Auf Tierfriedhöfen im Netz können Halter ihre verstorbenen Hunde, Katzen und Pferde virtuell beerdigen

Pony Idas letzte Gedenkstätte

Ein Grab im Internet: Auf www.memorygarden24.com gibt es tausende solcher virtueller Gedenkstätten für verstorbene Tiere. Besucher können sich im Kondolenzbuch eintragen und Grüße oder tröstende Worte hinterlassen.

Als Hase Muffel starb, wurde er in einem Schuhkarton im Garten beerdigt. Das war in den 90er-Jahren. Wäre Muffel ein Jahrzehnt später gestorben, hätte er vielleicht ein virtuelles Grab auf einem Tierfriedhof im Internet.

Virtuelle Friedhöfe für Tiere gibt es mittlerweile Dutzende. Auf www.memorygarden24.com zum Beispiel liegt Zwergkaninchen Mucky neben Terrier Shorty und Perserkatze Sissy. Auf Sissys Grabstein steht der 15. März 2010 als Todestag – bereits einen Tag später befinden sich zehn Einträge im virtuellen Kondolenzbuch.

Aber auch Reptilien, Vögel, Pferde und sogar ein Walross finden auf der Internetseite eine Gedenkstätte. Pony Ida ist am 30. Januar 2007 gestorben. 2225 Besucher haben seitdem ihre virtuelle Ruhestätte besucht, und auch zu ihrem dritten Todestag gibt es noch Einträge im Kondolenzbuch. Auf anderen Internetseiten können registrierte Nutzer außerdem per Mausklick eine Kerze anzünden und Blumen niederlegen.

Memorygarden24 gibt es seit Juni 2006. Betreiber Marcel Möller (39) hatte ein glückliches Händchen, was den Start der Seite betraf: nur zwei Tage später starb Problembär Bruno, und Möller widmete ihm sofort eine Gedenkstätte. Knapp 96 000 Mal wurde sein Grab seitdem besucht. Heute gibt es auf der Seite über 5800 virtuelle Tiergräber. Laut Möller, der auch hauptberuflich in der IT-Branche arbeitet, ist Memorygarden24 damit der größte deutschsprachige virtuelle Tierfriedhof. „Am häufigsten sind Hunde und Katzen vertreten“, sagt er.

Die Idee zu der Seite entstand aus eigener Betroffenheit. „Ich bin mit Hunden aufgewachsen und habe schon öfter ein Tier verloren. Daher weiß ich, wie schwer das ist.“

Häufig werde Möller belächelt, wenn er erzähle, dass er einen virtuellen Tierfriedhof betreibt. „Die Leute wissen einfach nicht, was sich für Dramen abspielen, wenn jemand ein geliebtes Tier verliert“, sagt er. „Das ist eine ganz emotionale Geschichte.“

Ob das Tier im eigenen Garten liegt, auf einem Tierfriedhof oder vom Tierarzt entsorgt wurde, hat laut Möller keinen Einfluss darauf, ob die Besitzer ihrem Haustier auch noch eine virtuelle Gedenkstätte widmen. „Tierfriedhöfe im Internet sind eine Community. Die Leute können sich ihren Kummer von der Seele schreiben und bekommen Kontakt zu Menschen, denen gerade das Gleiche passiert ist.“ Der Trost und Zuspruch der anderen sei für viele Menschen eben einfach ganz wichtig.

Von Maren Schultz

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