Großer roter Fleck

Amateurastronomen beobachten merkwürdiges Phänomen auf dem Planeten Jupiter

+
Der große rote Fleck auf dem Planeten Jupiter, gesehen von der Nasa-Raumsonde „Juno“.

Was passiert mit dem großen roten Fleck auf dem Planeten Jupiter? Amateurastronomen schließen sich zusammen, um das Mysterium zu entschlüsseln.

Ein gigantischer Sturm sorgt für Aufregung unter Amateurastronomen: Der große rote Fleck, ein riesiger Sturmwirbel auf dem Planeten Jupiter, schrumpft seit Jahren. Das ist an sich keine neue Erkenntnis - doch spannend ist ein mysteriöses Phänomen, das Amateurastronomen in aller Welt seit einiger Zeit beobachten: Es scheinen sich immer wieder Gaswolken vom großen roten Fleck zu lösen.

Der australische Amateurastronom Anthony Wesley fotografiert den Jupiter nach eigenen Angaben seit etwa 17 Jahren. Auf einem Bild, das er am 19. Mai aufgenommen hat, ist deutlich zu sehen, wie sich eine Wolke ablöst. Der Website „Space Weather Archive“ hat er erzählt, dass das nach seinen Beobachtungen etwa ein Mal pro Woche passiert. „Ich habe das noch nie zuvor gesehen“, betont er. Der Streamer, der auf dem Bild zu sehen ist, ist riesig: Er reicht mehr als 10.000 Kilometer vom roten Fleck weg.

„Jeder Streamer scheint sich vom großen roten Fleck zu lösen und zu verschwinden“, erklärt Jupiter-Fotograf Wesley. „Nach etwa einer Woche entsteht ein neuer Streamer und der Prozess wiederholt sich.“ Der Jupiter dreht sich alle zehn Stunden einmal um sich selbst, daher ist der große rote Fleck nicht immer zu sehen. Nach Angaben von Wesley schließen sich derzeit Amateurastronomen zusammen, um gute Aufnahmen von dem mysteriösen Vorgang auf dem Jupiter zu machen.

Tatsächlich fällt das Phänomen in eine gute Zeit für die Jupiter-Beobachtung: Im Juni 2019 steht Jupiter in Opposition, das bedeutet, er steht der Sonne von der Erde aus betrachtet genau gegenüber und ist besonders gut zu beobachten: Der Abstand zur Erde ist am geringsten und der Planet steht bereits früh am Abend am Himmel.

Großer roter Fleck auf dem Jupiter ist die bekannteste Struktur auf einem Planeten

Der große rote Fleck ist größer als die Erde und die wahrscheinlich bekannteste Struktur auf einem Planeten in unserem Sonnensystem. Erstmals gesichtet wurde er im Jahr 1665 von Robert Hooke - ob es sich dabei allerdings um denselben roten Fleck handelte, den man heute auf der Oberfläche des Planeten sieht, ist bis heute nicht geklärt.

Auch interessant:

Internet-Satelliten von SpaceX überstrahlen Sterne und lösen hitzige Diskussion aus

Beobachtungen des aktuellen Flecks zeigten nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa, dass die lange Achse des Flecks im 19. Jahrhundert noch 41.000 Kilometer lang war. Doch seitdem schrumpft der gigantische Sturm: Die Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 nahmen bei ihrem Vorbeiflug am Jupiter im Jahr 1979 Maß und kamen auf nur noch 23.300 Kilometer. Ein Bild, das das „Hubble“-Weltraumteleskop 1995 machte, zeigte, dass die Achse damals noch knapp 21.000 Kilometer lang war. 2009 war sie bereits auf 17.800 Kilometer geschrumpft, 2014 hatte sie nur noch eine Länge von etwa 16.500 Kilometern.

Im Mai 2017 hatte das Gemini-Observatorium auf Hawaii bereits ein ähnliches Phänomen fotografiert. Von einer „merkwürdigen hakenartigen Wolkenstruktur“ und einer „langen fein strukturierten Welle“ ist in einer Pressemitteilung die Rede. „Solche Ereignisse zeigen uns, dass es noch so viel zu lernen gibt über die Atmosphäre von Jupiter“, wurde der Wissenschaftler Glenn Orton damals zitiert.

Astronomen beobachten den großen roten Fleck aus verschiedensten Gründen: Um mehr über das Wetter auf der Erde herauszufinden oder um zu ergründen, warum der Fleck rot ist. Es gibt die Theorie, dass eine farblose chemische Verbindung mit kosmischer Strahlung oder UV-Strahlung der Sonne reagiert und so rot wird.

Von Tanja Banner

Lesen Sie auch auf fr.de*:

Großer roter Fleck auf Jupiter schrumpft

Der große rote Fleck auf dem Jupiter schrumpft immer schneller. Astronomen wollen wissen, woran das liegt.

Das Weltall wächst schneller als erwartet

Das Weltraumteleskop „Hubble“ hat schon viele Geheimnisse des Universums gelüftet. Jetzt kommt noch eine Entdeckung hinzu: Der Kosmos expandiert schneller als bisher angenommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare