Australisches Goldstück

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Abhängen im Regenwald: Die Nationalparks hinter der Goldküste von Queensland stecken voller Naturwunder.

Neun Monate nach dem verheerenden Hochwasser ist Australiens Gold Coast wieder das, was sie immer war: Ein Touristenparadies, das beliebteste auf dem Kontinent down under.

Autorin Barbara Nazarewska hat hinter die Strände geschaut, an denen die meisten Urlauber einfach hängenbleiben.

Die meisten Touristen bleiben an den Traumstränden der Gold Coast hängen.

Michael Ward ist ein Mann klarer Worte: „Stick your finger in and taste it, darling!“ Und wehe, man steckt seinen Zeigefinger nicht in das große Holzfass und schleckt ihn dann ab. Das wäre eine Beleidigung für den Hausherren – und für seinen Schnaps. Es ist doch nicht irgendein Schnaps, den er hier, im australischen Hinterland, brennt. Dieser Schnaps wird regelmäßig international ausgezeichnet. Aber eigentlich kommt es in Tamborine Mountain, rund eine Autostunde von Queenslands Hauptstadt Brisbane entfernt, nicht auf den Schnaps an – sondern auf den Schnapsmacher.

Michael Ward, weißer Bart, Hawaiihemd, Lebensweisheiten im Minutentakt, ist wahrscheinlich das Beste, was dem verschlafenen Tamborine Mountain passieren konnte. Er will ja nicht nur seinen Schnaps verkaufen, er will den Menschen erklären, worauf es ankommt – auf die Familie nämlich. „Man muss einen Draht zueinander haben, wenn man Schnaps brennt“, sagt Michael Ward. Deshalb wollte er auch nie expandieren: Er, seine Frau, die Tochter, ein paar Helfer – so funktioniert das Ward’sche Family Business. Und weil der Chef seinen Schnaps weltweit verkauft, ist er eine echte Nummer in Tamborine Mountain – und eine gute Adresse für jene, die an die Goldküste im Osten von Australien reisen und ein bisschen mehr sehen wollen als nur das Meer.

Es war in jüngster Zeit nicht ganz einfach, die Touristen hierher zu locken. Nicht nach den Flut-Schlagzeilen vom Jahresanfang. Massive Regenfälle hatten damals ein Gebiet überschwemmt, das größer war als Deutschland und Frankreich zusammen. Dass vor allem unbewohnte Landstriche betroffen waren, blieb in den Köpfen der Menschen nicht hängen. Genau dieses schiefe Bild muss nun korrigiert werden.

Tierparadies hinter der Goldküste: Dabei ist die Urlaubsregion im Osten Australiens auch ein ideales Safari-Ziel.

Tim Carisbrick, Ranger und Naturbursche, macht das mit einer Engelsgeduld. Er hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass die Menschen ihn nach dem Hochwasser fragen. Nur – was soll er ihnen antworten, außer: „Bei uns war nichts.“ Keine Überschwemmung, keine Schäden. Wirklich? „Ja, wirklich!“, antwortet er den deutschen Urlaubern mit breitem australischen Akzent. Tim hat nämlich mal in Gelsenkirchen gelebt, deshalb kann er ein bisschen Deutsch – und deshalb ist er Schalke-Fan. Anhänger von Borussia Dortmund kutschiert er nicht so gern. Andererseits: Wenn es der Sache dient ...

Im Wildpark Currumbin am südlichen Ende der Gold Coast sieht man Hunderte australischer Tiere und kann Koalas knuddeln, Kängurus streicheln.

Tim versteht nicht, warum die meisten lieber an der Küste bleiben. „Die Natur hier ist gigantisch“, schwärmt er, steigt in seinen Landrover – und fährt mit uns hoch in die Berge, vorbei an Schafherden, Kühen, Weiden und Wäldern – direkt zu O’Reillys. Das Hotel liegt inmitten des Lamington Nationalparks. Es ist fast schon eine Institution, ziemlich bekannt für echte Naturerlebnisse, vor allem aber für die Glühwürmchen-Tour.

