Zwischen Brandenburg und Bari: Neue Hörbücher

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Ein Gedächtnisverlust sorgt immer für eine spannende Ausgangslage - so auch in "Remember Mia". Cover: Gojalit Foto: Gojalit

Bella Italia als Urlaubsreiseziel aus Kindheitserinnerungen, eine verzweifelte Mutter mit Gedächtnisverlust, eine getrübte Brandenburger Idylle oder Kurzgeschichten über skurrile Alltagssituationen: Die neuen Hörbücher versprechen Kurzweil.

Berlin (dpa/tmn) - Schwelgen lässt es sich nicht nur in gedruckten, sondern auch in vorgelesenen Geschichten. Wie gut, dass neuen Hörbücher vom spannenden Krimi bis hin zu witzigen Kurzgeschichten reichen. Fünf interessante Audio-Titel im Überblick:

Volker Klüpfel und Michael Kober sind mit ihren Allgäuer Kluftinger-Krimis bekannt geworden. Ihr neues Buch "In der ersten Reihe sieht man Meer"dreht sich aber um eine Reise ins gelobte Urlaubsland jenseits der Alpen. Genervt von den Urlaubsvorbereitungen mit seinen pubertierenden Kindern, die unbedingt ihre Spielkonsole mitnehmen wollen, träumt der Protagonist Alexander von den wunderbaren Urlaubsreisen, die er zusammen mit seinen Eltern als Kind nach Italien unternommen hat. Damals war alles anders. Die 15 Stunden Autofahrt ohne Klimaanlage und Navi zu fünft im vollgepackten Auto: kein Problem. Beim Hörbuch (Osterwold/20 Euro) wird die lustige Erzählung über traumhafte Strandtage von Bastian Pastewka gelesen.

Alexandra Burts Thriller "Remember Mia": Estelle Paradise kann sich an nichts mehr erinnern, als sie nach einem Autounfall im Krankenhaus aufwacht. Sie wurde schwer verletzt aus einer Schlucht geborgen. Schnell wird klar, dass nicht alle Verletzungen von dem Unfall stammen, sondern einige bereits älter sind. Darauf kann sich Estelle keinen Reim machen. Es dauert zudem eine Weile, bis ihr dämmert, dass ihre sieben Monate alte Tochter nicht da ist. Die Retter hatten kein Kind im Auto gefunden. Langsam erinnert sie sich, dass ihre kleine Tochter schon Tage vor dem Unfall verschwunden war. Und plötzlich wird Estelle vom Opfer zur Verdächtigen. Als Hörbuch ist die packende Geschichte, die bis zum Schluss spannend bleibt, für 20 Euro bei Gojalit erschienen.

"Unterleuten"heißt der neue Roman von Juli Zeh, der in der Audioversion beim Hörverlag erschienen ist (25 Euro). Und es handelt sich um den Namen eines fiktiven idyllischen Dorfes irgendwo in Brandenburg. Dorthin zieht es den Berliner Dozenten Gerhard mit seiner Frau, die dort als Vogelschützerin arbeiten kann. Auf den ersten Blick erscheint den beiden Unterleuten mit seinen Alleen, der unberührten Natur und den seltenen Vogelarten berauschend schön. Doch dann nimmt eine Investmentfirma das kleine Dorf ins Visier: Ganz in der Nähe soll ein Windpark entstehen. Dieses Vorhaben spaltet die Einwohner und bringt selbst wieder Streitigkeiten ans Licht, die längst vergessen schienen: Stoff, der den Gesellschaftsroman zum spannenden Thriller mit blutigem Ende macht.

Sehr lustig geht es bei Elke HeidenreichsKurzgeschichten-Sammlung "Alles kein Zufall"(Random House/20 Euro) zu. Die Autorin liest ihre amüsanten bis skurrilen Geschichten selber. Zwar dauern die Episoden oft nicht länger als ein bis zwei Minuten, aber trotz - oder gerade wegen - der Kürze gelingt es Heidenreich, auf den Punkt zu kommen. Sie schaut ihren Mitmenschen genau auf die Finger, erzählt mit unbestechlichem Blick von den Höhen und Tiefen, die das Leben so mit sich bringt, und lässt sich dabei auch selbst nicht aus. Wer die fast 190 Episoden in vollen Zügen genießen möchte, sollte zwischendurch ruhig öfter die Pausentaste drücken, um dem Witz der Geschichten noch ein wenig nachspüren oder einfach länger lachen zu können.

Erstmals 1938 erschienen, gibt es nun Irmgard Keuns Exil-Roman "Kind aller Länder" in einer Neuauflage - und auch als Hörbuch (DAV-Verlag/20 Euro). Die 1982 verstorbene Autorin erzählt die Geschichte der zehnjährigen Kully, die mit ihren Eltern auf der Flucht vor den Nazis ist und so schon viele europäische Länder gesehen hat. Oder besser: Sie lässt Kully die Geschichte erzählen, in einem witzigen, der gesprochenen Sprache nahen Stil. Die Familie wohnt meistens in Hotels, die sie eigentlich nicht bezahlen können. Und während der Vater, ein Lebemann und Schriftsteller versucht, Geld zu besorgen, bleiben Mutter und Tochter in den Häusern zurück - und müssen sich die abenteuerlichsten Ausreden einfallen lassen. Trotz der oft trostlosen familiären Situation und der unheilvollen politischen Lage bewahrt sich Kully ihren Humor.

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