Trauminsel?

Urlaubsparadies Malediven: Auf Wasser gebaut

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40 Jahre Malediven – ein Urlaubsparadies auf dem Prüfstand

Vor 40 Jahren eröffnete auf der Insel Vihamanafushi im Nord-Male-Atoll das erste Resort der Malediven: Kurumba. Seitdem ist viel passiert im Staat, der eigentlich nur aus Korallenbänken besteht.

Und Palmen. Und viel Wasser. Heute gehören die Malediven mit ihren vorwiegenden Vier- und Fünf-Sterne-Resorts zu den Luxuszielen dieser Welt. Autor Stephen Hank zog Bilanz.

„Da ist unser Präsident“, ruft Saif und lächelt stolz. Eine schwarze Limousine in Begleitung mehrerer Motorräder biegt von der Hafenstraße in Richtung Innenstadt ab. Man darf sich das nicht wie in Washington vorstellen. In Male, der mit 123.000 Einwohnern im Vergleich zu ihrer Größe dichtbesiedeltsten Hauptstadt der Welt, den Präsidenten zu sehen, heißt in Ingolstadt oder Würzburg dem Bürgermeister über den Weg zu laufen. „Er ist ein guter Mann“, sagt Saif über das 59-jährige Staatsoberhaupt Mohammed Waheed Hassan. „Aber nächstes Jahr wähle ich doch wieder den Jüngeren.“

Die erste Hotelinsel: Auf Vihamanafushi Island im Nord-Male-Atoll entstand vor 40 Jahren das erste Resort der Malediven. Es bestand damals aus 30 Blockhütten. Kurumba Village nannten es die Betreiber, Kokosnuss-Dorf, in Anlehnung an die dortige Plantage. Heute ist Kurumba ein Luxus-Resort mit fünf Sternen.

Der Jüngere, das ist Mohamed Nasheed, 45 Jahre alt und er war bis Februar Präsident der Malediven. Einigen im Land war er zu weich in der Durchsetzung islamischer Prinzipien und Lebensformen. Nach massiven Protesten in der Hauptstadt gab der erste demokratisch gewählte Staatschef in dem muslimischen Land die Macht an seinen Stellvertreter ab. Aber dass er bei den Wahlen im kommenden Jahr erneut antreten und auch wieder gewählt wird, gilt als wahrscheinlich.

Was bedeutet das für die Malediven als Urlaubsziel? Wie ist ein Präsident einzuschätzen, der einerseits die Öffnung des Landes für ausländische Investoren vorantreibt, andererseits mit der Anordnung, die Wellness-Bereiche der Resorts zu schließen, weil sie versteckte Bordelle seien, für Unruhe im Tourismus sorgt?
„Das sind politische Spielchen, ein ewiges Hin und Her“, sagt Dominik Ruhl, Manager des Lux Maldives, einem Resort rund 100 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Hier auf der Insel Dhidhoofinolhu im Ari-Atoll hätten sie, wie anderswo auch, die Sache mit dem Spa-Verbot mit einem müden Lächeln zur Kenntnis genommen.

„Es kam ein Fax, aber wir haben es nicht beachtet“, sagt auch Marteyne van Well, Managerin des Six Senses Laamu im Süden der Malediven. Wenig später sei die Regierung zurückgerudert. Und Mohamed Maleeh Jamal (34), seit März in der neuen Regierung stellvertretender Tourismusminister, räumt ein: „Wir müssen auf die Wünsche unserer Gäste und die Trends im Fremdenverkehr Rücksicht nehmen.“

Die Negativschlagzeilen freilich schaden dem Inselparadies. Etwa die Sache mit dem Bikiniverbot, das noch vor den Spa-Schließungen die Runde machte. „Nach den politischen Unruhen im Frühjahr hatten wir 6700 Stornierungen“, räumt Mohamed Adam (40) vom maledivischen Fremdenverkehrsbüro ein.

