Neue Verfahren bei Lungenkrebs

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Immer mehr junge Patienten, wie dieser 40-Jährige, sind von Lungenkrebs betroffen.

Neue Behandlungsmethoden für Lungenkrebs blockieren das Oberflächenwachstum der Tumore. Aktuelle Forschungsansätze erproben auch eine "Impfung gegen Lungenkrebs".

Prof. Martin Wolf

Lange beruhte die Behandlung von Lungenkrebs ausschließlich auf den Säulen Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie. „Wird der Tumor in einem frühen Krankheitsstadium entdeckt, ist die Operation die Behandlung der Wahl. Sollte sich bei der Operation ein zusätzlicher Lymphknotenbefall neben dem eigentlichen Lungentumor zeigen, so wird heute in der Regel eine Chemotherapie angeschlossen. Ist ein Tumor örtlich weiter fortgeschritten und es liegen bereits Absiedlungen in die Lymphknotenregionen zwischen den Lungen oder ein Einwachsen in die Nachbarorgane vor, so sind diese Patienten in erster Linie Kandidaten für eine Strahlenbehandlung. Auch hier wird die Strahlentherapie häufig mit einer Chemotherapie kombiniert. Dies erhöht die Wirksamkeit der Therapie und eröffnet auch diesen Patienten die Chance auf eine langfristige Tumorkontrolle“, fasst Professor Dr. Martin Wolf, Chefarzt der Medizinischen Klinik IV im Klinikum Kassel zusammen.

Hat ein Lungenkrebs Absiedlungen in andere Organe wie Leber, Knochen, Nebennieren, die andere Lungenhälfte oder den Kopf angesiedelt, ist eine systemische, das heißt den ganzen Körper erreichende, Behandlung erforderlich. Bis vor wenigen Jahren bestand diese systemische Behandlung nahezu ausschließlich in der Gabe einer Chemotherapie. Chemotherapiemedikamente stören wachsende Zellen, können aber nicht sicher zwischen gesunden und kranken Zellen unterscheiden. Darüber erklären sich die üblichen mit einer Chemotherapie verbundenen Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen und Abfall der Blutzellen.

Die moderne Tumortherapie sucht nach Behandlungsmöglichkeiten, die gezielt die Krebszellen schädigen und das gesunde Gewebe schonen. Solche zielgerichteten und biologischen Therapieverfahren sind immer dann möglich, wenn Krebszellen und gesunde Zellen sich in ihrem Aufbau und in ihren Bestandteilen unterscheiden und nur bei Tumorzellen vorhandene Zellmerkmale als Angriffspunkte für eine Behandlung ausgewählt werden können.

Nichtraucher profitieren eher von biologischen Verfahren

„Im vergangenen Jahr konnte erstmals in einer klinischen Studie gezeigt werden, dass bei ausgewählten Patienten eine zielgerichtete biologische Therapie wirksamer als die Gabe einer Chemotherapie ist“, sagt Prof. Wolf. Bei diesen Patienten liegt an der Zelloberfläche eine Art Antenne für Wachstumsfaktoren vor. Binden sich diese Wachstumsfaktoren an diese Antennenstruktur, so führt dies zu einem vermehrten Zellwachstum. Dieses Tumorwachstum kann zielgerichtet durch eine Tablettenbehandlung blockiert werden, die Weitergabe des Wachstumsreizes von der Zelloberfläche in das Zellinnere blockiert. „Diese besondere Form der Oberflächenantenne findet sich besonders bei nichtrauchenden Patienten mit einem Adenokarzinom“, sagt Prof. Wolf.

Neben der Blockade der Oberflächenwachstumsfaktoren können Lungentumore auch mit Medikamenten behandelt werden, die die Bildung von neuen Tumorblutgefäßen blockieren. Diese Medikamente müssen jedoch zur Zeit noch in Kombination mit der Chemotherapie gegeben werden. Die Zugabe der Gefäßblocker erhöht die Wirksamkeit der Chemotherapie und führt zu einer besseren Tumorrückbildung und einer verlängerten Überlebenszeit. Ein Feld der klinischen Forschung ist außerdem das Thema „Impfen gegen Lungenkrebs“. Auch dieser Behandlungsansatz ist möglich, wenn ein Zellbestandteil isoliert werden kann, der ausschließlich auf Tumorzellen vorhanden ist und nicht auf gesundem Gewebe vorkommt. Diese spezifischen Tumorzellbestandteile können nach besonderer Verarbeitung in Form eines Impfstoffes den Patienten zurückgegeben werden. Dadurch soll das Immunsystem des Patienten Abwehrstoffe gegen diesen Tumorzellbestandteil und damit gegen die gesamte Tumorzelle bilden. „Damit ist die Hoffnung verbunden, dass über ein Training des körpereigenen Immunsystems eine Zerstörung von kleinen Tumorabsiedlungen im Körper möglich sein wird“, erläutert Prof. Wolf. Diese Verfahren werden zur Zeit im Anschluss an eine Operation wie auch im Anschluss an eine Strahlen-Chemotherapie untersucht.

„Es wird die Aufgabe zukünftiger klinischer Forschung sein, das Gebiet der zielgerichteten biologischen Therapien weiter auszubauen. Die Klinik für Hämatologie und Onkologie am Klinikum Kassel beteiligt sich intensiv an klinischen Forschungsprogrammen, die neue Behandlungsansätze bei soliden Tumoren und insbesondere hier auch beim Lungenkarzinom untersuchen“, berichtet Prof. Wolf. (rdm)

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