Probleme im Sozialverhalten

Asperger-Syndrom: Diese Merkmale sprechen dafür

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Umweltaktivistin mit Herz und Seele: Greta Thunberg. Sie hat das Asperger-Syndrom - und geht damit offen um.

Das Asperger-Syndrom kann das Sozialleben immens beeinflussen. Betroffene haben auch häufig Spezialinteressen - die zu Großem animieren können.

"Ohne Asperger wäre das hier nicht möglich" - Das sagte die aktuell wohl bekannteste Umweltaktivistin in einem Interview. Greta Thunberg setzt sich für die Umwelt ein - und führt die globale Bewegung "Fridays for Future" an. Dabei begann ihr Engagement für das Klima ganz klein als Organisatorin von Schulstreiks. Dem ZDF sagte die 2003 geborene Schwedin, dass ihre Krankheit - das Asperger-Syndrom - der Grund für ihren Protest ist.

Asperger-Syndrom: Symptome der Kontakt- und Kommunikationsstörung

Auf die Interviewfrage des ZDF, ob es einen Zusammenhang zwischen ihrer Asperger-Erkrankung und ihrem Handeln gebe, sagte die 16-jährige Thunberg: "Absolut! Ich denke, wenn ich kein Asperger hätte, wäre das hier nicht möglich gewesen. Ich hätte einfach weiter so gelebt und gedacht, wie jeder andere auch. Ich sehe die Welt aus einer anderen Perspektive – Schwarz und Weiß".

Ihrem großen Interesse an Umwelt- und Klimafragen folgten Recherchen und je mehr Thunberg über Klimawandel und menschengemachte Umweltzerstörung erfuhr, desto mehr wollte sie sich dagegen einsetzen. Diesen unbedingten Willen führt Thunberg unter anderem auf ihr Asperger-Syndrom zurück. Es zählt als Entwicklungsstörung zu den Autismus-Spektrum-Störungen (ASS): Unter diesem Dachbegriff werden alle Formen des Autismus zusammengefasst. 

Asperger-Betroffene haben häufig bestimmte Spezialinteressen, es fällt ihnen aber oft schwer, emotionale Signale richtig zu deuten und entsprechend zu reagieren. Das "Lesen zwischen den Zeilen" bereitet vielen Betroffenen Probleme: Das Heraushören und Einordnen eines genervten Untertons vom Gegenüber etwa.

Folgende Symptome sind dem Portal Neurologen und Psychiater im Netz typisch für das Asperger-Syndrom:

  • gestörte soziale Interaktion (Probleme, sich in andere hineinzuversetzen)
  • generell wenig Interesse an anderen Menschen
  • stereotype Verhaltensmuster, teilweise zwanghaftes Festhalten an Gewohnheiten und Ritualen
  • tiefgreifendes Interesse an bestimmten Themen

Asperger-Syndrom und Autismus: Worin liegt der Unterschied?

Alle Autismus-Formen werden zwar unter dem Begriff ASS zusammengefasst, aber der Zeitpunkt der Diagnose der Subtypen variiert in einigen Fällen. Eine Asperger-Störung wird häufig erst im Vorschul- oder Schulalter oder sogar noch später diagnostiziert. Das liegt daran, weil die Symptome eines Asperger-Syndroms häufig schwächer ausgeprägt sind als bei Autismus. Oft fällt deshalb erst im Spiel mit Gleichaltrigen auf, dass etwas nicht stimmt. Typisch für Kinder mit Asperger-Syndrom ist, dass sie entweder kein Interesse am gemeinsamen Spielen haben oder es häufig zu Streit kommt, weil die gängigen Spiel-Regeln von den betroffenen Kindern nicht akzeptiert werden.

Der Rhein-Jura Klinik zufolge tritt das Asperger-Syndrom häufig mit ADHS, Zwängen und Ticks auf. Doch die Symptome müssen nicht immer gleich bleiben: Im Laufe des Lebens kann sich die Ausprägung der Asperger-Störung verändern, Symptome können zurücktreten oder sich verstärken. Geheilt werden kann die Störung, deren Ursache in den meisten Fällen unbekannt ist, nicht - allerdings gibt es einen erfolgversprechenden Therapieansatz.

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Therapie des Asperger-Syndroms: Wann wird behandelt?

Je nach Ausprägung der Kontakt- und Kommunikationsstörung muss sie nicht zwangsläufig behandelt werden. Etwa, wenn Betroffene in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und keine Probleme haben, Beziehungen zu führen. Haben Menschen mit Asperger-Syndrom allerdings einen großen Leidensdruck, weil sie durch fehlende Anpassungsfähigkeit sehr eingeschränkt sind, kann eine Verhaltenstherapie versucht werden, um die soziale Fähigkeiten zu verbessern. Wichtig dabei ist, dass die Therapie frühzeitig einsetzt.

Diese Informationen ersetzen nicht den Gang zum Arzt. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie oder Ihr Kind am Asperger-Syndrom leiden, wenden Sie sich bitte an ihren Arzt. Nur dieser kann eine Diagnose stellen und Sie gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen.

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jg

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