Eine Million Gäste zählen die Malediven inzwischen pro Jahr. 40 Prozent kommen mittlerweile aus dem asiatischen Raum – ein rasanter Anstieg. Vor 40 Jahren, als sich das Land für den Tourismus öffnete, befand sich das Urlaubsparadies noch fest in europäischer Hand. Ein italienischer Reiseunternehmer hatte die ersten Gäste 1972 gebracht. Auf Vihamanafushi Island im North-Male-Atoll entstand das erste Resort mit 30 Blockhütten. Kurumba Village nannten es die Betreiber, Kokosnuss-Dorf, in Anlehnung an die dortige Plantage.

Heute gibt es in dem Inselstaat knapp hundert Resorts. Eines davon ist das Four Seasons auf Landaa Giraavaru im Baa-Atoll, und wer das Privileg genießt, nach einem 25-minütigen Flug von Malé mit dem Wasserflugzeug in einer der Strandvillen mit eigenem Pool und privatem Meerzugang abzusteigen, der lernt die Malediven von ihrer luxuriösesten Seite kennen. Krisen welcher Art auch immer sind hier weit weg.

Wie mittlerweile die meisten Fünf-Sterne-Resorts, hat auch das Four Seasons einen eigenen Meeresbiologen und sogar ein eigenes Forschungszentrum mit Krankenstation für verletzte Schildkröten. Einmal im Monat kommen hier auch maledivische Schulklassen zu Besuch – um zu lernen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. „Wir müssen die Kinder für die Umwelt sensibilisieren“, sagt Meeresbiologe Yoann, ein 28-jähriger Franzose. Erst vor kurzem hat die Unesco das Baa- Atoll zum ersten Biosphärenreservat der Malediven ernannt. „Das ist ein schöner Titel, aber man muss auch etwas tun, um es zu schützen“, meint Yoann.

Einen „bedeutenden Schritt“ nennt Vize-Tourismusminister Jamal die Unesco-Auszeichnung. Er sieht im Schutz der Umwelt und des Meeres den Schlüssel für das künftige Wohlergehen des Inselstaats. Der Tourismus werde sich weiterentwickeln, aber das müsse im Einklang mit der Natur geschehen. „160 Inseln könnten in der Zukunft noch bebaut werden, allerdings unter strengen Auflagen“, stellt Jamal klar. „Wir setzen auf Qualität statt Quantität.“ Und er will, dass auch die Bevölkerung mehr vom Tourismus profitiert. Künftig wollen die Malediven nicht mehr allein auf die Resorts setzen, sondern Land und Leute besser erlebbar machen – auch mit privaten Gästehäusern auf den Einheimischeninseln.

Der „junge Präsident“ hat vor einigen Monaten öffentlichkeitswirksam eine Kabinettssitzung unter Wasser abgehalten und vom drohenden Untergang des Paradieses gesprochen. „Aber wir sind als Volk nicht beängstigt“, sagt der Vizeminister und lächelt. „Wir leben seit 1000 Jahren hier und haben nicht vor, die Malediven zu verlassen.“

Stephen Hank

DIE REISE-INFOS ZU DEN MALEDIVEN

REISEZIEL Die Malediven liegen im Indischen Ozean, rund 500 Kilometer von der Südspitze Indiens entfernt, und erstrecken sich etwa 800 Kilometer in nord-südlicher Richtung. Der Inselstaat besteht aus 26 Hauptatollen mit knapp 1200 Inseln. Rund 300 Inseln sind von Einheimischen bewohnt oder touristisch genutzt. Mit 298 Quadratkilometern haben die Malediven weniger Landfläche als die Insel Malta.

ANREISE Mit Condor ab Frankfurt (Zubringerflüge ab München). Die Flugzeit beträgt nonstop rund zehn Stunden. Emirates fliegt ab München, allerdings mit Zwischenstopp in Dubai.

WOHNEN Knapp 100 Inseln der Malediven sind mit Urlaubsresorts bebaut, die überwiegend in der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie angesiegelt sind. Besonders exklusiv und luxuriös ist das Four Seasons auf Landaa Giraavaru im Baa-Atoll. Insbesondere für Familien eignet sich das Lux Maldives im South-Ari-Atoll.

