„Pflege-Bahr“ kann sich lohnen

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Seit Anfang des Jahres gilt der sogenannte „Pflege-Bahr“. Aktuell ist eine staatliche Zulage von 60 Euro im Jahr für jeden geförderten, privaten Pflegezusatzvertrag vorgesehen. Damit möchte die Regierung im Jahr 2013 die Zahl der privaten Pflegeversicherungsverträge von derzeit knapp 1,8 Millionen um weitere 1,5 Millionen nahezu verdoppeln.

Hierfür stellt der Staat im nächsten Jahr insgesamt rund 90 Millionen Euro zur Verfügung. Die ersten Versicherungspolicen sind auf dem Markt. Fazit von Stiftung Warentest: Eine Pflege-Bahr-Police kann sich lohnen.

Die Barmenia und die HuK-Coburg veröffentlichten die ersten Tarife. Stiftung Warentest hat die Bedingungen und Leistungen der Pflegegeldpolicen unter die Lupe genommen. Ergebnis: Junge Menschen bekommen für den Mindestbeitrag mehr Leistung als ältere. Die Verbraucherschützer rechnen vor: Schließt ein 30-Jähriger einen Vertrag bei der Barmenia ab und zahlt einen monatliche Beitrag in Höhe von 10 Euro plus 5 Euro stattliche Zulage, dann erhält er im Pflegefall 828,72 Euro. Bei der HuK-Coburg sind es im gleichen Fall 815,22 Euro, die an Leistungen ausgezahlt werden.

Ältere zahlen mehr

50-Jährige müssen dagegen tiefer in die Tasche greifen: Entscheidet sich ein 50 Jahre alter Mann für eine geförderte Pflegepolice, muss er monatlich 24,78 Euro zahlen, um in Pflegestufe III einen Betrag von 600 Euro zu bekommen. Bei der Huk-Coburg erreicht der 50-Jährige den gleichen Auszahlungsbetrag ab einem monatlichen Beitrag von 22,22 Euro. Beide Versicherer zahlen Leistungen aber schon vor der Pflegestufe III aus: Ab Pflegestufe I bekommt demnach ein Versicherter mindestens 30 Prozent (180 Euro) und in Stufe II 60 Prozent (360 Euro) der Mindestleistung in Höhe von 600 Euro.

Die Versicherer zahlen damit deutlich mehr aus, als der Verband der Privaten Krankenversicherung vorgeschlagen hatte. Nach Einschätzung von Stiftung Warentest kann sich eine solche Pflege-Bahr-Police lohnen, schreibt die Verbraucherschutzstiftung auf ihrer Online-Plattform. Dies gelte vor allem für Menschen, die aufgrund einer Vorerkrankung bislang keine Pflegeversicherung abschließen konnten. Makler sind in diesem Punkt skeptisch. Einige befürchten etwa, dass die gesetzlichen Vorgaben des Pflege-Bahrs zu einer Verteuerung der Tarife führen könnte.

Nicht alles rosig

Auch die Verbraucherschützer sehen nicht alles rosig. Geringverdienern raten sie zur Vorsicht beim Pflege-Bahr. Grund: Die Leistungen der Versicherungen werden im Pflegefall auf die Grundversorgung angerechnet.

Deshalb würden sich die Pflegepolicen nur für Menschen eignen, die über ein sicheres Einkommen verfügen. Hintergrund des neuen Pflege-Tarifs: Jeder fünfte Mensch, der pflegebedürftig ist, kann seine Pflegekosten nicht tragen. Und das Problem wächst: In den kommenden 40 Jahren wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen fast verdoppeln. Deshalb sollte man rechtzeitig vorbeugen. Der Pfelge-Bahr kann nur ein Mosaikstein sein. Fachleute raten, mit dem Abschluss einer Pflege-Bahr-Police noch zu warten. Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, rät dazu, den Markt zunächst zu sondieren: „Es ist sinnvoll, mit einem Abschluss bis März zu warten." Erst dann dürften die meisten Angebote am Markt sein, erst dann ließen sich die Konditionen vergleichen.

Quelle: wa.de

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