Apulien: Ein Land wie eine Sucht

+
Apulien - Der blaue Himmel bietet die perfekte Kulisse für Klosterbaukunst: Blick vom Dom-Campanile auf die Stadt Trani.

„Apulien ist gefährlich“, sagt der Mann und er meint damit nicht etwa Handtaschendiebe, vor denen Urlauber im Süden immer eindringlich gewarnt werden...

Die eigentliche Gefahr lauere der Seele des Reisenden auf. „Man droht in eine emotionale Abhängigkeit zu geraten“, warnt der Münchner Kunsthistoriker Dr. Rolf Legler. Was es mit der Apulien-Sucht auf sich hat.

Nein, dieses Land, das sich vom Sporn bis zum Absatz des italienischen Stiefels mit 784 Küstenkilometern hinzieht, ist kein Massenziel. Trotz seiner Traumstrände, trotz der Geschichte, trotz der Kunstschätze.

Hafenstadt mit langer Geschichte - Gallipoli

„Wer nördlich der Alpen auf Anhieb weiß, wo Apulien liegt, gehört einer Minderheit an“, vermutet Legler. Sogar er selbst, obwohl Italien-Fan von Jugend an, habe eine Zeit gebraucht, um Apulien zu entdecken. „Die erste Begegnung erfolgte aber auch unter ungünstigen Umständen“, gibt er zu. Es hatte geschüttet in Strömen und eine eisige Bora hatte ihnen das Zelt weggefegt, als er damals, 1970, mit einem Studienkollegen im VW Käfer zum Aquarellieren in den Süden Italiens gereist war. „In Peschici, heute nicht mehr vorstellbar, gab es weder ein Hotel noch einen Zeltplatz, nicht einmal ein Café oder eine Pizzeria.“

Traumstrände, Geschichte und Kunstschätze

Neun Jahre ließ Legler ins Land streichen, bis er einen zweiten Apulien-Anlauf wagte. Und diesmal war alles ganz anders, alles perfekt. Apfel- und Kirschbaumblüte und ein strahlend blauer Himmel boten die ideale Kulisse für Klosterbaukunst, Dome und Kastelle, Trulli und Mosaike. Legler hatte sein Traumland gefunden.

Der Bildband „Apulien – eine italienische Kunstlandschaft“ von Rolf Legler kostet 29,90 Euro und ist ab sofort in allen Geschäftsstellen von Münchner Merkur/tz, im Buchhandel oder direkt beim Verlag unter info@hirmerverlag.de erhältlich.

An die 50 Mal sei er inzwischen in Apulien gewesen, resümiert der heute 66-jährige Kunsthistoriker. Teils beruflich bedingt, zur Recherche von mittlerweile einem halben Dutzend Kunstreiseführern, teils als Leiter von Reisegruppen, teils auch einfach nur ganz privat. „Es gibt inzwischen viele Freundschaften, ich bin quasi schon Halbapulier.“ Und natürlich kennt der Münchner das Land am italienischen Absatz heute genausogut wie seine bayerische Heimat. Er weiß, wo man gut wohnen kann, wo es die schönsten Strände gibt und die besten Fischlokale am Hafen. Er weiß, wie die Reiseroute eines Apulien-Neulings verlaufen sollte, damit man möglichst viel einsammeln kann an landschaftlichen und kulturellen Eindrücken.

„Beschränken Sie sich beim ersten Mal auf den Gargano“, rät Legler. Man habe dort alles auf engstem Raum: schöne Landschaft, interessante Kultur und die besten Bademöglichkeiten. Sein persönlicher Traumstrand liegt kurz vor Vieste. Oder aber er setzt mit dem Schnellboot auf die Tremitischen Inseln über. Die Gruppe gehört seit 1991 zum Naturschutzpark Parco Nazionale del Gargano. „Das Wasser dort ist großartig“, sagt Legler.

"Apulien - eine italienische Kunstlandschaft" ein Bildband von Rolf Legler

Insidertipps gefällig? Der Mann hat einige auf Lager, und es ist nicht nur die Liste der Kulturschätze, denn auch ein Kunsthistoriker lebt nicht nur von Stein und Zahlen allein. Martina Franca, sagt er, sei nach Lecce die schönste Barockstadt. Und am schönsten wohne man dort im Parkhotel San Michele – es sei denn, eine italienische Großfamilie feiert dort gerade eine Hochzeit.

Aber das gehört für Legler mit dazu, das italienische Leben in all seinen Facetten, besonders aber das Essen. Die Grottenrestaurants von Polignano a Mare oder die Hafenkneipen von Trani: „Mit dem Meer davor und der Landwirtschaft im Hinterland hat Apulien die besten Zutaten für eine schmackhafte, rustikale Küche“, sagt der Kenner. Und ergänzt: „Sie sehen schon, ich bin süchtig. Wenn man nicht da ist, geht das Land einem ab.“

Christine Hinkofer

DIE REISE-INFOS ZU APULIEN

REISEZIEL Die Region Apulien reicht vom Sporn des italienischen Stiefels (Gargano) bis zum Absatz (Halbinsel Salento) und grenzt mit ihren Küsten an die Adria und an das Ionische Meer. Hauptstadt ist Bari. Otranto ganz im Süden bildet den östlichsten Punkt Italiens, der nur noch 80 Kilometer von der albanischen Küste entfernt ist. Mit 19.365 Quadratkilometern ist Apulien etwa halb so groß wie die Schweiz,

ANREISE Mit dem PKW sind es von München nach Vieste/Gargano rund 1200 Kilometer bzw. zwölfeinhalb Stunden Fahrzeit. Mit der Bahn braucht man rund 16 Stunden, Abfahrt in München z.B. um 15.34 Uhr, Ankunft in Bari um 7.05 Uhr, zweimaliges Umsteigen in Verona und Rom. Air Berlin fliegt dreimal pro Woche von München nach Bari. Rückflugtickets ab ca. 200 Euro. www.airberlin.de.