PREISBEISPIELE Das Lux Maldives wird u.a. von TUI angeboten. Sieben Nächte mit Flug ab Frankfurt und Frühstück ab 2297 Euro. Sechs-Sterne-Luxusresorts wie das Four Seasons Maldives auf Landaa Giraavaru kosten ab ca. 500 Euro pro Person und Nacht im Beach Bungalow (über Airtours). Kurumba, das erste Resort der Malediven, kann ab 1644 Euro pro Person und Woche mit Flug, Transfer und Frühstück gebucht werden (TUI).

KLIMA/REISEZEIT Das Klima auf den Malediven ist ganzjährig tropisch mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die beste Reisezeit ist zwischen Oktober und März, allerdings gibt es auch dann ab und zu einen tropischen Regenschauer.

UNTERWASSERWELT Man muss für das große Meereskino nicht abtauchen auf den Malediven. Auch Schnorchler kommen an den Korallenriffen auf ihre Kosten. Große Teile des Baa-Atolls wurden von der Unesco als Biosphärenreservat ausgewiesen. Besondere Attraktion ist das Schwimmen mit Mantarochen oder Walhaien.

WEITERE INFOS über das Maledivische Fremdenverkehrsbüro unter www.visitmaldives.com oder die Vertretung in München, Tel. 089/27374280.

„Das Umfeld ist einmalig“

„Ein spezieller Platz“: Dominik Ruhl leitet das Lux Maldives.

„Ich habe schon an vielen Orten gearbeitet, aber das ist ein ganz spezieller Platz“, schwärmt Dominik Ruhl. Der 41-Jährige aus Bad Homburg leitet das Lux Maldives auf Dhidhoofinolhu, mit rund zwei Kilometern Länge eine der größten Inseln der Malediven. Im Gespräch mit Stephen Hank erklärt er, wie er die touristische Zukunft der Inseln beurteilt und wo er die Stärken des Landes und seiner Bevölkerung sieht.

Gratulation, Herr Ruhl, zu Ihrem Arbeitsplatz. Sie werben mit dem Slogan „Lighter. Brighter“. Ist wirklich alles leichter und heller auf den Malediven?

Das Umfeld ist einmalig, aber wir müssen uns auch den Herausforderungen stellen. Die Umweltauflagen sind in letzter Zeit deutlich strenger geworden. Woher kommt die Energie, wohin geht der Müll, wie arbeiten die Kläranlagen? Da achtet die Regierung mittlerweile sehr genau darauf. Und dann sind uns durch die Finanzkrise große Märkte weggebrochen.

Wie können Sie den Verlust auffangen?

Gerade in Deutschland wird der Name Lux langsam bekannt, insbesondere bei Familien. Es gibt nur wenige Resorts auf den Malediven, die sich um diese Zielgruppe bemühen. Um Konflikte mit anderen Gästen zu vermeiden, braucht es eine gewisse Größe der Insel. Und dann ist da China. Vor drei Jahren hatten wir noch fast keine chinesischen Gäste, jetzt sind sie die Nummer eins. Aber China ist ein sehr kurzfristiger Markt. Viele buchen erst eine Woche vorher.

Mal schnell auf die Malediven also. Warum ausgerechnet hierher?

Pro Insel gibt es nur ein Hotel. Es ist ruhig. Selbst wenn die Malediven ausgebucht sind, merkt man das nicht. Gäste, die früher in der Karibik waren, kommen mittlerweile hierher. Sie sagen, der Service sei besser und die Menschen netter. Das stimmt. Die Leute sind sehr relaxed. 55 Prozent unserer 600 Beschäftigten sind Einheimische. Nette Menschen, die fleißig sind und gerne arbeiten.

Aber das Management der meisten Resorts besteht aus Ausländern.

Wir versuchen, die Einheimischen immer besser einzubinden. Mein Stellvertreter ist Malediver. Es kommt auf uns – die Hotelketten – an, die Einheimischen zu fördern.

Schaden Themen wie das Spa-Verbot nicht dem Tourismus?

Gewiss. Dabei ist der Politik sehr genau bewusst, dass sie den Tourismus braucht.

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