Waschechter Brite: Der neue Jaguar XJ

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Der neue XJ verkörpert Jaguars Aufbruch zu neuen Ufern.

Jaguar ist noch immer „very british“, auch wenn der indische Tata-Konzern längst am Ruder der noblen Traditionsmarke steht. Geradezu idealtypisch repräsentiert der XJ die Gene der Marke...

Jaguar XJ

...aber auch den Aufbruch zu neuen Ufern, der Sport und Luxus in schicken Einklang bringt. Die achte Generation der viertürigen Limousine, die sich seit 1968 wie ein uriges Schlachtschiff im Verkehrsgewoge bewegt, vollzieht den allgemeinen Trend zur Sportlimousine nach. Wie schon der kleinere Bruder XF ist die Dachlinie coupéhaft gespannt, mündet fast übergangslos in ein rundliches Heck, dessen LED-Leuchtstäbe an den Flanken Akzente setzen. Dabei geht die stärkere Dachkrümmung nicht zu Lasten der Kopffreiheit: Auch auf den hinteren Polstern sitzt man standesgemäß, bei üppiger Beinfreiheit und akzeptablem Kopfraum trotz doppeltem Glasschiebedach.

Hinterm Steuer thront der Kapitän, umgeben von einer sich halbrund ums Cockpit spannenden Leiste aus edlem Holz, die sich an den Türen zur veritablen Planke erweitert. Fahrer und Beifahrer bewältigen auf sehr bequemen Sitzen selbst längste Strecken ohne Verspannungen. Fürs große Gepäck ist mit 520 Liter Fassungsvermögen des Kofferraums vorgesorgt.

JAGUAR XJ 3,0 D

Hubraum: 2998 ccm

Leistung: 202/275 kW/PS

Beschleunigung 0-100 km/h: 6,4 s

Spitze: 250 km/h

Verbrauch: 7,0 l CO2-Emission: 184 g/km

Preis: ab 78.800 Euro

Armaturenbrett und Türverkleidungen sind dick mit Leder belegt, das dicke Ziernähte zusammenhalten. Klavierlack und edler Stahl setzen Akzente, die Verarbeitung wird aber nicht ganz den hohen Ansprüchen der Materialien gerecht. Wie ein Gefechtsturm fährt der Controller des Automatikgetriebes aus der wuchtigen Mittelkonsole, in deren Mitte ein Touchscreen-Display sitzt, um dessen Sensitivität es allerdings so schlecht bestellt ist, dass man gern auf Wahltasten ausweicht, die wichtigste Funktionen für Klimatisierung, Audioanlage und Telefon bündeln.

Das Navigationssystem war bereits Thema in unserer Rubrik „Abgefahren“, seine Flexibilität bei der Umgehung einer Autobahn-Vollsperrung führte zum Erwerb einer Straßenkarte. Das digitale Cockpit simuliert auf einem TFT-Display drei Rundinstrumente, die zuverlässig über Drehzahl, Geschwindigkeit und Füllstände informieren, auch über die gewählte Abstimmung von Motor und ESP. Sehr hilfreich in diesen Tagen war beispielsweise der Wintermodus, der das üppige Drehmoment des Biturbo-Sechszylinders behutsam auf die verschneite Straße brachte, dabei hellwach gegenüber kleinsten Schleudertendenzen war.

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Nach Betätigen der mit Start/Ziel-Flagge bewehrten Sport-Taste signalisiert nicht nur die unmittelbare Straffung des Sicherheitsgurtes, sondern auch rot beleuchtete Skalen, dass Gasannahme, Schaltabstimmung und ESP-Regelung dynamischen Erfordernissen gerecht werden.

Schalten kann, wer will, wie Schumi per Wippen am Lenkrad. Die luftgefederte Hinterachse erlaubt variable Dämpferregelung automatisch oder nach Vorgabe. Souverän filtert das Fahrwerk nahezu alle Unebenheiten weg, lenkt die Raubkatze kontrolliert um enge Kurven und beweist Neutralität bei hohem Tempo.

Zum Fahrgenuss trägt der kultivierte, aber auch druckvolle Sechszylinder-Diesel bei, der im Testschnitt 8,5 Liter konsumierte, bei witterungsbedingt defensiver Fahrweise. Es ist allerdings nicht alles Gold, was da glänzt: Der Toter-Winkel-Sensor ließ sich von Böschungen und Leitplanken irritieren. Die Sicht nach hinten ist, gelinde gesagt, bescheiden. Aber selbst solche Zicken sind ja irgendwie british ...

CARSTEN MÜLLER

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