REISEZEIT/KLIMA Apulien hat durchschnittlich 300 Sonnentage im Jahr, einen heißen Sommer und angenehm milde Frühlings- und Herbstmonate. Der Winter ist nahezu frostfrei. Für klimatische Turbulenzen sorgen nur die unberechenbaren Winde.

STRÄNDE Die schönsten Strände Apuliens findet man auf der Südseite des Gargano zwischen Vieste und Manfredonia, bei Monopoli und Fasano an der Adriaküste und auf den vorgelagerten Tremitischen Inseln.

SEHENSWERT Die 60 Kirchen und 30 Klöster der Barockstädte Martina Franca und Lecce (auch das Florenz des Südens genannt); Taranto oder Tarent, die Stadt, die 1000 Jahre älter als Rom ist; die Burg Castel del Monte, die Friedrich II. 1240 erbauen ließ; Alberobello mit seiner Trulli-Siedlung, den für Apulien typischen Rundhäusern und Castellana mit dem größten unterirdischen Grottensystem Europas. Erst in den 30er Jahren wurden die 1600 Kilometer langen Stollen entdeckt.

Leserreise: Mit dem Buchautoren nach Apulien

Buchautor Dr. Rolf Legler begleitet im kommenden Frühjahr eine Leserreise von Münchner Merkur und tz nach Apulien. Stationen durch das Land der Kathedralen, Kastelle und Trulli auf den Spuren von Friedrich II:

  • 1. Tag: Normannen und Staufer Ankunft in Bari um 14.05 Uhr, Busfahrt nach Canosa di Puglia. Besichtigung der ältesten Bischofsstadt von Apulien. Weiter nach Foggia, der einstigen Verwaltungshauptstadt Kaiser Friedrichs II., Abendspaziergang zum Dom.
  • 2. Tag: Gargano und Tavoliere Auf dem Weg nach Manfredonia besuchen wir S. Leonardo, die ehemalige Niederlassung des Deutschen Ordens vor den Toren von Siponto. Im Stauferkastell von Manfredonia wartet eine archäologische Sensation Apuliens auf uns. Dann nach Montesantangelo, der im Mittelalter hoch frequentierten Pilgerstadt zum Erzengel Michael. Am späten Nachmittag Besuch von Lucera und der großartigen Kathedrale von Troia.
  • 3. Tag: Gold & Grottenkirchen Vormittags geht es nach Altamura, der einzigen Stadtgründung Friedrichs II. in Apulien. Den Rest des Vormittags wandern wir durch Matera (Weltkulturerbe). Am Nachmittag sehen wir den weltberühmten Goldschatz von Tarent im archäologische Museum. Die älteste Staatsstraße Roms, die Via Appia, bringt uns über Manduria nach Lecce.
  • 4. Tag: Blumen im Salento Vormittags Stadtrundgang durch die Barockstadt Lecce mit Amphitheater und Palästen. Mittagspause am Meer im alten byzantinischen Hafen von Otranto. Rückfahrt nach Lecce durch das Salento nach Gallipoli und Nardo.
  • 5. Tag: Weiße Städte & Trulli Unser Rückweg ins mittlere Apulien führt uns nach Brindisi, Roms wichtigsten Orienthafen und in das malerische Ostuni. Nach einem Spaziergang durch das Barockstädtchen Martina Franca geht es in die Zona dei Trulli in Alberobello (Weltkulturerbe) und nach Trani.
  • 6. Tag: Romanik im Barese Der Dom von Bitonto überliefert das vollkommenste Abbild der sogenannten Bareser Romanik. Die geschäftige Hafenstadt Bari mit Dom ist ein weiterer Höhepunkt dieser Apulienreise. Das Castel von Conversano hütet einen Schatz, nämlich den kompletten Bilderzyklus zu Torquato Tassos „Befreitem Jerusalem“ des genialen kampanischen Malers Paolo Finoglia.
  • 7. Tag: Koloss & Kathedralen Über Ruvo nähern wir uns Castel del Monte, der berühmtesten Burg Italiens und dem Meisterwerk Friedrich II. im staufischen Südreich. Dann geht es zum berühmten Koloss von Barletta.
  • 8. Tag: Abschied & Heimflug Über die malerische Hafenstadt Molfetta mit ihrem romanischen Kuppeldom fahren wir nach Bari. Rückflug mit Air Berlin, Ankunft in München um 16.30 Uhr.

Die Leserreise vom 15. bis 22. April 2012 kostet inklusive Flug mit Air Berlin, Ü/HP in Vier-Sterne-Hotels und Reiseleitung durch Dr. Rolf Legler 1445 Euro/Pers. (im DZ), EZ-Zuschlag: 160 Euro.

Buchung bei Geldhauser Reisen, Tel. 089/220861.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare