Sternekoch Lafer Botschafter seiner Steiermark

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Sternekoch Johann Lafer liebt die Steiermark.

Johann Lafer gehört mittlerweile zur Elite der Köche und immer unterwegs. Als kulinarischer Botschafter ist er seiner Heimat Steiermark treu geblieben. Zu seiner Küche gehören Produkte aus der Region. 

Wein, Apfel, Holunder und Kürbis stehen auf seiner Einkaufsliste, wenn Johann Lafer durch die Steiermark reist. Das Talent zum Botschafter hat dieser Mann zweifelsohne. Mädchen! Keine Ahnung, wann mich zuletzt jemand so genannt hat.

Johann Lafer tut es mit einem breiten Lächeln. „Na, was sagst du, Mädchen?“ Entspannt lehnt sich der Sternekoch über den Korbrand während sich unser Heißluftballon von einer kleinen Wiese in Bad Blumau fauchend in den Himmel erhebt. Unter uns breitet sich das Thermenland mit seinen heißen Quellen aus.

Die Hundertwasser-Therme in der Steiermark.

Dichte Wälder, Apfelwiesen und Reben – sattes Grün, soweit das Auge reicht. Ein Anblick, der einen sprachlos und Lafer sichtlich stolz macht. Die Abendsonne lässt die goldenen Kuppeln des Hundertwasser-Hotels Rogner Bad Blumau erstrahlen. Während wir in 3000 Metern Höhe durch die Lüfte gondeln, brodeln 3000 Meter unter der Erde die heißen Quellen von Lafers Heimat. In mehr als 25 Jahren hat sich der Steirer-Bub in Deutschland zum omnipräsenten TV-Küchenchef hochgearbeitet. Er ist Profi, Perfektionist und Top-Manager in einem. Einer, der seine Ideen und Visionen ehrgeizig umsetzt. Im Moment aber steht er in einem, für meinen Geschmack viel zu kleinen Körbchen und strahlt, als habe er dieses liebliche Landschaftsbild höchstpersönlich gemalt. Hoch oben in der Luft, das ist das Schöne am Ballonfahren, läuft das Leben in Zeitlupe.

Apfel und Himbeer - Gerüche aus der Kindheit

Der Wind trägt uns in völliger Stille über sanfte Hügel. Und Lafer, der sonst unter Starkstrom steht, genießt es, sich einfach mal treiben zu lassen: „Da hinten, in St. Stefan, bin ich geboren“, sagt er. „Von hier oben sieht man erst einmal, wie dünn dieses Land besiedelt ist.“ Mitten in der Natur, zwischen Kühen, Apfelbäumen, Himbeersträuchern und Kürbisfeldern speicherte der kleine Johann Gerüche. „Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis dafür, wie die Dinge in meiner Kindheit gerochen und geschmeckt haben. Im Grunde versuche ich heute nichts anderes, als diese Erinnerungen wiederzubeleben.“ Auf höchstem Niveau, versteht sich. Lafers Restaurant Le Val d’Or auf der Stromburg bei Bingen zählt zu den besten Deutschlands. „Dabei stammen 70 Prozent der Produkte, die ich in meiner Küche verarbeite, von hier.“

Kürbiskernöl, Äpfel, Vulcano-Schinken, Holundersirup, Käse, feine Obstbrände und Weine – das alles importiert der Gourmetkoch, der von seiner Heimat zum offiziellen Genussbotschafter berufen wurde, nach Deutschland. „Ich kenn’ hier einfach jeden einzelnen Erzeuger persönlich und weiß, was für eine Qualität ich bekomme.“ Regelmäßig fährt er also durchs Thermenland, besucht kleine Handwerksbetriebe und natürlich die Mutter und seine zwei Schwestern. Während Urlauber in heilkräftigem Wasser aus 3000 Metern Tiefe kuren, verkostet Lafer hochprozentige Wässerchen aus Himbeeren. Gesundheit und Genuss liegen eben dicht beieinander, in der Steiermark vielleicht noch ein bisschen dichter.

