Rail & Fly: Reiseunternehmen haften für Verspätungen

Weniger Stress soll das Kombi- Ticket für Bahn und Flug bringen. Doch hat der Zug Verspätung und startet der Flieger ohne die Passagiere, wird es teuer. Die Kosten muss das Reiseunternehmen tragen, entschied der BGH.

Wenn Reisende mit einem Kombi-Ticket aus Zug- und Flugkarte wegen Verspätungen der Bahn ihr Flugzeug verpassen, muss das Reiseunternehmen zahlen. Mit diesem Urteil stärkte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe (BGH) am Donnerstag die Rechte von Kunden sogenannter Rail & Fly-Angebote (Az.: Xa ZR 46/10).

Im konkreten Fall ging es um eine Urlaubsreise eines Paares in die Dominikanische Republik. Eine Frau hatte eine All-Inclusive- Flugpauschalreise für sich und ihren Partner gebucht. Für die Anreise kaufte sie ein sogenanntes Rail & Fly-Ticket des Reiseveranstalters “Meier's Weltreisen“. Es bestand aus Bahnkarten von Köln nach Düsseldorf sowie Flugtickets von Düsseldorf in die Dominikanische Republik.

Da ihr Zug mehr als zweieinhalb Stunden Verspätung hatte, erreichten die Reisenden den Flughafen jedoch erst eine halbe Stunde, nachdem das Flugzeug gestartet war. Nach Rücksprache mit ihrem Reiseveranstalter fuhren die beiden mit der Bahn nach München weiter und flogen von dort am nächsten Tag an ihr Ziel. Die Frau forderte, dass “Meier's“ die zusätzlichen Kosten übernimmt: für die Bahnfahrt nach München, die Nacht im Hotel, die Mehrkosten für den Ersatzflug sowie eine Fähre zur eigentlichen Zielinsel.

Insgesamt beliefen sich die Kosten auf mehr als 1000 Euro. Dies lehnte “Meier's“ aber ab. Die Begründung des Reiseveranstalters: Die Anreise gehört nicht zum Reiseumfang, sondern das Rail & Fly-Ticket berechtigt den Reisenden lediglich, die Bahn zu nutzen - ohne zusätzliche Kosten. Dass der Urlauber pünktlich am Flughafen ist, liege in seiner Verantwortung. Der Anwalt der Frau sah dies naturgemäß anders. Im Merkblatt zu dem Angebot stehe: “Starten Sie entspannt in den Urlaub mit dem Anreise-Service der Meier's Weltreisen“. Dies sei ein deutlicher Hinweis, dass auch die Anreise eine Dienstleistung des Reiseveranstalters ist und nicht etwa eine eigene Leistung der Bahn.

Schon Amts- und Landgericht in Frankfurt/Main hatten der Frau recht gegeben. Der Bahntransfer zum Flughafen gehört nach Ansicht des Landgerichts zum Pauschalangebot des Reiseveranstalters. Außerdem habe die Frau - gemäß der Hinweise von “Meier's“ - einen Zug ausgewählt, der planmäßig zwei Stunden vor Abflug in Düsseldorf sein sollte und damit rechtzeitig. Ähnlich sah es auch der BGH. Der Vorsitzende Richter bemängelte die “Unklarheit“ in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Reiseveranstalters. Das Reiseunternehmen vermittle mit seinem Angebot den Eindruck, dass es den Bahntransfer als eigene Leistung anbiete und damit auch für den Erfolg einstehen wolle.

dpa

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