„Das machen die anderen doch auch“

Schlechte Ausreden bei Bagatelldelikten

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Mitarbeiter riskieren ihren Job, wenn sie in der Firma etwas mitgehen lassen – selbst bei Kleinigkeiten wie ein paar Maultaschen.

Heidelberg – Eine geklaute Frikadelle oder sechs Maultaschen – auch Kleinigkeiten können den Job kosten. Bagatelldelikte rechtfertigen aber nicht automatisch einen Rauswurf, wie ein aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts zeigt.

Es hat die Kündigung der Kassiererin „Emmely“ aufgehoben, die entlassen wurde, weil sie zwei Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen haben soll. Eine Abmahnung hätte laut den Richtern in diesem Fall gereicht.

Zugleich betonten sie, dass Bagatelldelikte weiterhin ein Kündigungsgrund sein können. Das zeigt: Es kommt auf den Einzelfall an. Und nicht zuletzt darauf, wie ertappte Mitarbeiter sich in so einer Situation verhalten. Manche machen die Sache nur schlimmer, weil sie genau das Falsche sagen. Dazu gehören folgende Ausreden:

  • „Das war doch nur eine Kleinigkeit“: Zwei Pfandbons sind doch nicht der Rede wert, mag mancher denken. Wegen so einer Lappalie kann man doch nicht gekündigt werden, oder? Leider doch. „Es kommt in solchen Fällen nicht auf die Höhe des Schadens an“, erklärt der Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer aus Stuttgart. Entscheidend sei der Vertrauensverlust. „Es ist daher grundsätzlich unerheblich, ob es um 50 Cent oder 500 Euro geht.“
  • „Das wäre doch eh im Müll gelandet“: Selbst wenn das für übrige Fleischpflanzerl oder alte Büromöbel stimmen sollte, sind sie immer noch Eigentum des Betriebes, wie Rechtsanwalt Michael Eckert aus Heidelberg erläutert. Und was mit solchen Dingen passiert, bestimmt der Arbeitgeber. Selbst wenn ein kaputter Bürostuhl für den Sperrmüll vorgesehen ist, dürfte man ihn nicht einfach mitnehmen, ohne zu fragen.
  • „Ich war das nicht“: Wer fälschlicherweise seine Unschuld beteuert, reitet sich nur noch tiefer in den Schlamassel hinein. „Lügen macht den Vertrauensverlust noch schlimmer“, erklärt Eckert, der Vorstandsmitglied im Deutschen Anwaltverein (DAV) ist. Betroffene versuchen daher besser nicht, sich herauszureden. Bessere Karten haben sie, wenn sie das Vergehen zugeben und sich entschuldigen. 
  • „Der Meier war’s“: Noch schlimmer sei es, Kollegen zu Unrecht zu beschuldigen, um den Verdacht von sich zu lenken, warnt Eckert. Denn damit machen ertappte Mitarbeiter sich womöglich auch noch der Verleumdung schuldig. Ein derartiges Verhalten wurde auch der Berliner Kassiererin „Emmely“ zur Last gelegt. Die Richter in erster Instanz hatten ihr vorgeworfen, sie habe eine Kollegin zu Unrecht angeschwärzt, die beiden Pfandbons eingesteckt zu haben. Deshalb sahen sie den Vertrauensverlust als besonders schwerwiegend an.
  • „Das machen die anderen doch auch“: Die Kollegen setzen sich auch gerne mal über ein Verbot vom Chef hinweg? Das hilft demjenigen nicht, der erwischt wird. Denn ein Unrecht werde nicht dadurch rechtmäßig, dass andere es ebenfalls begehen, so Eckert. Beschäftigte können sich daher nicht auf eine gängige Praxis im Betrieb berufen, die der Chef nicht abgesegnet hat oder zumindest duldet.

Das kam im Falle einer Altenpflegerin zum Tragen, die ihren Job verloren hatte, weil sie sechs Maultaschen eingesteckt hatte. Sie hatte eingewandt, dass es im Betrieb gang und gäbe sei, übriges Essen zu verzehren. Die Richterin verwies aber darauf, dass dies ausdrücklich untersagt worden war. „Sie hätte wissen müssen, dass ein Verstoß Konsequenzen ernster Art nach sich ziehen kann.“

  • „Ich wusste nicht, dass das verboten ist“: „Auch in solchen Fällen gilt der Grundsatz: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, sagt Eckert. Diese Ausrede sei vor allem dann kein Argument, wenn es darum geht, Dinge wie Klopapier oder ein Paket Kaffee aus der Firma mitzunehmen. „Das muss jedem klar sein, dass das ein Vergehen ist“, sagt Eckert.

TOBIAS SCHORMANN

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