Internet-Shopping hält Paketboten auf Trab

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Die Paketboten haben einen stressigen Job.

Bonn - Einkäufe im Internet boomen. Das sorgt auch für eine Paketflut. Der Milliardenmarkt wächst und ist heiß umkämpft. Doch das Ganze hat auch seine Schattenseiten.

Immer mehr Verbraucher kaufen im Internet ein. Das reicht von Büchern, Jeans und Stöckelschuhen bis zu Medikamenten, Elektronik, Wein oder einem neuen Tennis-Outfit. Im Jahr 2011 gaben die Kunden dafür rund 21,7 Milliarden Euro aus. Der Boom beim Online-Shopping und im Versandhandel insgesamt beflügelt auch den Paketmarkt.

Die am PC bestellten Waren müssen an die Haustüren geliefert werden. Das hält zig-tausend Paketboten von Flensburg bis Freiburg auf Trab. Um den Markt in Deutschland kämpfen mehrere Anbieter. Platzhirsch ist die Deutsche Post DHL, die in 2011 einen Anstieg bei Paketsendungen um rund 10 Prozent verzeichnete. Hauptkonkurrent Hermes konnte sich in den vergangenen Jahren ebenfalls über anhaltend deutliche Zuwächse freuen und auch europaweit expandieren.

Der zeitsparende Online-Einkauf mit einigen Klicks ist vor allem für die jüngere Generation zu einer Selbstverständlichkeit geworden. “E-Commerce ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, erklärt Post-Vorstandschef Frank Appel. “Immer mehr Menschen jeden Alters nutzen diese bequeme Form des Shoppens. Und es handelt sich hierbei nicht um ein vorübergehendes Phänomen. Diese Veränderungen, die sich im Einkaufsverhalten vollziehen, sind nachhaltig. Das heißt: Das Wachstum im Paketgeschäft wird anhalten.“

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Neben den Internet-Käufen ist der Versandhandel insgesamt, einschließlich der Bestellungen etwa per Katalog oder Teleshopping, auf Höhenflug. Mit einer Umsatzsteigerung um 12,2 Prozent auf 34 Milliarden Euro erzielte die Branche in 2011 einen Rekord, wie der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) berichtete. Ungebrochen ist dabei der Trend (plus 18,5 Prozent) zu Online-Käufen, die etwa zwei Drittel des Umsatzes ausmachten.

Beispiel: Der führende Hamburger Versandhändler Otto, früher ein klassischer Katalogversender, erwirtschaftete 2011 bereits rund drei Viertel seines Umsatzes im Online-Geschäft. Der größte Onlineshop in Deutschland ist Amazon, vor Otto. Daneben gibt es unzählige Spezialanbieter wie etwa Zalando für Schuhe. Die Deutsche Post hat inzwischen mit MeinPaket.de ein eigenes Shopping-Portal mit mehr als vier Millionen Produkten.

Ohne eine neue Dynamik bei den Auslieferern wäre der Wandel zum Online-Handel nicht möglich gewesen. Bisweilen begegnen sich mittlerweile in den Straßen gleich zwei oder sogar drei Fahrzeuge mit den Zustellern verschiedener Unternehmen. Klarer Marktführer ist die Deutsche Post mit ihrer Paketmarke DHL. Die DHL-Boten liefern in ihren gelb-roten Uniformen im Schnitt täglich rund 2,7 Millionen Pakete aus, in der großen Mehrzahl meist von Geschäftskunden zu Geschäftskunden.

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Als weitere Großunternehmen sind in Deutschland die Otto-Tochter Hermes sowie UPS, DPD und GLS aktiv, wobei GLS und UPS schwerpunktmäßig im B2B-Segment (also unter Geschäftskunden) tätig sind. Hermes hat die Privatpersonen im Visier und stellt inzwischen nach eigenen Angaben jedes dritte sogenannte B2C-Paket zu.

Der deutsche Paketmarkt belief sich nach Angaben der Deutschen Post im Jahr 2011 auf ein Volumen von rund 7,3 Milliarden Euro, knapp 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Anders als auf dem vom Bonner Konzern noch klar dominierten Briefmarkt ist es der Konkurrenz beim Paketversand gelungen, Fuß zu fassen. Die Deutsche Post hat nach eigenen Schätzungen einen Marktanteil von knapp 40 Prozent.

Post-Chef Appel will in den nächsten Jahren rund 750 Millionen Euro investieren, um das bundesweite Paketnetz zu modernisieren. “Unser Ziel ist, dass ein Paket künftig in Deutschland so schnell befördert werden kann wie heute ein Brief“, sagt der zuständige Post-Vorstand Jürgen Gerdes.

Noch ist der Paketversand ist weitgehend ein Geschäft der jeweils nationalen Zusteller. So hat auch der Riese DHL hat kein eigenes europäisches Paketnetzwerk, sondern kooperiert bei Sendungen ins Ausland mit einheimischen Firmen. Hermes ist inzwischen im Zuge seiner europaweiten Expansion in Großbritannien, Österreich, Italien und Russland mit eigenen Gesellschaften vertreten. “Mit mehr als 16 000 Annahmestellen in Europa verfügt Hermes über das größte Netz für den privaten Paketversand“, erläutert Sprecherin Birte Ayhan.

Bei allem wirtschaftlichen Erfolg liegt auch ein Schatten über der personalintensiven Branche: Sie arbeitet vielfach aus Kostengründen mit billigen Subunternehmen und geringfügig Beschäftigten. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das System, bei dem Niedriglöhne gezahlt und Risiken auf die Zusteller selbst abgewälzt würden. Besonders Hermes ist mit breiter Nutzung von Subunternehmern in die Kritik geraten. Die Deutsche Post vereinbarte mit Verdi, dass nur in 990 von 7500 Paketbezirken die Zustellung an Fremdunternehmen vergeben wird.

dpa

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