Kampf um den Traumjob

Wenn aus Freunden Konkurrenten werden

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Wer mit Freunden um Jobs konkurriert, sollte eigene Interessen nicht zu weit zurückstellen. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn

Beim Geld hört die Freundschaft auf, besagt ein Sprichwort. Aber gilt das auch indirekt, nämlich dann, wenn Freunde oder gar Paare um einen Job konkurrieren?

Hamburg/Oldenburg (dpa/tmn) - Volontariat beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Doktorandenstelle, Referendariat in einer renommierten Kanzlei: In manchen Branchen sind die Jobs für Berufseinsteiger rar - und somit heiß umkämpft.

Dann werden manchmal Freunde oder gar Pärchen, die sich im Studiengang kennengelernt haben, zu Konkurrenten - zumindest beruflich. Gleiches kann natürlich auch Berufserfahrenen passieren, die zur selben Zeit den nächsten Karriereschritt anstreben.

Wie gehen Freunde oder Paare am besten damit um? Bei diesem Thema sollte man sich über eine Grundvoraussetzung im Klaren sein, wie Psychologin und Coach Kristine Qualen sagt: "Man sieht sich immer zweimal im Leben." Klarheit und Fairness sollten daher selbstverständlich sein. Wer versucht, etwas hinter dem Rücken der befreundeten Konkurrenz zu drehen, schafft Konfliktpotenzial. "Dinge, die verdeckt stattfinden, sind Sprengstoff."

Alle Karten auf den Tisch

Wilfried Schumann kennt das Thema aus seiner alltäglichen Arbeit mit Studierenden. Er leitet den Psychologischen Beratungs-Service von Universität und Studentenwerk Oldenburg. Er empfiehlt, eine gemeinsame Etikette für die Konkurrenzsituation zu verabreden. "Das wichtigste ist, das man die Situation nicht verleugnet, sondern offenlegt und gemeinsam eine angemessene Lösung findet."

So könne man die Situation sportlich nehmen: Es kann eben nur einer den Kampf um den Job gewinnen, man überträgt diese Tatsache aber nicht auf die Beziehung. Oder man einige sich darauf, dass man sich nicht als Konkurrenz versteht, sondern sich gegenseitig unterstützt und als Team agieren möchte.

Mut und innere Distanz

Coach Anne Forster, die sich auf die Beratung junger Berufstätiger spezialisiert hat, findet: "Das Ganze ist ein Geben und Nehmen, darauf basiert auch das gesamte Berufsleben." Sie hält es für unproblematisch, sich zum Beispiel gegenseitig auf ausgeschriebene Stellen hinzuweisen oder Tipps für das Bewerbungsgespräch zu geben.

Damit befreundete Bewerber voneinander profitieren können, ohne dass die Freundschaft leidet, ist laut Psychologin Qualen aber viel Mut und innere Distanz nötig, um dem Gegenüber eine ehrliche und somit auch hilfreiche Rückmeldung zu geben.

Vergleiche sind fast immer gefährlich

Was aber tun, wenn es kommt, wie es kommen muss - einer hat den Job, der andere nicht? "Völlig egal kann uns das nicht sein, so ticken wir Menschen nicht", betont Schumann. Man muss sich aber bewusst darüber sein: Vergleiche mit anderen sind gefährlich.

Oft seien sie auch einfach unangemessen, weil man unterschiedliche Talente oder Fähigkeiten hat. Außerdem seien gerade Bewertungen bei Bewerbungen nicht ganz objektiv. Wichtig ist: Man sollte sich nach einem Misserfolg nicht für Ewigkeiten schachmatt setzen lassen. "Es spielen immer Glück, die Tagesform und viele andere Dinge, die man nicht beeinflussen kann, hinein."

Nun könnte man etwa im Studium und somit auch in der späteren Jobsuche verschiedene Schwerpunkte setzen, um solch unangenehme Situationen zu umgehen. Wenn es thematisch passt - wunderbar, findet Schumann. "Wenn man sich nur aus Gründen der Freundschaft Interessen verkneift, hinter denen Herzblut steckt, würde ich sagen: Das Opfer ist zu groß." Eine andere Möglichkeit wäre, den zeitlichen Ablauf des Studiums etwas anders zu gestalten, um sich ein wenig aus dem Weg zu gehen.

Beziehung und Studium voneinander trennen

Eine besondere Herausforderung ist eine solche Situation für eine Liebesbeziehung, so Schumann. Manche Paare schaffen es ganz gut, voneinander zu profitieren. "Es kann aber auch sein, dass man sich nicht auf Augenhöhe fühlt und böses Blut entsteht."

Wenn einer merke, dass er sich unterlegen fühlt, sollte man Beziehung und Studium voneinander trennen und sich Unterstützung zum Beispiel bei anderen Kommilitonen holen, empfiehlt Schumann.

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