„Man muss loslassen und die Glücksmomente genießen“

In der Heimat gelingt es dem Österreicher, sein Lebenstempo zu drosseln. Eine wichtige Maßnahme für einen, der mehr als 36 Kochbücher veröffentlicht hat, seine eigene Küchenkollektion bewirbt, im Fernsehen wirbelt und ganz nebenbei sein Gourmetrestaurant, eine Cateringfirma und die eigene Kochschule betreibt. Vor ein paar Jahren hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt und den Pilotenschein für den Hubschrauber gemacht. „Helikopter fliegen ist wie Porsche fahren in der Luft“, schwärmt Lafer und strahlt dabei wie ein kleiner Junge vor der Elektroeisenbahn. Trotz Höhenangst schaffte der 51-Jährige die „schwerste Prüfung seines Lebens“. Deshalb kann er jetzt so entspannt über Baumwipfel gleiten, während sich bei mir ein flaues Gefühl im Magen breit macht. Wo wir landen werden, will ich wissen. „Das kann man beim Ballonfahren nie so genau sagen“, erklärt Lafer. „Das ist wie im Leben: Man muss loslassen und die Glücksmomente genießen.“

Die Reise-Infos zum Thermenland

REISEZIEL Das Steirische Thermenland ist eine Tourismusregion südöstlich von Graz. Es gibt sechs Thermen (Bad Radkersburg, Bad Gleichenberg, Loipersdorf, Bad Blumau, Bad Waltersdorf und Sebersdorf) mit bis zu 110 Grad heißem Heilwasser. Bad Gleichenberg ist der älteste der steirischen Thermenorte, geprägt von Villen aus der k.u.k.-Zeit.

ANREISE Das steirische Thermenland liegt von München etwa 490 Kilometer entfernt. Die Lufthansa bietet Direktflüge von München nach Graz ab ca. 210 Euro an. Vom Flughafen verkehrt ein Shuttlebus in die Thermenorte (Kosten pro Person: 20 Euro). FÜR

AKTIVE Über 3000 Kilometer markierte Radwege schlängeln sich durch die Oststeiermark. 13 Genussradeltouren hat das Fremdenverkehrsamt ausgearbeitet. Unterwegs gibt es zahlreiche Verkostungsmöglichkeiten in Buschenschänken und kleinen landwirtschaftlichen Betrieben. Darüber hinaus verfügt das steirische Thermenland über vier Golfplätze.

BALLONFAHRTEN Eine Fahrt in luftigen Höhen mit Ausblick über die Steiermark ist unvergesslich. Das Ballonzentrum Bad Waltersdorf verlangt für eine Fahrt etwa 235 Euro. Infos unter www.ballon1x1.at.

WOHNEN Der Künstler Friedensreich Hundertwasser hat das Thermenhotel Rogner Bad Blumau als märchenhaftes Gesamtkunstwerk entworfen. Aktion „Sommerspaß“ bis 30. September: Drei Nächte bleiben, zwei zahlen: 256 Euro pro Person inklusive Halbpension.www.blumau.com.

LAFERS TIPPS Auf der Gastronomieschule im Thermenort Bad Gleichenberg drückte er die Schulbank, im Restaurant Gösser-Bräu in Graz wurde er zum Koch ausgebildet. Urlauber sollten unbedingt den zarten Vulcano- Schinken probieren, der in der Schinkenmanufaktur in Auersbach (bei Feldbach) acht bis 15 Monate gereift und zur Verkostung angeboten wird. www.vulcano.at. Wo Johann Lafer speist, wenn er in der Heimat ist? Bei Mutter natürlich, oder er besucht eines der 17 Haubenlokale, die es laut Gault Millau im Thermenland gibt. Die Chefköche kennt Lafer persönlich, den einen oder anderen hat er selbst ausgebildet. Wunderbar schlemmen lässt es sich auch im Schloss Obermayerhofen in Sebersdorf. Wer den feinen Obstbränden zu sehr zugesprochen hat, der kann hier sogar königlich nächtigen. www.obermayerhofen.at.

WEITERE INFOS Steiermark Tourismus, Graz, Tel. 0043/316-400 30, www. steiermark.at. Steirisches Thermenland, Tel. 0043/3385-660 40, www.thermenland.at

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