Linz: Eine kunstvolle Verbindung

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Linz Kulturhauptstadt 2009

Linz ist 2009 europäische Kulturhauptstadt. Scheinbar erstaunliche ist die Wahl, denkt man bei der oberösterreichische Metropole weniger an Kreativität als an Kuchen (Linzer Torte), Krieg (Hitlers Lieblingsstadt) und Kaminen (Stahlwerke Voest).

Eine gute Startposition, um das neue, das andere Linz zu entdecken, ist ein kleines Hotel vor den Toren der Stadt. Weil auch dort, im Mühltalhof, Kreative am Werk sind, die alles anders machen, als man es in dieser Gegend vermuten würde.

Mit Überraschungen darf gerechnet werden. Denn normal ist hier nichts. Der Name „Mühltalhof“, die Assoziation von Holz vor der Hütte und Geranien am Balkon – alles anders! Stattdessen steht der Gast vor einem Kubus aus Glas und Metall, vor dem Eingangsportal ein gewaltiger Findling und die Frage: Hat der Stein das ovale Loch ins Vordach gerissen? Und der Antwort: Nein, das war der kreative Geist, der hier für alles verantwortlich zeichnet. „Landeplatz für Ankommende“ nennt Hotelchef Helmut Rachinger diesen ersten Kontaktbereich zwischen dem Besucher und seinem kleinen Hotel, das an einem Badeweiher inmitten der idyllischen Landschaft des Mühlviertels zwischen Donau und Böhmerwald liegt.

Idyllischen Landschaft zwischen Donau und Böhmerwald

Landeplatz – als ob man eingeflogen wäre, mit dem Ufo aus einer anderen Welt. Ist ja auch irgendwie so: Der moderne Anbau an die ehemalige Familienpension passt eigentlich nicht in die ländliche Struktur. Bei genauerer Hinsicht jedoch fügt sich alles ganz harmonisch: Alt und Neu, Tradition und Innovation, heimatliche Wurzeln und künstlerische Weltoffenheit, Erinnerung und Zukunft. Oder, wie es im Hotelprospekt ganz schlicht geschrieben steht: „Die Zeit ist nicht stehen geblieben.“

Das Genießerhotel Mühltalhof mit insgesamt 22 Zimmern und einer Familiensuite liegt am aufgestauten Flussufer der Großen Mühl im Gemeindebereich Neufelden.

Seit 1698 steht der Gasthof Bad Rachinger in Neufelden an dieser Stelle, an einem Weiher, der im Sommer zum Reinspringen verlockt und im Winter zufriert, so dass man mit den Schlittschuhen seine Bahnen drauf ziehen kann. Dass er heute ein anderes Kleid trägt, ein neues und aufregendes, das ihm auf den Leib zugeschnitten wurde, ist den Menschen zuzuschreiben, die mit und in ihm leben.

Da ist zum einen die Mama, Mutter Walpurga Rachinger, die gute Seele des Hauses, die die besten Mehlspeisen auf den Tisch bringt. Da ist Johanna, ihre Tochter, die in Bad Ischl und in Wien, in Lech am Arlberg und im Loiretal gelernt hat und all die Eindrücke aus der Welt der großen Hotels mitbrachte, als sie 1988 wieder nach Hause kam. Da ist Helmut, ihr Bruder, der Genius am Herd, der sich mittlerweile zwei Gault-Millau-Hauben erkocht hat und vom Falstaff Gourmetguide die Auszeichnung „Bestes Landgasthaus Österreichs“. Da ist Ira, die gelernte Maskenbildnerin, die die Menschen im Beauty- und Wellnessbereich des Hotels auch ohne Puder und Schminke verjüngt und verschönert. Und da ist Johannas Mann, der Künstler Joachim Eckl, der schon mit Weltstars wie Christo und Jean Claude zusammengearbeitet hat, bevor er zurückgekehrt ist zu seinen Wurzeln und hier in Neufelden mit seiner „HeimArt“ die Natur zum Kunstwerk macht. Überall im Mühltalhof ist die Vorliebe der Beteiligten spürbar, mit den Materialien zu spielen, mit dem Neuen und dem Alltäglichen, dem, was man entdeckt, gesammelt oder erhalten hat.

