Netzsplitter: Patentstreits, russische ICQ-Ambitionen und Facebook-Marken

In der Netzwelt geht es hoch her - heute: Microsofts Schlappe im Patentstreit um Word, russische Unternehmen wollen Chat-Dienst ICQ übernehmen und bei Facebook werden die Bekenntnisse unverbindlicher.

Facebook senkt die Schwelle für das Bekenntnis zu Marken

Facebook will es seinen Mitgliedern einfacher machen, sich zu einer Marke zu bekennen. Die für viele offenbar abschreckend wirkende Erklärung, "Fan" einer Marke zu werden, soll demnächst ersetzt werden durch die von den Statusmeldungen gewohnte Aussage "Gefällt mir".

Dies wird laut Facebook fast doppelt so oft genutzt wie die Erklärung "ein Fan werden", was der durchschnittliche Nutzer nur vier Mal im Monat tut. "Die Idee, dass eine Marke gefällt, ist ein viel natürlicherer Vorgang als ein Fan zu werden", erklärte der Vorstandschef der auf Social-Media-Werbung spezialisierten Firma Buddy Media, Michael Lazerow. "Damit wird die Schwelle gesenkt."

Der Werbewert für die Unternehmen bleibt aber der gleiche. So sehen es die Kontakte eines Facebook-Mitglieds, wenn dieses die Sympathie zu einer Marke, einem Unternehmen oder einer sonstigen Einrichtung bekundet. Und die Zahl der "Gefällt-Mir"-Klicks von Mitgliedern wird auf den Facebook-Präsenzen der Unternehmen weiter angezeigt.

Microsoft im Patentstreit um Word abermals unterlegen

Ein Berufungsgericht in Seattle hat einen Antrag von Microsoft abgelehnt, ein Urteil zum Patentstreit um die Textverarbeitungssoftware Word neu zu überprüfen.

Im Dezember hatten drei Richter vom U.S. Court of Appeals die Entscheidung einer unteren Instanz bestätigt, wonach Microsoft wegen der Verletzung von Patenten der Firma i4i 290 Millionen Dollar zahlen und den Vertrieb von Word-Versionen einstellen muss, welche die strittige XML-Technik enthält. Microsoft beantragte daraufhin, die Entscheidung noch einmal vom gesamten Richterkollegium des Berufungsgerichts überprüfen zu lassen, was jetzt abgelehnt wurde.

Der erste Richterspruch vom August ist seit Januar rechtskräftig. Microsoft hat bereits damit begonnen, nur noch Word-Versionen ohne die in Frage stehende Technik zu verkaufen. Nach dem jüngsten Gerichtsbeschluss kündigte Microsoft an, jetzt die noch verfügbaren Optionen zu prüfen. Dazu könnte auch eine Berufung beim Obersten Gericht der USA sein.

Russische Unternehmen wollen Chat-Dienst ICQ kaufen

Zwei russische Unternehmen wollen einem Zeitungsbericht zufolge den US-amerikanischen Chat-Dienst ICQ übernehmen. Der amerikanische Internetdienst AOL plane den Verkauf seiner nicht zum Kerngeschäft gehörenden Sparten.

Im Dezember hatte sich AOL nach schweren Verlusten von seinem Mutterkonzern Time Warner gelöst. Für ICQ wolle AOL rund 300 Millionen Dollar (222,8 Millionen Euro), berichtete die Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ am Dienstag. Der Konzern Profmedia des russischen Oligarchen Wladimir Potanin sowie die von Juri Milner, Grigori Finger und Alischer Usmanow kontrollierte Firma Digital Sky Technologies (DST) bieten demnach für ICQ.

Ein weiterer Bieter sei das chinesische Messaging-Netzwerk Tencent. Profmedia bietet nach Informationen der Zeitung 120 Millionen Dollar und Konkurrent DST bis zu 250 Millionen Dollar. DST und Profmedia wollten sich nicht zu ihren Plänen äußern. Mit AOL und Tencent konnte das Blatt keinen Kontakt aufnehmen. Der Echtzeit-Nachrichten-Dienst ICQ wird derzeit weltweit von rund 42 Millionen Kunden genutzt, darunter 18,5 Millionen in Russland. Das Angebot ist auch in Deutschland beliebt. (dpa/apn)

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