Colorados Wintersport: Tradition und Retorte

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Auf geführten Pistenraupentouren lernen Wintersportler wenig befahrene Gegenden von Keystone kennen.

In Breckenridge und Keystone haben Wintersportler die Wahl zwischen urigem Saloon und Kinder-Abenteuerwald.  

Che Guevara trägt Skibrille. Jedenfalls auf diesem feuerroten T-Shirt, das im Schaufenster auf der Main Street von Breckenridge hängt. “Powder for the People“ - steht in Blockbuchstaben unter dem Konterfei der Revolutionsikone, “Pulverschnee fürs Volk“. Gleich daneben ist ein schicker Designeranorak mit glitzernden Strasssteinchen drapiert.

Es ist ein passendes Bild für das Städtchen im US-Bundesstaat Colorado. Wie andere Skiorte in den Rocky Mountains hat Breckenridge millionenteure Ferienwohnungen, aber man pflegt das Outlaw-Image. Mariah Carey und Kevin Costner sollen ruhig im noblen Aspen über die Pisten wedeln. Zu “Breck“ passen besser junge Wilde wie US-Olympiasieger Bode Miller.

Ein Wintermärchen: Für die jungen Gäste hat man in Keystone eine Schneeburg errichtet.

“Wir haben schließlich einen Ruf zu verteidigen“, sagt Gail Westwood vom lokalen Geschichtsverein Heritage Alliance. Mit Dutt und langem Rock stapft die lustige Mittfünfzigerin auf Stadtführungen durch den knirschenden Schnee, vorbei an kunterbunten Wildwesthäuschen mit windschiefen Holzfassaden. Dabei erzählt sie von den turbulenten Anfängen des Goldschürfercamps vor 150 Jahren, von Riesennuggets, Revolverhelden, Rotlichtbezirken und der Witwe Sylvia, die auf Suche nach einem neuen Ehemann noch immer durch die viktorianische Villa in der South Main Street 130 geistern soll.

Im Vergleich dazu wirkt das Skigebiet zivilisiert. Nadelbäume wachsen fast bis zu den Bergstationen hinauf. Die Gipfel sind zwar allesamt um die 4000 Meter hoch, aber trotzdem nicht richtig zackig. Die Rocky Mountains haben ein paar Jahrmillionen mehr auf dem Buckel als die dramatischen Alpen. Wind und Wetter haben das große Felsengebirge glattgeschmirgelt. Breckenridges Netz von 155 abwechslungsreichen Abfahrten umspannt vier Berge, Peak 7 bis 10.

In Keystone können Familien in riesigen Gummireifen eine Rodelbahn hinabschlittern.

Lifte und die Achtergondel “Breck Connect“ verbinden die Hänge miteinander. Wer über das Naturschutzgebiet Cucumber Gulch schwebt, sollte nach dem griesgrämigen Elch Ausschau halten, der angeblich am Fuß von Peak 7 abhängt. Breite, sanft geneigte und gut gewalzte Waldschneisenpisten finden Skianfänger vor allem im unteren Teil von Peak 9. Skifanatiker surren mit dem “Imperial Express Lift“, der höchsten Sesselbahn in Nordamerika, auf 3963 Meter zu Peak 8 hinauf. Wem das nicht genügt, der kann weiter zu den wilden Schluchten von Peak 7 aufsteigen.

Für Snowboarder und Freeskier gibt es gleich fünf Terrain Parks mit zwei großen Halfpipes. Breckenridge ist stolz auf seine Fortschrittlichkeit. Schon vor 25 Jahren erlaubte der Wintersportort als einer der ersten in Colorado die skeptisch beäugten Snowboards auf seinen Pisten.

Wer heute auffallen will, reitet Snow Bike. Dafür muss man nur eine halbe Stunde die kurvige Swan Mountain Road hinunterfahren nach Keystone. In Breckenridges Schwesterresort kann man Schnupperstunden auf den niedrigen Schneerädern buchen. Wie Dreiräder sehen sie aus, nur mit drei Miniskis statt Reifen und langem Sattel. Unter die Füße werden Kurzskis geschnallt.