Jedes Zimmer ist anders ausgestaltet. Tisch- und Bettwäsche sind aus heimischem Flachs im Weberzentrum Haslach hergestellt, der Blumenschmuck kommt aus dem Hausgarten. Landwirtschaftliches Gerät wie Heuheinzen oder Holzleitern werden Handtuchhalter, ein Steinbrocken dient als Minisafe. Selbst das kleinste Detail stimmt. Chefin Johanna steht meist selber hinter der Rezeptionstheke, sieht die Gäste kommen und gehen und händigt die Zimmerschlüssel aus, die schön nostalgisch mit verschiedenfarbigen Seidenquasten bestückt sind. Dabei hat sie immer zwei Reisende und deren Gepäck im Blickfeld. Es sind lebensgroße Figuren des englischen Künstlers und Galeristen Nick Treadwell (73), der ein Freund des Hauses ist. Warum es Nick, den skurrilen Engländer, der seine Vorliebe für die Farbe Pink bis in die Haarspitzen auslebt, hier ins Mühlviertel verschlagen hat. Ganz einfach: „Weil diese Gegend einfach ,magic‘ ist!“ Und strategisch könnte sie ja gar nicht besser liegen. Denn beinahe im Stundentakt schlängelt sich die Mühlkreisbahn durch die grünen Auen des Mühlviertels und verbindet die Region der Künstler und Galeristen ganz wunderbar mit der Kulturhauptstadt Linz. Einer Stadt, die wie das Mühlviertel ist: ganz anders ist als ihr Ruf.

LINZ& DER MÜHLTALHOF: DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Das Mühlviertel, begrenzt im Norden durch den Böhmerwald, im Süden durch die Donau, stellt eines der vier historischen Viertel Oberösterreichs dar. Benannt ist die Region nach den Flüssen Große und Kleine Mühl und Steinerne Mühl. Als Grenzland, das Jahrzehnte im Schatten des Eisernen Vorhangs lag, konnte sich das Mühlviertel eine großartige Natur bewahren.

ENTFERNUNGEN Von Passau nach Linz sind es mit dem PKW 50 Kilometer, von der Gemeinde Neufelden nach Linz 35 Kilometer. Regelmäßige Anbindung nach Linz durch die Mühlkreisbahn. Fahrplan im Internet: www.ooevv.at.

WOHNEN Das Genießerhotel Mühltalhof mit insgesamt 22 Zimmern und einer Familiensuite liegt am aufgestauten Flussufer der Großen Mühl im Gemeindebereich Neufelden. Übernachtung mit Frühstück ab 47 Euro pro Person, mit Halbpension ab 72 Euro (ab einer Buchung von drei Nächten). Kultur-Arrangement (zwei Ü/F, Vier-Gang-Genießermenü und Linzer Museumskarte) für 150 Euro pro Person. Tel. 0043/7282-62 58, im Internet: www.muehltalhof. at.

MAGAZIN Soeben erschienen ist das Mühlviertel Magazin mit vielen Geschichten, Adressen und Tipps rund um die kultur- und geschichtsträchtige Region. Es kann kostenlos bestellt werden bei der Perspectra GmbH in Grein, Tel. 0043/7268-212 09 oder per E-Mail: office@perspectra.at.

KULTURHAUPTSTADT Informationen rund um die Kulturhauptstadt Linz gibt es im Infocenter am Hauptplatz, am Bahnhof und am Flughafen. Im Internet unter www.linz09.at. Die Linz09-Card, die den freien Eintritt in zahlreiche Ausstellungen und Museen ermöglicht, kostet für einen Tag 15 Euro, für drei 25 Euro. Stadtführungen beginnen täglich um 11 Uhr vor dem Infocenter am Hauptplatz in Linz.

Annemarie Donaubauer

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