So wird Online-Banking via Smartphone sicherer

Cambridge - Mit der Verbreitung von Smartphones und Tablets werden sichere mobile Dienste wie Online-Banking immer wichtiger. Eine neue Plattform soll diesen Ansprüchen bald gerecht werden.

Drei Technologie-Konzerne wollen künftig gemeinsam den Datenklau im Internet bekämpfen. Das internationale Trio plant eine gemeinsame Sicherheits-Plattform, von der aus sich Kunden mit einheitlichen Soft- und Hardware-Lösungen eindecken können. Mit dabei ist der im mobilen Bereich führende Chipdesigner ARM aus Großbritannien, der für eine schnelle Verbreitung der Technologie sorgen kann. Das Münchner Familienunternehmen Giesecke & Devrient (G&D) liefert unter anderem das Betriebssystem. Auch der niederländische Konkurrent Gemalto beteiligt sich mit seiner Software am Joint Venture.

„Wir gehören mit unserer Technologie zu den weltweit führenden Anbietern“, erklärt G&D-Chef Karsten Ottenberg gegenüber unserer Zeitung. Nun sei es an der Zeit, Dienstleister und Industrie von einer umfassenden Lösung zu überzeugen. „Schließlich werden Smartphones und Tablets immer beliebtere Angriffsobjekte, je mehr Funktionen sie in unserem Alltag übernehmen“, sagt Ottenberg. „Der Bedarf nach Sicherheit ist riesig.“

Die nun geschaffene Allianz sei vergleichbar mit dem Projekt Blue Ray in der Filmindustrie. Hier hätten sich auch Wettbewerber zusammengeschlossen, um eine einheitliche Technik voranzutreiben, damit hochauflösende Videos auf DVDs gebrannt werden können. „Zuvor hatten alle Firmen, die DVD-Rekorder produzierten, ihre eigenen Technologien entwickelt“, erklärt Ottenberg. Was dazu geführt habe, dass weder Filmstudios, noch der Verleih und schon gar nicht der Verbraucher so recht wusste, welcher Standard sich nun durchsetzen würde – der gesamte Markt geriet ins Stocken. Diese Verwirrung herrsche derzeit auch im Bereich mobile Sicherheit, meint Ottenberg.

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Daher der Entschluss zu einem Joint Venture, dessen Führung zu 40 Prozent bei ARM liegt und zu jeweils 30 Prozent bei G&D sowie Gemalto – wie viel Geld die Firmen jeweils investieren ist unbekannt.

Die Münchner liefern dabei mit der Sim-Karte eine Art Tresor im Handy. Aktuell sei diese Karte das sicherste Element in einem Telefon, erklärt der G&D-Chef. Wird etwa eine Bezahl-Anwendungen gestartet, dann geschieht das auf diesem Chip mit geheimen Schlüsseln, die einen sichere Verbindung zwischen Telefon und Bank-Server garantiert. G&D verstärkt diesen Schutz mit einer Zusatz-Software, die garantiert, dass Eingabe-Befehle und Eingetipptes (wie etwa die Pin-Nummern oder Kennwörter) wirklich von der Sim-Karte stammen beziehungsweise nur dorthin gelangen.

Genau hier setzen Kriminelle gerne an, schalten sich mit spezieller Software heimlich dazwischen und fangen die Daten ab. „Das verhindert unser System“, sagt Ottenberg. Egal ob beim Firmen-Netzwerk von Unternehmen und Behörden oder während des Online-Bankings – es sei ausgeschlossen, dass jemand Unbefugtes beim Einloggen oder Eintippen „dazwischen sitzt“.

Den Kriminellen einen Schritt voraus zu sein – ein schwieriges Unterfangen. „Hier kommt unsere Erfahrung aus 160 Jahren zum Tragen“, sagt Ottenberg. „Das haben wir bei den Banknoten gezeigt, bei den Kreditkarten und das schaffen wir auch jetzt.“

Für das neue – derzeit noch namenlose – Gemeinschaftsunternehmen sollen laut Ottenberg zwischen 80 und 100 Mitarbeiter unter anderem in München und Helsinki arbeiten. Bis zur Jahresmitte sollten auch die Kartellbehörden zugestimmt haben.

von Stefanie Backs

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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