Astronomie

Rätselhafte Quellen senden seit Jahren Signale an die Erde ‒ Forscher verfolgen sie zurück

Das Hubble-Teleskop hat schnelle Radioblitze (FRB) aufgenommen.
+
Das Hubble-Teleskop hat schnelle Radioblitze (FRB) aufgenommen.

Seit Jahren senden unbekannte Quellen Signale zur Erde. Woher sie kommen, konnte lange nicht klar bestimmt werden. Doch jetzt ist die Forschung einen Schritt weiter.

In einem Moment flackern sie auf, im nächsten sind sie spurlos verschwunden: Seit Jahren senden mysteriöse Quellen Funksignale zur Erde, deren Ursprünge sich nur schwer verfolgen lassen. Doch einer Gruppe von Forschenden ist es nun gelungen, einige der Quellen der sogenannten schnellen Radioblitze (FRB für engl. fast radio bursts) aufzuspüren. So viel ist laut der Studie, die in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal veröffentlicht werden soll, allerdings sicher: Außerirdische haben ihre Finger bei den Radioblitzen nicht im Spiel.

Der erste schnelle Radioblitz wurde laut der Nasa 2001 entdeckt. Rund 1000 FRBs seien seitdem erfasst worden. Allerdings seien sie schwer nachzuverfolgen, weil sie im Nu wieder spurlos verschwinden. Nur 15 seien bislang spezifischen Galaxien zugeordnet worden. Die Radioblitze generieren in einer Tausendstelsekunde so viel Energie wie die Sonne in einem ganzen Jahr. Die Wissenschaft will herausfinden, was sie auslöst.

Hubble-Teleskop nimmt schnelle Radioblitze auf

Forschende um Alexandra Mannings von der University of California haben die Druckwellen mit dem Hubble-Teleskop der Nasa und ESA untersucht. Dabei gelang es ihnen, fünf von acht kürzlich erfolgten FRBs ihren Quellgalaxien zuzuordnen und zu bestimmen, von welcher Art von Ort sie stammten. Ein Merkmal der Galaxien, bei denen die Signale auftraten, seien Spiralarme, in denen sich Sterne bilden.

„Unsere Ergebnisse sind neu und aufregend. Das ist die erste hochauflösende Aufnahme einer Population von FRBs und Hubble enthüllt, dass fünf von ihnen in der Nähe von oder auf den Spiralarmen einer Galaxie verortet sind“, so Alexandra Mannings, die Hauptautorin der Studie.

„Die meisten der Galaxien sind massereich, relativ jung und bilden noch Sterne“, beschreibt sie die Quellen der Radioblitze. Die Aufnahmen von Hubble gäben Aufschluss über die Eigenschaften der Heimatgalaxien, etwa bezüglich ihrer Masse und Sternbildungsrate.

Schnelle Radioblitze: Herkunft lässt sich eingrenzen

Wo genau die FRBs herkommen, konnte das Forscherteam zwar noch nicht bestimmen, aber schon einige Möglichkeiten ausschließen. Nach Angaben der Nasa stammen sie wahrscheinlich nicht aus den hellsten Regionen und auch nicht aus in den jüngsten, massereichsten Sternen.

„Diese Hinweise halfen den Forschenden, einige der möglichen Auslöser von Arten dieser strahlenden Eruptionen auszuschließen, einschließlich des explosiven Tods der jüngsten, massereichsten Sterne, die Gammastrahlen-Ausbrüche und einige Arten von Supernovae auslösen“, schreibt die Nasa in einer Pressemitteilung zum Thema.

Außerdem gelten durch die jüngsten Erkenntnisse auch Neutronensternkollisionen als unwahrscheinliche Quelle. „Diese Verschmelzungen brauchen Milliarden von Jahren, um aufzutreten und befinden sich normalerweise weit von den Spiralarmen älterer Galaxien entfernt, die keine Sterne mehr bilden“, so die Nasa.

Schnelle Radioblitze stammen wahrscheinlich nicht aus Zwerggalaxien

Die Aufnahmen von Hubble stützen jedoch die bisherige Annahme, dass die FRBs aus jungen Magnetar-Ausbrüchen stammen. Magnetare sind Neutronensterne mit extrem starken Magnetfeldern. „Sie werden als die stärksten Magnete im Universum bezeichnet und besitzen ein Magnetfeld, das zehn Billionen Mal stärker ist als ein Kühlschrankmagnet“, beschreibt die Nasa die Sterne. 2020 sei es Forschenden gelungen, einen FRB, der in unserer Milchstraßen-Galaxie gesichtet wurde, mit einer Region zu verknüpfen, in der sich ein bekannter Magnetar befindet.

Die neuesten Beobachtungen legen außerdem die Verbindung der Radioblitze mit massereichen, sternbildenden Galaxien nahe. Das war bisher weniger der Fall, da ältere Aufnahmen die Strukturen unter der Heimatgalaxie nicht klar genug abbildeten.

Daher konnten Forschende bis jetzt nicht ausschließen, dass die Impulse aus Zwerggalaxien stammen, die sich unter massereichen verstecken. Das Forscherteam erklärt allerdings, es brauche noch mehr Beobachtungen, um ein klareres Bild der Radioblitze und ihrer Herkunft zeichnen zu können. (ial)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare