Mit dem Krebs noch lange leben

Die Gesellschaft wird immer älter. Damit steigt auch die Häufigkeit der Krebserkrankungen an. Im Jahr 2020 wird mit 550.000 Neuerkrankungen gerechnet.

„Auf diese Entwicklung müssen wir vorbereitet sein“, sagt der Hammer Krebsexperte Dr. Dr. Heinz Albert Dürk. Den Patienten macht der frühere „Arzt des Jahres“ Mut. Gerade in der Therapie von Tumoren habe es entscheidende Fortschritte gegeben. Dank neuester Medikamente kann man mit vielen Krebserkrankungen jahrelang leben, ähnlich wie mit Diabetes oder einer Herzschwäche. Wir sprachen mit dem Chefarzt des Hammer St. Marien-Hospitals über die neuesten Entwicklungen.

Herr Dr. Dürk, wird uns die prognostizierte Welle an Krebserkrankungen überrollen?

Dr. Dürk : „Nein, sicher nicht. Aber wir sollten darauf vorbereitet sein.“

 

Was muss getan werden?

Dr. Dürk: „Das sehen wir am Beispiel Amerika, wo sich komplette Netzwerke bilden, um Krebspatienten zu helfen. Auch in Deutschland formieren sich solche Netze. Sie führen medizinische Kompetenzen zusammen und bieten dem Patienten ein komplettes Leistungsangebot. In einem Netz, wie es jetzt mit dem Onkologischen Zentrum in Hamm entstanden ist, braucht sich der Patient nicht die einzelnen Bausteine seiner Therapie mühsam zusammen zu suchen, sondern er bekommt alles, was er braucht, aus einer Hand.“

 

Welche Leistungen sprechen Sie an?

Dr. Dürk:„Krebs ist eine komplexe Erkrankung, in der auch die Psyche eine große Rolle spielt. Also kommt es nicht nur darauf an, den Patienten bestmöglich medizinisch zu behandeln, sondern ihm auch psychologische und therapeutische Unterstützung zu geben. Professionelle onkologische Netzwerke verbinden ihre Leistungen zu einem Ganzen, in dem sich der Patient gut aufgehoben fühlt. Hierzu zählen Kliniker und niedergelassene Ärzte ebenso wie speziell ausgebildetes Pflegepersonal, Psychologen, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten und vor allem auch Selbsthilfegruppen. Sie binden den Patienten in ihre Gemeinschaft ein, machen ihm Mut und informieren sich. Gute Information ist gerade bei einer Krebserkrankung wichtig.“

 

Stichwort: mündiger Patient?

Dr. Dürk:„Unser Anspruch geht darüber hinaus. Denn Krebs ist eine Erkrankung, die viel Eigeninitiative erfordert. Die gelungene Kommunikation ist da sehr wichtig. Je besser unsere Patienten informiert sind, umso besser können Sie gemeinsam mit ihrem Arzt den Krankheitsverlauf steuern. Wichtig ist auch die gesunde Lebensführung, die die medizinische Therapie unterstützt.“

 

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der letzten Jahre?

Dr. Dürk:„In den letzten Jahren hat es sehr erfreuliche Entwicklungen gegeben. Immer mehr kann man mit Krebserkrankungen viele Jahre lang leben, so dass Kollegen schon vorsichtig von einer Chronifizierung sprechen, ähnlich wie beim Diabetes oder der Herzschwäche. Die Ursache dafür ist, dass Krebszellen äußerst gezielt angegriffen werden können, was nicht nur zu erheblich schwächeren Nebenwirkungen führt, sondern ein Wiederaufleben des Tumors über einen längeren Zeitraum verhindert. Der Arzt wird so zu einem Lebensbegleiter des Patienten, der mit ihm gemeinsam die Therapie immer wieder neu justiert und ihm somit über viele Jahre eine neue Lebensqualität ermöglicht.“

 

Kritiker monieren die hohen Kosten.

Dr. Dürk:„Durch die Bildung von Zentren entstehen Synergieeffekte, die helfen, Kosten zu drücken. Trotz allem muss sich jeder fragen, was wir in unserem Gesundheitssystem eigentlich wollen und wir bereit sind, die notwendigen Kosten für Krebstherapien zu tragen. Den Patienten alleine unter ökonomischen Gesichtspunkten zu sehen, widerspricht meiner ureigensten ärztlichen Tätigkeit.“

Quelle: wa.de

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