Keystone ist ein Skigebiet ohne Ortschaft. Nur 300 Leute wohnen hier das ganze Jahr. Sonst gibt es nur Ferienwohnanlagen und Hotels. Auf das Terrain - mit 1,3 Hektar ein Drittel größer als Breckenridge - kam es Skipionier Max Dercum an. Seine Bulldozer schnitten 1971 dort Schneisen, wo sie die besten Abfahrten vermuteten. Inzwischen sind es 135, wovon knapp die Hälfte als schwierig klassifiziert ist.

Die drei Skiberge liegen nicht nebeneinander wie in Breckenridge, sondern etwas verschachtelt. Auf der Rückseite von Dercum Mountain liegt das “Outpost“, die Blockhaus-Lodge mit einem Sterne-Restaurant. Und tatsächlich fühlt man sich hier wie auf einem Außenposten mitten im White River National Forest.

Keystone ist preiswerter als Breckenridge und familienfreundlich. Eine lebensgroße Schneeburg mit Zinnen, Wachturm und Labyrinth lädt Kinder zum Spielen ein. Es gibt eine Luftreifen-Rodelbahn, einen Schlittschuhsee und einen Abenteuerwald mit Minen, Tunneln und Brücken für kleine Skischüler.

Besucher müssen sich nicht unbedingt zwischen den beiden Schwestern entscheiden. Die Skipässe gelten wechselseitig, ein gratis Shuttle pendelt zwischen Breckenridge und Keystone.

DIE REISE-INFOS ZU SKIURLAUB IN BRECKENRIDGE UND KEYSTONE

REISEZIEL: Beide Orte liegen westlich von Colorados Bundeshauptstadt Denver in den Rocky Mountains. Breckenridge zählt zu den beliebtesten Wintersportgebieten im Lande. Auf rund 3 000 Einwohner kommen 20.000 Gästebetten. Im 300-Seelen-Nest Keystone ist für 8.000 Urlauber Platz.

ANREISE: Lufthansa und United Airlines fliegen direkt von Frankfurt nach Denver. Von dort aus geht es per Mietwagen oder Shuttlebus in rund zwei Stunden weiter nach Breckenridge und Keystone. Jeder Reisende benötigt einen eigenen Reisepass, der für die gesamte Aufenthaltsdauer gültig sein muss. Ein Kinderreisepass wird nur dann anerkannt, wenn er ein Foto enthält, das vor dem 26. Oktober 2006 ausgestellt und seitdem nicht verlängert wurde.

Seit dem 12. Januar 2009 müssen alle Besucher, die ohne Visum einreisen, im Internet eine elektronische Einreiseerlaubnis einholen (https://esta.cbp.dhs.gov). Sie kostet 14 US-Dollar (rund 10,30 Euro) und gilt zwei Jahre lang (ESTA-Verfahren).

REISEZEIT: Die Talstationen beider Skiorte liegen auf rund 3000 Metern. Zur Gipfelstation in Breckenridge geht es dann nochmal fast 1000 Meter höher. Die höchste Abfahrt in Keystone beginnt auf knapp 3800 Metern. Dank der Schneekanonen dauert die Skisaison von November bis April. Von Januar bis März ist der Schnee am besten.

SKIPASS: Breckenridge und Keystone gehören wie vier weitere Skiorte in den USA zur Unternehmenskette Vail Resorts. Tickets für Keystone gelten auch in Breckenridge und umgekehrt. Wer den Skipass im Ausland gebucht hat, kann damit sogar in den nahe gelegenen Schwesterresorts Vail und Beaver Creek oder in Arapahoe Basin fahren.

WOHNEN: Beide Skiorte bieten Motels, Hotels und besonders Ferienwohnungen in vielen Preislagen an. Zum Anfang und Ende der Skisaison (November und April) sind die Tarife günstiger. In der Hauptsaison gibt es oft Rabatte für mehrtägige Aufenthalte. Pakete sind meist billiger. Sieben Doppelzimmer-Nächte in einem Drei-Sterne Hotel in Breckenridge einschließlich Sechstage-Skipass und Flughafen Transfers kosten im Januar zum Beispiel 770 Euro pro Person (930 Euro im März). Keystone gilt im Durchschnitt als günstiger.

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