Corona-Impfungen

Corona trotz Impfschutz: Wie anfällig sind Geimpfte für eine Infektion?

Geimpfte können sich trotz Impfung mit Corona infizieren. Woran das liegt und welche Ansteckungsgefahr von Infizierten ausgeht, die den vollen Impfschutz haben.

Hamm - Auch Geimpfte sind vor einer Corona-Infektion und -weitergabe nicht sicher. Das zeigt ein Beispiel aus Israel. In Tel Aviv sollen sich Anfang Juli 80 Schülerinnen und Schüler auf einer Party bei einem geimpften Jugendlichen mit dem Coronavirus angesteckt haben, berichtet der TV Sender Chanel 12. Zudem sind zahlreiche Fälle von vollständig geimpften Personen bekannt, die per PCR-Test positiv auf Corona getestet werden. Ein Grund zur Sorge? (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Corona trotz Impfschutz: Wie anfällig sind Geimpfte für eine Infektion?

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) darlegt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr niedrig, dass eine Person trotz vollständigen Impfschutzes positiv getestet wird. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit längst nicht bei Null. Und das hat auch einen Grund: Nach Corona-Impfungen gibt es keine „sterile Immunität“. Das heißt, dass der Körper nicht in der Lage ist, Viren abzufangen, bevor diese in die Zellen eindringen. Eine Infektion ist deshalb trotz Impfung nicht komplett ausgeschlossen.

Das belegen auch Studien. Laut einer breit angelegten Meta-Studie des Robert-Koch-Instituts führt die vollständige Corona-Impfung lediglich zu einer deutlichen Reduktion der Infektionen mit Covid-19. „Diese liegt nach vollständiger Impfserie in den bisher vorliegenden Studien im Bereich zwischen 80 und 90 Prozent“, schreiben die Autoren vom RKI.

Corona-Impfung: Wie ansteckend sind vollständig Geimpfte? Offenbar stark reduzierte Viruslast

Neben der bloßen Untersuchung der Wahrscheinlichkeit einer Infektion trotz Impfung beschäftigen sich die Wissenschaftler vor allem auch mit der Weitergabe einer Corona-Infektion trotz Impfung. Bei dieser Fragestellung geht es darum, wie hoch die Infektiösität, also die Viruslast, bei einer infizierten Person ist, die bereits den vollen Impfschutz vorweisen kann. Tatsächlich stießen die Forscher bei geimpften Infizierten auf eine stark reduzierte Viruslast, insbesondere bei jenen mit asymptomatischem Verlauf.

Der SWR beruft sich zudem auf laufende Untersuchungen, bei denen die Wissenschaftler verschiedene Impfstoffe unter die Lupe nehmen. Bei einer Infektion nach einer Corona-Impfung mit Biontech sei die Viruslast demnach etwa vierfach verringert. Eine Studie zum Impfstoff von Astrazeneca bestätigt zudem, dass die Infektiösität bei Geimpften nicht so lange anhält. Summa summarum lässt sich also sagen: Egal mit welchem Impfstoff behandelt: Geimpfte tragen im Durchschnitt eine geringere Viruslast in sich als Ungeimpfte. 

Corona-Impfung: Experten warnen vor geimpften Superspreadern

Doch viele Experten mahnen zur Vorsicht. Denn wie nicht nur das Beispiel einer Party in Israel demonstriert, können einige wenige Menschen Corona trotz Impfung und Impfschutz potenziell weiterverbreiten. Bernd Salzberger, Chef-Infektiologe des Uniklinikums Regensburg, hält es prinzipiell für möglich, „dass ein vollständig Geimpfter zum Superspreader wird“, wie er auf morgenpost.de zitiert wird.

Gleichzeitig sei laut Salzberger nicht auszuschließen, dass die Delta-Variante auch bei Geimpften zu einer höheren Viruslast und damit zu einer größeren Ansteckungsgefahr führt als es eine herkömmliche Corona-Infektion tut. Deshalb hält der Infektiologe es für die sicherste Option, auch doppelt Geimpfte grundsätzlich wieder in Quarantäne zu schicken, sofern diese Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten.

Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) warnt davor, nun alle empfohlenen Schutzmaßnahmen aufzugeben. Vielmehr sollten Geimpfte mit vollständigem Corona-Impfschutz sich weiter an die geltenden Hygieneregeln (Maskenpflicht, Abstandhalten, Lüften) halten.

Corona-Impfung: Biontech, Astrazeneca und Co. schützen vor schwerem Verlauf

Eine Corona-Impfung schützt also weder zu 100 Prozent vor einer Ansteckung noch vor einer Weitergabe. Doch wie sieht es mit dem Schutz vor einem schweren Verlauf aus? Die Forscher haben herausgefunden, dass die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe Geimpfte vor schweren und tödlichen Corona-Verläufen sehr gut schützen.

Vor einer Corona-Erkrankung, also einer merklichen Krankheit mit mildem Verlauf, schützen Biontech und Moderna zu circa 95 Prozent, Astrazeneca zu 80 Prozent und Johnson & Johnson zu 65 Prozent. Fünf Prozent der Biontech-Geimpften erkranken also trotz Impfung. Bei Astrazeneca sind es 20 Prozent, bei Johnson & Johnson 35 Prozent. Diese Verläufe sind allerdings nicht schwer.

Vor einer Erkrankung mit der Delta-Variante schützen die meisten Vakzine zumindest ein bisschen weniger. Mit Ausnahme von Moderna, Geimpfte sind in diesem Fall quasi genauso gut vor einer Erkrankung mit der Delta-Variante geschützt wie vor einer Erkrankung mit der ursprünglichen Variante. Das Vakzin von Biontech/Pfizer erreicht 88 Prozent Schutz vor einer Erkrankung mit Delta, Astrazeneca kommt auf 67 Prozent. Von Johnson & Johnson liegen bis dato keine Daten vor, Experten bezweifeln jedoch, dass der Impfstoff ausreichend gegen die Delta-Variante schützt. Beim Schutz der anderen Impfstoffe um Astrazeneca und Biontech vor Delta können die Experten dagegen zuversichtlich sein.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare