Ministerin ist in der Kritik

Milchpulver für Babys: Foodwatch warnt - gefährliche Stoffe gefunden

Foodwatch hat in Milchpulver für Babys gefährliche Stoffe gefunden. Jetzt ist sogar eine Ministerin mächtig unter Druck.

  • Milchpulver für Babys sind offenbar mit gesundheitsgefährdendem Mineralöl verunreinigt.
  • Das hat Foodwatch unter anderem bei Produkten von Rossmann und Nestlé herausgefunden.
  • Sie kritisieren auch Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) in dieser Sache - sie soll schon seit Monaten davon gewusst haben.

Update, Montag (8. Juni), 07.30 Uhr: Nach Rossmann hat sich nun auch Nestlé zu der Kritik, dass in ihrem Beba-Milchpulver Mineralöl enthalten sein soll, geäußert. Das Unternehmen macht in einer Stellungnahme klar, dass sich die Testergebnisse von Foodwatch auf eine Rezeptur beziehen würden, die nicht mehr produziert wird. 

"Diese Testergebnisse stammen vom Beginn dieses Jahres und beziehen sich auf Rezepturen, die wir nicht mehr produzieren", heißt es vonseiten von Nestlé. Man hab das Milchpulver für Säuglinge der Marke Beba entsprechend weiterentwickelt und von einem Labor prüfen lassen. Das Ergebnis: MOSH wurde deutlich reduziert, kein MOAH nachweisbar. 

Mineralöl im Milchpulver: Nestlé nimmt Stellung

Mineralöl in Produkten nachzuweisen sowie mögliche Quellen auszumachen, sei äußerst komplex. Die Methodik entwickele sich jedoch kontinuierlich weiter, sodass es dem Unternehmen gelungen sei, die Werte für die Mineralölverunreinigung zu minimieren. Auch sollen die zuständigen Lebensmittelbehörden für die Milchpulver von Nestlé ausdrücklich bestätigt haben, dass von den ermittelten Werten keine Gesundheitsgefahr ausging.

Erstmeldung, Samstag (30. Mai), 13.30 Uhr: Die Geburt eines Kindes gibt stets Anlass zu Freude. Die Nachricht über belastete Milchpulver dürfte jedoch viele frisch gebackene Eltern verunsichern - will man doch bei den Kleinsten alles richtig machen, auch in Sachen Ernährung. Denn wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch mitteilte, machen einige Hersteller von Milchpulver es Eltern nicht gerade einfach. Die Produkte sollen mit Mineralöl verunreinigt sein, wie RUHR24.de* berichtet.

Organisation:

Foodwatch e.V.

Rechtsform:

Gemeinnütziger Verein

Hauptstandort:

Berlin

Gründer: 

Thilo Bode

Gründungsjahr:

2002

Foodwatch findet Mineralöl in Milchpulver für Babys

Betroffen sind vor allem Produkte der Hersteller Nestlé, Rossmann, Novalac und Humana, wie Foodwatch bekannt gab. Alle vier Milchpulver-Sorten enthalten aromatische Mineralöle (MOAH), die in dringendem Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Die Schadstoffe haben also in Lebensmitteln - und insbesondere in Babynahrung nichts zu suchen. Foodwatch forderte nun die Hersteller auf, zu reagieren.

Mineralöl in Milchpulver: Ergebnisse liegen bereits seit Oktober vor

Das Fatale, an dieser ohnehin schon besorgniserregenden Geschichte ist, dass sie bereits im Oktober letzten Jahres begann - und seitdem nichts passiert ist. 

Foodwatch hatte bereits im Oktober letzten Jahres in einem eigenen Labortest die gesundheitsgefährdenden Mineralöle bei Produkten von Nestlé und Novalac nachgewiesen*. Sie hatten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) die Ergebnisse vorgelegt und sie zum Handeln aufgefordert. Passiert ist jedoch erst einmal nichts.

Milchpulver mit Mineralöl belastet und Julia Klöckner (CDU) wusste Bescheid

Nun hat Foodwatch erneut Ergebnisse eines Tests veröffentlicht, die wieder belegen, dass Milchpulver von Nestlé, RossmannNovalac und Humana mit Mineralöl belastet ist. Diesmal handelt es sich jedoch um unabhängige Laboranalysen der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) in Münster und Stuttgart. 

Es handelt sich folglich um eine vom Staat in Auftrag gegebene Untersuchung, ob eine Belastung von Babymilch vorliegt. Das Fatale: Die Ergebnisse sollen Ministerin Julia Klöcknerebenfalls bereits im Dezember vorgelegen haben - passiert ist allerdings wieder nichts.

