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Öffentliche Toiletten im Fokus: Verbreitet sich hier das Coronavirus ungehindert?

Eine Studie legt nahe, dass öffentliche Toiletten zur Verbreitung des Coronavirus beitragen könnten.
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Eine Studie legt nahe, dass öffentliche Toiletten zur Verbreitung des Coronavirus beitragen könnten.

Studien haben bereits gezeigt, dass sich Coronaviren auch in Ausscheidungen befinden können. Macht das öffentliche Toiletten nun zu Virenschleudern? Das sagen Experten.

  • Öffentliche Toiletten könnten bei der Verbreitung von Coronaviren eine größere Rolle spielen als gedacht.
  • Forscher haben zuvor bereits festgestellt, dass sich im Stuhl von Infizierten Corona-Material befindet.
  • Es gibt eine einfache Lösung für das Problem.

Coronavirus: Forscher überprüfen Ansteckungsgefahr auf öffentlichen Toiletten

Als Hauptübertragungsweg für Sars-CoV-2 gilt in der Forschung derzeit die Tröpfcheninfektion* über Sprechen, Husten oder Niesen. Dabei rücken auch immer mehr Aerosole in den Fokus: Bei ihnen handelt es sich um Schwebeteilchen in der Luft, die zum Beispiel beim Sprechen entstehen und infektiös sein könnten. Eine aktuelle Studie, die im Fachblatt "Physics of Fluids" erschien, legt nun zudem nahe, dass auch öffentliche Toiletten zur Verbreitung des Virus über Aerosole beitragen könnte.

Die Forscher der Universität von Yangzhou rekonstruierten anhand von detaillierten Computermodellen die Wasser- und Luftströmungen, die beim Spülen von verschiedensten Toilettentypen erzeugt werden. Dabei stellten sie fest, dass virus-belastete Aerosol-Wolken von Menschen eingeatmet werden können. Das Spülen würde demnach einen Wirbel erzeugen, der bis auf eine Höhe von einem Meter über der Toilettenschüssel aufsteigen kann. Die Aerosole können dann laut den Forschern über eine Minute lang in der Luft schweben.

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Infektionsrisiko auf öffentlichen Toiletten? Studien weisen auf Coronaviren in Ausscheidungen hin

Dass sich das Coronavirus* auch im Stuhl von Infizierten befinden kann, zeigen mittlerweile immer mehr Studien. Auch Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing hat zusammen mit dem Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité eine Analyse im Fachblatt "Nature" veröffentlicht, die zeigt, dass sich der Erreger vermutlich auch im Magen-Darm-Trakt vermehrt. Es sei deshalb nicht auszuschließen, dass von Ausscheidungen ein Infektionsrisiko ausgeht.

"Es ist ein interessanter Aspekt, wenn es um Toiletten in engen Räumen wie auf Kreuzfahrtschiffen, in Zügen, Flugzeugen, Sammelunterkünften oder Asylheimen geht", so Christian Wendtner gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Darum rät er dazu, sich im öffentlichen Raum nicht auf Toilettenbrillen zu setzen und den Hygieneempfehlungen Folge zu leisten. Eine weitere einfache Lösung für das Problem haben auch die Autoren der Studie aus China parat: Schließen Sie den Klodeckel vor dem Spülen.

Wie wahrscheinlich ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus auf öffentlichen Toiletten?

Wendtner weist aber auch darauf hin: "Nachdem die Infektionskette über die Lunge läuft, ist es bestimmt relevanter, Abstandsregeln im öffentlichen Raum einzuhalten und Massenveranstaltungen zu vermeiden." Zudem konnten bisher aber nur die wenigsten Forscher lebensfähige Viren im Stuhl feststellen. Totes Virenmaterial ist nämlich nicht infektiös.

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Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
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