Der Nachtausflug erinnert ein bisschen an vergangene Schullandheim-Zeiten. Man schleicht durch den Regenwald, vorbei an riesigen Würgefeigen,deren Luftwurzeln in der Nacht bedrohlich wirken, und entlang plätschernder Flüsschen – und steht plötzlich vor einer leuchtenden Wand aus Tausenden von Glühwürmchen. Keiner traut sich ein Wort zu sagen. Und Matt, unser Führer, ist jetzt richtig zufrieden. „This is a great nature experience“, wird er später sagen – das ist ein echtes Naturerlebnis.

DIE REISE-INFOS ZU AUSTRALIEN

Urlaubsträume zwischen Brisbane und dem Great Barrier Reef.

REISEZIEL Der Bundesstaat Queensland liegt im Nordosten Australiens und ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern etwa fünf Mal so groß wie Deutschland. Die Gold Coast befindet sich im äußersten Süden von Queensland.Sie ist ein beliebtes Urlaubsziel, da es hier nicht nur Strand und Meer (Great Barrier Reef, Whitsundays Inseln), sondern auch ein faszinierendes Hinterland mit dem Regenwald gibt.

ANREISE Qantas fliegt täglich von Frankfurt mit Umsteigen in Singapur nach Brisbane, Preis ab rund 1.000 Euro.

EINREISE Touristen aus der EU brauchen einen Reisepass und müssen sich online unter www.immi.gov.au bei Australiens Behörden anmelden. Per E-Mail erhalten sie dann meist binnen weniger Minuten ihre Einreisegenehmigung.

KLIMA Beste Reisezeit ist April bis November. Dann ist in keiner Region in Queensland Regenzeit, es ist nicht zu heiß und keine Quallen-Saison.

TIPPS ZUM ÜBERNACHTEN

AN DER KÜSTE Oaks Calypso Plaza in Coolangatta am südlichen Ende der Gold Coast; ab 48 Euro. Sofitel Gold Coast in Broadbeach; ab 78 Euro. Beides buchbar über Dertour, Explorer Fernreisen oder Boomerang Reisen.

IM HINTERLAND O’Reillys Rainforest Retreat im Lamington National Park; Ü/F ab 85 Euro. Gäste können kostenlos an einer Glühwürmchen-Tour teilnehmen. Buchbar über Dertour, Explorer Fernreisen oder Boomerang Reisen.

Peppers Ruffles Lodge & Spa in dem kleinen Örtchen Willow Vale im grünen und bergigen Hinterland; Ab 210 AUD (rund 157 Euro) pro Person, inkl. Frühstück. Nur direkt buchbar unter www.peppers.com.au/ruffles-lodge.

ESSEN & TRINKEN Mick Jagger war schon hier und auch die Teilnehmer des RTL-Dschungelcamps erholten sich im Palazzo Versace in Surfers Paradise – das Frühstücksbuffet kostet ab 36 AUD (rund 27 Euro).

Wer im Regenwald inmitten von Vogelgezwitscher gut essen möchte sollte einen Abstecher zum Songbirds Rainforest Retreat in North Tamborine machen (www.songbirds.com.au). Ganz in der Nähe liegt die Tamborine Mountain Distillery von Michael Ward. Infos unter www.tamborinemountaindistillery.com. Ebenfalls ganz in der Nähe: Die Cedar Creek Estate Vineyard & Winery, wo es eine kostenlose Weinprobe gibt; Infos unter www.cedarcreekestate.com.au.

SPORT & OUTDOOR SURFEN Wer sich einmal als echter Aussie-Surfer versuchen will, bucht eine Probestunde bei Go ride a Wave in Surfers Paradise. Kosten: 75 AUD (rund 56 Euro); Infos unter www.gorideawave.com.au.

SAFARI Ranger Tim Carisbick von Eco Safaris Queensland führt Touristen in die Tamborine Mountains, den Springbok-Nationalpark oder den Lamington-Nationalpark. Die Touren beginnen je nach Kundenwunsch in Brisbane oder an diversen Orten der Golden Coast und kosten ab 195 AUD pro Person (rund 145 Euro); Infos unter www.ecosafarisqueensland.com.

WEITERE INFOS Tourism Queensland, c/o Global Spot in München; www.queensland-australia.eu/de.

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