kann man die dicken Pullover gar nicht aus dem Koffer ziehen, in einen eisigen Tramuntana-Wind, der durch Mark und Bein geht. Davon konnte Frederic Chopin, der mit seiner Freundin George Sand samt Piano im November 1838 angereist war und in der Karthause von Valldemossa komponierte (unter anderem die Regentropfen-Prelude), ein Lied singen. Wir heute auch.

Manfred und Markus spielen Boccia am Strand

Am Montag nach unserer Ankunft schwächelt das Hoch, das es so gut mit uns gemeint hatte, und kapituliert schließlich vor einem fiesen Tiefausläufer aus Nordwest. Es gießt aus Kübeln, zum Glück nur für ein, zwei Stunden, die Temperaturen sinken in den Eiskeller. Aber unsere Stimmung hält, dank dem schnell ausgegebenen Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Die Schmidts als sportlicher Motor unserer Truppe organisieren eine Jetzt-erst-recht-Wanderung, Manfred und Markus spielen Boccia am Strand. Inge und Gustl finden heraus, dass es in Paguera ein Bayern-Stüberl mit singendem Wirt gibt. Rosa und Rosemarie entdecken ein gemütliches Cafe mit deutschen Kuchen und fünferlei wärmenden Suppen. Und Hildegard und Elfriede machen in Kultur und besuchen die Karthause in Valldemossa, in der Chopin sich die Klavierhände abgefroren hat. Danach wissen sie umso mehr zu schätzen, dass die Hotels der Insel heute eine recht gute Heizung haben.

Es gibt Menschen, die bleiben auf Mallorca einen ganzen Winter lang. Wir leider nur eine kurze Woche. „Plong!“, das ist mein Rollenkoffer, den ich an einem Freitagmorgen am Flughafen von Palma aufs Band setze. Federleicht fühlt er sich an, schließlich ist der Schweinehund draußen und konditionsmäßig habe ich in dieser sportlichen Woche auf Mallorca eine ganze Menge zugelegt.

Ja, und der Frühling, der hat sich zu unserem Abschied auch wieder blicken lassen auf der Mittelmeerinsel, die alles kann, nur eines nicht: In den Winterschlaf fallen.

MALLORCA IM WINTER – DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Mallorca ist die größte der Baleareninseln. Sie liegt im Mittelmeer, etwa auf Höhe von Sardinien oder dem Norden Siziliens. Unter anderem wegen der zahlreichen guten Flugverbindungen ist Mallorca zum Ganzjahresziel geworden. Paguera im Südwesten der Insel ist wegen seiner guten Anbindung nach Palma und wegen der vielen Aktivitäten, die Hoteliers und Gemeinde anbieten, ein ideales Ziel für Winterflüchtlinge auf Mallorca.

ANREISE Auch im Winter fliegen Condor, Air Berlin, Tuifly oder die Lufthansa mehrmals täglich von München nach Mallorca. Ab ca. 200 Euro.

SEHENSWERT Palma, Altstadt, Kathedrale und Markthalle. Wochenmärkte in Andratx, Santanyi oder Sineu, Karthause von Valldemossa, Gärten von Alfabia. Ausflüge werden z.T. vom Hotel angeboten (gegen Gebühr), können aber auch über das Veranstaltungsprogramm der Gemeinde gebucht werden und sind in diesem Rahmen meist kostenlos.

WOHNEN Unsere Lesergruppe war im Hotel Valentin Reina Paguera eingebucht. Das Hotel liegt in einer ruhigen Seitenstraße, zum Strand und zur Uferpromenade sind es fünf Gehminuten. Sieben Nächte mit Halbpension im DZ inklusive Flug ab München im Winter ab 417 Euro; über TUI. Achtung: Zimmer im Haupthaus buchen, das Nebengebäude hat keinen Meerblick!

WEITERE INFOS über das Tourismusbüro der Gemeinde Calvia (zu der Paguera gehört), Tel. 0034/971-13911900 oder 132762, Internet: www.visitcalvia.com.

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