Fahrbericht

Der Mercedes AMG C 63 im Test auf der Rennstrecke

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Wir haben dem Mercedes AMG C 63 auf der Rennstrecke alles abverlangt.

Was kann die neue Limousine von Mercedes wirklich? Wir haben den AMG C 63 auf der Rennstrecke am Bilster Berg auf Herz und Nieren geprüft.

Für echte AMG-Fans beginnt bei diesem Modell erst die AMG-Welt. Der C 63 ist die einzige Limousine im Performance-Segment, das mit acht Zylindern und einer Leistung von 510 PS, aufwarten kann. Jetzt kommt er neu auf den Markt, ein Facelift, das es in sich hat. Wir haben den Donnervogel schon auf der Rennstrecke am Bilster Berg getestet.

Mit Profi-Rennfahrer über die Piste

Es bollert und grummelt und brummelt. 24 Zylinder, 1.530 PS, drei brandneue AMG C 63/S stehen auf dem brennend-heißen Asphalt. Davor die giftgrüne Mamba, ein AMG GT/R. Hinter dem Lenkrad, unser Instruktor, der in vielen Rennen erprobte Daimler-Pilot Jan Seyffarth (32). Er führt die Meute an, die gleich über die Rennstrecke hetzen wird.

Früher war der Bilster Berg ein Munitionsdepot der britischen Armee, heute sind das 4,2 Kilometer Asphalt, 19 Kurven und 26 Prozent Gefälle. Gebaut von dem Deutschen Formel1-Architekten Hermann Tilke, der unter anderem auch die Strecken von Abu Dhabi, Malaysia und Shanghai geplant hat. Und 2013 auch den Bilster Berg.

Zunächst eine Aufwärm-Runde, um den Kurs und seine tückischen Stellen kennen zu lernen. Dann dreht Jan Seyffarth auf. Die Hatz durch Kurven, Kuppen und Wannen kann beginnen. Einfach dem Rennfahrer hinterher, mit viel Gottvertrauen, egal, wohin der Weg auch führt.

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Der vielleicht härteste, aber – wenn man ihn geschafft hat – auch coolste Abschnitt liegt gleich hinter der Mausefalle. Wenn es über die Steilwand über die Bilster Kuppe und Hochsitz geht (21 Prozent Steigung), hat man das Gefühl, dass man in einem Senkrechtstarter sitzt und nicht in einem Auto. Kurz bevor sich der C 63 in den Himmel bohrt, taucht die Straße wieder auf. Und zwar mit einer schnellen Rechts-Links-Kombination. Das Zwischenstück liegt in einer Senke, also Blindflug-Modus an, geradeaus am Scheitel drüber, dann scharf links und Vollgas. Da pulsiert das Herz, da steigt das Adrenalin.

Dass das AMG-Geschoss die Rennstrecke ohne Murren aber mit viel (Motor-)Knurren bewältigt, liegt auf der Hand. Denn der neue C 63 wurde im Vergleich zum Vorgänger technisch hochgerüstet. Zwar pocht unter der Haube immer noch der gute alte Achtzylinder mit dem Doppelturbo (510 PS in der S-Variante, 0 auf 100 in 3,9 Sekunden, 700 Nm Drehmoment), aber an Getriebe und Fahrwerk wurde ordentlich gearbeitet, was man auf dem Rundkurs hier in Ostwestfalen auch merkt.

Und das ist neu beim Mercedes AMG C 63

Getriebe: Erstmals gibt es den AMG C 63 auch mit dem Neun-Gang-MCT(Multi-Clutch-Technology)Getriebe, das mit fünf verschiedenen Fahrmodi (Comfort, Sport, Sport +, Race oder Glätte) ausgestattet ist. Im Renn-Modus erfolgt der Gangwechsel noch schneller als sonst, durch die neue nasse Anfahrkupplung (Drehmomentwandler adé) reagiert das Getriebe einen Tick spontaner und dynamischer.

Differenzial: Ab sofort ist das Hinterachs-Sperrdifferenzial auch im C 63 elektronisch gesteuert. Das bringt schnellere Reaktionszeiten, mehr Agilität auf der offenen Strecke und mehr Komfort im Stadtverkehr.

Zwar pocht unter der Haube immer noch der gute alte Achtzylinder mit dem Doppelturbo, aber an Getriebe und Fahrwerk wurde ordentlich gearbeitet, was man auf dem Rundkurs hier in Ostwestfalen auch merkt.

Fahrwerk: Hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Direkt aus dem Motorsport kommt die neue AMG Traction Control. Mit ihr kann der Fahrer den Schlupf an der Hinterachse selbst regeln, wenn er vorher das ESP (die elektronische Stabilitätskontrolle) ausgeschaltet hat. Insgesamt neun Stufen stehen dem Fahrer zur Verfügung: Von Stufe 1 für Nässe (wenig Schlupf und hohe Stabilität) bis Stufe 9 für maximalen Schlupf. Damit lässt sich der C 63 noch präziser fahren, was vor allem auf der Rennstrecke interessant ist.

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AMG Dynamics: Wer auf der (sichereren) Seite sein will, lässt das ESP an, hat aber trotzdem ausreichend Fahrspaß, weil der C 63 mit AMG Dynamics ausgerüstet ist. Dieses System nutzt sowohl die vorliegenden Sensordaten (Lenkwinkel, Reib-Wert zwischen Reifen und Fahrbahn zum Beispiel) als auch das Fahrverhalten des Pkw-Lenkers. Damit sieht der C 63 quasi einen Tick weit in die Zukunft und kann in Sekundenbruchteilen schon vorher reagieren, was nicht so störend und spürbar ist wie ein nachträglicher Eingriff, auch wenn er noch so schnell erfolgt.

Optik: Am auffälligsten ist die neue Front! Nach den GT-Modellen bekommt nun auch der C 63 den Panamericana-Grill mit den senkrechten Streben und dazu noch größere durstiger wirkende Lufteinlässe. Der Heckdiffusor hinten ist wuchtiger, durch den Glanzlack sticht er besonders hervor. Im Interieur gibt es mehr Wahlmöglichkeiten beim Holz (Walnuss und Eiche), das Lenkrad ist abgeflacht und gehört schon der neuen AMG-Generation an. Auf zwei zusätzlichen Instrumenten unterhalb der Lenkspeichen lassen sich auf der linken Seite zwei Tasten je nach Gusto selbst belegen. Auf der rechten Seite ist (ähnlich wie bei Porsche) ein Drehregler für die Auswahl der Fahrprogramme montiert.

Der Heckdiffusor hinten ist wuchtiger, durch den Glanzlack sticht er besonders hervor.

Ebenfalls spannend: Dieser Golf wirkt unscheinbar, hat es aber faustdick unter der Haube.

Fazit nach Bilster Berg und ausgiebigen Fahrten über Land

Der C 63 ist kein Auto, er ist ein Biest, das man am besten zum verschärften Gassigehen ausführt, standesgemäß auf der Rennstrecke natürlich. Dabei kann der C 63 (Grundpreis bei rund 80.000 Euro) aber auch ruhig und gemütlich. Limousinengefühl und Understatement-Cruisen im besten Sinne. Ob im Viertürer, im Coupé oder Cabriolet! Noch besser jedoch im T-Modell, das als Papamobil für besser verdienende Familienväter nicht nur Ladevolumen sondern auch einen extremen Spassfaktor bietet.

Erfahren Sie hier, wie Sie Ihr Auto richtig abmelden.

Rudolf Bögel

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