Neue "Elefantenrunde"

Münchner Medientage: Bedrohung und Chancen

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Johannes Kors, Geschäftsfuehrer der Medientage, hofft auf eine Auffrischung der Gesprächsrunde "und tiefer gehende und pointiertere Diskussionen".

München - Ministerpräsident Seehofer hat am Mittwoch die Münchner Medientage eröffnet. Die Branche diskutiert die Vor- und Nachteile des Internets. Harsche Kritik gibt es für Deutschlands Google-Boss.

Über die Herausforderungen des digitalen Wandels debattieren zahlreiche Vertreter der Medienbranche seit Mittwoch in München. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte zur Eröffnung der Medientage „mehr Freiheit“ für die Medien in Deutschland. Die anschließende „Elefantenrunde“ konzentrierte sich auf das Thema Regulierung. Dabei musste Googles Deutschland-Chef harsche Kritik einstecken.

Die Medientage stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Weichen stellen. Die neuen Gesetze der Medienwelt“. Noch bis zum Freitag diskutieren die Experten über neue Geschäftsmodelle, Trends und technische Entwicklungen. Die Veranstalter rechnen mit rund 6.000 Besuchern.

Seehofer sagte, er wolle „so wenig politische und rechtliche Hürden wie nötig“. Allerdings müsse das Urheberrecht geachtet werden. Er rief dazu auf, die „Gratismentalität“ zu überwinden. Die Medien könnten mit seiner Unterstützung rechnen, wenn es um das Leistungsschutzrecht gehe. Der Ministerpräsident fügte hinzu: „Da kann man sicher noch Besseres entwickeln, als das Bundesjustizministerium entwickelt hat. Aber es ist einmal ein guter, erster Schritt.“

Auch die Teilnehmer der traditionellen Auftaktdebatte forderten weniger Regulierung. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel kritisierte eine „unterschiedliche Regelungsdichte“, die in den klassischen Medien höher sei als im Netz. Sie forderte einen Runden Tisch, an dem diese Fragen geklärt werden sollen. Seehofer sagte zu, ein solches Treffen im kommenden Jahr zu organisieren.

Kritik an Googles Geschäftsmodell

Dabei soll es auch um die Rolle des Internetkonzerns Google gehen. Auf dem Podium machten die Diskutanten ihrem Ärger über den Internetriesen Luft. Ihr Vorwurf: Der US-Konzern agiere wie ein Medienunternehmen, halte sich aber nicht an die Spielregeln. Google dringe in die Geschäftsbereiche klassischer Medienunternehmen ein und betätige sich mit seiner Videoplattform Youtube als TV-Sender, sagte ProSiebenSat.1-Vorstand Conrad Albert.

Ähnlich argumentierte Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen. Google selektiere Nachrichten, „das ist eine Medientätigkeit“. Daher müsse der Suchmaschinenbetreiber auch die Verantwortung für die Inhalte übernehmen, etwa bei Fällen von Verleumdung. Google-Deutschland-Chef Stefan Tweraser rechtfertigte das Geschäftsmodell des US-Konzerns. Google sei ein Suchmaschinenbetreiber und biete selbst keine Inhalte an: „Wir stellen nur die Links zur Verfügung.“ Auch den Vorwurf der mangelnden Transparenz wies er zurück. „Die Google-Suche ist nicht kaufbar“, betonte Tweraser. Auf die Frage Piels, wer dies überprüfe, verwies er auf die Nutzer, die Google bei Manipulationen „massiv abstrafen“ würden.

Verlage fürchten die Digitaloffensive

Manager von „Süddeutscher Zeitung“ und „Focus“ ließen auf dem Kongress ihre Zurückhaltung beim digitalen Wandel erkennen. „Ich habe es nicht gerne, wenn angestammte Zeitungsabonnenten zur Digitalausgabe wechseln. Ich habe ja eine Druckerei, die ich auslasten möchte“, sagte der Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags, Detlef Haaks. Digitalabos sollten bestenfalls Neukunden ordern.

Burkhard Graßmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Burda News Group („Focus“), gab sich ebenso misstrauisch und sprach von „der Flüchtigkeit des Digitalen“. Die Gefahr sei schlicht, dass Abos von Digitalangaben schneller gekündigt würden, als das bei Bezügen gedruckter Verlagsangebote der Fall sei.

Die „SZ“ will ihr Digitalangebot dennoch deutlich ausbauen. Er gehe immerhin davon aus, dass die Münchner Zeitung in zehn Jahren mehrheitlich nicht mehr gedruckt gelesen werde, sagte Haaks. Neben dem bereits verfügbaren Angebot für Apples iPads werde die „Süddeutsche“ in der kommenden Woche auch eine Ausgabe für Microsofts Windows-Plattform starten.

dapd

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