Mit Budesonid

Asthmaspray gegen Corona: Für Karl Lauterbach ein „Game Changer“

Im Kampf gegen Corona könnte ein Asthmaspray mit Budesonid für den Durchbruch sorgen. Karl Lauterbach und andere Experten schwärmen. Es gibt eine Hürde.

Hamm - Karl Lauterbach gehört zu den Personen aus der Politik, deren Wort in der Corona-Pandemie Gewicht haben. Ohne Parteipolitik zu betreiben, klärt der SPD-Gesundheitsexperte stets über das aktuelle Geschehen rund um Covid-19 auf - und behielt mit seinen Prognosen oft Recht. (News zum Coronavirus)

ArzneistoffBudesonid
CAS-Nummer51333-22-3

Asthmaspray mit Budesonid gegen Corona? Für Karl Lauterbach ein „Game Changer“

Dann hat es schon etwas zu bedeuten, wenn Karl Lauterbach etwas als „Game Changer“ bezeichnet. Der Gesundheitsökonom bezeichnet auf Twitter eine Studie als „gut gemacht“. Dabei geht es um eine Studie der britischen Universität Oxford, die in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde. Ist diese Erkenntnis der Durchbruch bei der Behandlung von Corona-Patienten?

Der Studie zufolge könne ein Asthmaspray bei Erkrankungen mit Covid-19 helfen. Die Forscher hätten bei Corona-Patienten in Krankenhäusern in China, Italien und den USA die Erfahrung gemacht, dass nur wenige mit chronischen Atemwegserkrankungen dabei waren. 

So kommen die Forscher zu der für viele Experten erfreulichen Annahme: Bei Patienten, die im frühen Stadium ihrer Corona-Erkrankung den antientzündlich wirkende Wirkstoff Budesonid inhalierten, sank das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt deutlich. Zudem seien sie schneller genesen, wie die Autorinnen und Autoren erläuterten. Dafür seien die „inhalativen Glukokortikoiden“ - zum Beispiel eben in Form von Asthmaspray - verantwortlich.

Asthmaspray gegen Corona: Budesonid lindert Symtome bei Erkrankung

Die Forscher führten diese Studie zur Überprüfung der Annahme im Dezember 2020 mit 146 Teilnehmern überprüft. 73 von ihnen erhielten die übliche Behandlung, die anderen 73 bekamen derweil ein Asthmaspray mit dem Wirkstoff Budesonid. Letztgenannte Gruppe nahm das Medikament sieben Tage lang zweimal pro Tag.

Elf Teilnehmer aus der Gruppe, die nicht mit dem Asthmaspray behandelt wurden, mussten wegen der Schwere des Verlaufs ihrer Corona-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden - das entspricht einem Anteil von 15 Prozent. Aus der Budesonid-Gruppe hingegen mussten nur zwei Patienten - 3 Prozent - klinisch gehandelt werden. Dabei stellte das Team folgendes fest:

  • Bei den mit Budesonid behandelten Patienten verkürzte sich die Dauer der Behandlung im Vergleich zu den Corona-Erkrankten.
  • Der Anteil derer, die Fieber hatten oder mit fiebersenkenden Mitteln behandelt werden musste, war deutlich geringer als in der Vergleichsgruppe ohne Budesonid.
  • Nach zwei Wochen hatten die Budesonid-Patienten seltener anhaltende Symptome.

„Wir haben gezeigt, dass das inhalative Glukokortikoid Budesonid, das für eine kurze Dauer gegeben wird, eine wirksame Behandlung in einem frühen Stadium von Covid-19 bei Erwachsenen sein könnte“, heißt es in der Oxford-Studie zu inhalierten Budesonid bei der Behandlung von Covid-19.

Asthmaspray gegen Corona: Ergebnisse der Studie für Karl Lauterbach klinisch sinnvoll

Karl Lauterbach, der zuletzt den Virologen Hendrik Streeck attackierte, bilanzierte: Die Studie zeige, dass das Inhalieren des Kortison-Steroids für alle wirken. Und es senke das Krankenhaus-Risiko nach Angaben des SPD-Gesundheitsexperten um zirka 90 Prozent, sofern es drei Tage Symptombeginn inhaliert wurde. „Die Ergebnisse machen klinisch Sinn, weil die antientzündliche Wirkung in der Lunge den Verfall der Lungenfunktion verhindern kann“, ergänzte der Epidemiologe.

Dazu verwies er darauf, dass es kaum Nebenwirkungen gebe. Der Studie zufolge hätten lediglich sieben Prozent der mit Budesonid behandelten Corona-Patienten über unerwünschte Nebenwirkungen geklagt.

Auch andere Experten beurteilen die Ergebnisse der Studie zur Einnahme eines Asthmasprays bei Covid-19 als vielversprechend. „Der beschriebene Effekt ist beachtlich und bedeutsam“, so der Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité, Norbert Suttorp.

Asthmaspray gegen Corona: Experten und Studien-Autoren regen Phase-III Studie an

„Das sind überaus interessante Ergebnisse und vom biologischen Ansatz plausibel“, sagt der Leiter des Zentrums für klinische Studien des Universitätsklinikums Jena, Frank M. Brunkhorst. Der Infektiologe Clemens Wendtner sieht ebenfalls eine große Chance im Einsatz des Mittels: „Mit dieser simplen, nebenwirkungsarmen und auch noch kosteneffektiven Behandlung könnte nicht nur vielen ambulanten Patienten mit milder Covid-Erkrankung in der Frühphase medizinisch geholfen werden.“ Auch der Druck auf die Krankenhäuser könnte reduziert werden, was ein wichtiges Argument in Zeiten von knappen Betten angesichts der laufenden dritten Corona-Welle und stetig steigender Corona-Zahlen sei, so der Chefarzt der München Klinik Schwabing.

Die Experten wie auch die Autoren der Oxford-Studie zu Budesonid weisen darauf hin, dass die Ergebnisse der Untersuchung mit relativ wenigen Corona-Patienten in einer breiter angelegten Studie bestätigt werden müssen. Man brauche „dringend“ eine große Phase-III Studie mit etwa 1000 Patienten, so Brunkhorst. Wenn sich die Beobachtungen bewahrheiteten, habe das eine enorme Wirkung - und Budesonid sei überall auf der Welt verfügbar, fasst Suttorp zusammen. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth/dpa

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