Am Arbeitsplatz

"Ich habe es einfach nur ertragen": Frau erzählt, was ihr Chef ihr antat

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Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes besagt, dass jeder Elfte in den letzten drei Jahren am Arbeitsplatz belästigt wurde.

Manche verstehen sich mit ihrem Chef nicht gut und müssen sich täglich vor dem Gang in die Arbeit fürchten. So wie diese Frau - sie war ihrem Chef jahrelang ausgeliefert.

Haben Sie es schon erlebt? Sie unterhalten sich mit Ihrem Kollegen, lachen zusammen - und ganz plötzlich liegt die Hand Ihres Kollegen auf Ihrem Knie. Der Kollege redet weiter, als wäre es eine selbstverständliche Berührung. Ist sie das? Warum fühlen Sie sich dann auf einmal so unwohl?

Jeder Elfte ist am Arbeitsplatz belästigt worden

Kürzlich wurde eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes veröffentlicht. Sie zeigte: Jeder elfte Berufstätige hat in den vergangenen drei Jahren Belästigung am Arbeitsplatz erlebt, die meisten davon Frauen. Vor allem Branchen, in denen die Arbeitenden regelmäßig Kundenkontakt haben, sind betroffen.

"Seine Hand oftmals auf meine gelegt. Mich zufällig beim Vorbeigehen berührt. Hinter mir am PC gestanden und sich viel zu nahe zu mir vorgebeugt. Sich vor mir umgezogen. Ich habe nichts dazu gesagt. Die Scham aber war groß, weil ich es einfach nur ertragen habe", schrieb eine ehemalige Mitarbeiterin einer Arztpraxis in ihrer E-Mail an den SPIEGEL. Was sie mit ihrem Chef erlebte, ist schon einige Jahre her und eine eher milde, aber subtile Belästigung über einen längeren Zeitraum. "Auch so was ist demütigend", schreibt die Frau.

Ebenfalls interessant: Belästigung bisher nur am Arbeitsplatz verboten.

Was kann man gegen Belästigung am Arbeitsplatz tun?

Man solle sich nicht entmutigen lassen, rät eine SPIEGEL-Leserin. "Mit zunehmendem Selbstbewusstsein kommt auch die Schlagfertigkeit. Situationen im Kopf durchspielen, hilft auf jeden Fall, um gute Antworten zu finden." Diese wären zum Beispiel:

"Lassen Sie das, das ist mir unangenehm."

"Erklären Sie mir diesen Spruch doch einmal genau, den habe ich nicht verstanden."

"Finden Sie das angemessen?"

"Ich mache ja gern mal einen Spaß, aber das ist mir zu viel. Wir sind hier bei der Firma X und nicht in einem Puff."

"Das ist nicht Teil meiner Tätigkeitsbeschreibung."

Das Wichtigste bei Belästigung am Arbeitsplatz ist, dass Sie sich überhaupt trauen, etwas zu sagen - egal wie schlagfertig Ihr Spruch gerade ist. Doch oft ist man erst einmal zu perplex, um souverän reagieren zu können und sich verbal oder auch körperlich zu wehren. Die SPIEGEL-Leserin schrieb: "Hätte ich nur damals gewusst, was ich jetzt als gestandene Erwachsene weiß. Ich bin nur froh, dass ich meine große Tochter mit mehr Selbstbewusstsein und 'Psychokaratekönnen' in die Welt entlassen kann, als meine Mutter mich damals entlassen hat. Und nach ihren ersten eigenen Erfahrungen fängt unsere Große jetzt mit Krav Maga an. Manche Dinge sind wohl unausweichlich."

Lesen Sie auch: Belästigung: Zimmermädchen erzählen, was sie täglich durchmachen.

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vro

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