Amtliche Tests betätigen: Mineralöl in jedem Milchpulver

Foodwatch hat nun die amtlichen Testergebnisse der Milchpulver über das Verbraucherinformationsgesetz beantragt und veröffentlicht - sonst würden sie womöglich noch immer in der Schublade der Bundesernährungsministerin liegen.

Und auch hier sind die Ergebnisse eindeutig: In allen der insgesamt 50 untersuchte Proben konnten gesättigte Mineralöle (MOSH) nachgewiesen werden. In 14 der 50 Proben das krebserregende, aromatische Mineralöl MOAH  (mehr Service-Artikel bei RUHR24.de).*

Mineralöl in Milchpulver - gesundheitsgefährdend, aber nicht verboten

Noch gibt es keine rechtlichen Grenzwerte für eine Mineralöl-Belastung in Lebensmitteln, weshalb die Hersteller nicht auf solche Verunreinigungen reagieren müssen. Foodwatch ist allerdings der Ansicht, dass Stoffe wie MOAH, die im Verdacht stehen Krebs auszulösen, nichts in der Nahrung und insbesondere nichts im Milchpulver für Babys zu suchen haben.

Doch leider wird Mineralöl immer wieder in Lebensmitteln gefunden. Zuletzt konnte das Verbraucherportal Öko-Test die Schadstoffe in grünem Pesto finden.*

Foodwatch fordert Politik auf wegen des Mineralöls im Milchpulver zu reagieren

Sie fordern sowohl die Unternehmen als auch die Politik auf zu reagieren und den Verkauf betroffener Produkte zu unterbinden. Eltern sollten sich darauf verlassen können, dass Babynahrung gesundheitlich absolut unbedenklich ist.

Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch-Deutschland, über den die Testergebnisse: Mineralölspuren in Milchpulver für Babys

"Frau Klöckner darf die Untersuchungsergebnisse nicht länger ignorieren, sondern muss endlich handeln und dafür Sorge tragen, dass mineralölbelastete Babyprodukte sofort aus dem Handel geräumt werden", sagte Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland. 

Mineralöl im Milchpulver: Rossmann reagiert auf Forderung von Foodwatch

Vonseiten der Politik ist bislang noch nichts passiert. Und auch die Hersteller verhalten sich eher ruhig - bis auf Rossmann. Die Drogerie hat am 29. Mai auf die Aufforderung von Foodwatch reagiert und den Verkauf der MOAH-belasteten Charge des Milchpulvers gestoppt.

Folgendes Produkt von Rossmann ist von dem Rückruf betroffen: Babydream Kinderdrink ab 1 Jahr, Charge 1466876

Bei Humana, Nestlé (Beba) und Novalac konnte in folgenden Produkten das gesundheitsgefährdende Mineralöl nachgewiesen werden: 

  • Beba Pro HA 2
  • Beba Supreme Pre von Geburt an
  • Beba Optipro 2
  • Beba Optipro 1
  • Beba Pro HA 1, von Geburt an
  • Beba Pro HA Pre
  • Säuglingsmilchnahrung PRE 400g (Novalac)
  • BK Blähungen und Koliken (Novalac)
  • Humana SL Spezialnahrung bei Kuhmilchunverträglichkeit
  • Anfangsmilch von Geburt an 1 (Humana)

Rossmann stoppt Verkauf von Milchpulver wegen Mineralöl-Verunreinigung

Rossmann hatte mit dem Rückruf des Milchpulvers auf eine Petition der Verbraucherorganisation reagiert. Rund 60.000 Unterschriften hatte Foodwatch am 28. Mai bei Rossmann vorgelegt, nachdem die Drogerie auf die Testergebnisse Wochen zuvor nicht reagiert hatte.

In dem Schreiben von Rossmann, das Foodwatch vorliegt, betont die Drogerie auch, dass der Rückruf nur vorsorglich sei. Eigene Tests des Milchpulvers seien unauffällig gewesen. Foodwatch fordert Rossmann nun auf, die Testergebnisse zu veröffentlichen und langfristig zu garantieren, das gefährliches Mineralöl nicht in die Babynahrung gelangt. 

Und was ist mit den anderen Milchpulver-Herstellern wie Nestlé, Humana und Novalac? Bislang Fehlanzeige. 

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel / dpa, Armin Weigel / dpa, Collage: RUHR24

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