Evoque: Rare Schönheit, die begeistert

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Neben jeder Menge Luxus hat der Evoque Dynamik, Komfort und Fahrspaß zu bieten. Nur ungern trennten sich Redakteurin Katrin Basaran (r.) und Tochter Victoria (l.) vom britischen Mix aus SUV und Coupé

Neben jeder Menge Luxus hat der Evoque Dynamik, Komfort und Fahrspaß zu bieten. Nur ungern trennten sich Redakteurin Katrin Basaran und ihre Tochter Victoria vom britischen Mix aus SUV und Coupé.

Es klingelt an der Tür. Draußen steht Nachbar Peter, der sonst nur selten und wenn von oben herab grüßt. Aus ihm sprudelt es: „Mensch, du hast ja einen Evoque in der Garage stehen, ich habe den noch nie live gesehen, darf ich mal anfassen?“ Nö, aber gucken. Zwei Wochen fahre ich den Range Rover, der sich noch immer rar auf Deutschlands Straßen macht.

Das war so aber keineswegs geplant: Vielmehr hat der Erfolg des Evoques den britischen Hersteller überrascht. Das Design abseits der üblichen SUV-Karossen ist ja auch gewagt: ein Mix aus Offroader und keilförmigem Coupé. Dass diese Kombination von vielen als so cool und gleichzeitig elegant empfunden würde, hatten sich die Macher wohl nicht träumen lassen. Kalkuliert wurde der Absatz daher zunächst konservativ, inzwischen wurde die Produktion angepasst. In den ersten vier Monaten dieses Jahres konnten so bereits 1787 neue Evoques an ihre neuen Besitzer übergeben werden. Dennoch beträgt die Lieferzeit noch immer zwischen vier und fünf Monaten je nach Modell und Ausstattung.

Range Rover Evoque 2,2 SD4 4WD Dynamic

Motor: 4 Zylinder
Leistung: 190 PS
Hubraum: 2179 cm3 Drehmoment: 420 Nm bei 1750 U/min
Leergewicht: 1670 kg
Kofferraumvolumen: 550/1350 Liter
Von 0 auf 100 km/h: 10,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
Verbrauch: 9,4 l (kombiniert im Test)

Preis: ab 41.700 Euro

Nachbar Peter jedenfalls wuselt mit leuchtenden Augen um den coolen Briten. „Erzähl mal.“ Unter der Motorhaube meines Testobjekts pocht ein 2,2 Liter Turbodiesel SD4 mit 190 PS. Sein Drehmoment liegt bei 420 Nm und 1750 U/min. Bemerkenswert, wie kräftig und gleichzeitig leise das Aggregat arbeitet. Dennoch bin ich nur bedingt die Erste, wenn die Ampel auf Grün springt. Aber 1670 Kilo Leergewicht wollen halt erst mal in Bewegung gesetzt werden. Ab dem zweiten Gang zieht der Lifestyler dann aber so richtig an und drückt mich samt beifahrender Tochter in die edlen Ledersitze. Bis der Evoque seine 100 km/h auf die Straße bringt, vergehen jedoch satte 10,8 Sekunden.

Mutter und Tochter fühlen sich beim Ausflug ins Münchner Umland wie die Königinnen der Landstraße. Oft bleibt der Blick anderer Verkehrsteilnehmer bewundernd hängen, auch einige Spaziergänger staunen hinterher. Uns geht‘s jedenfalls glänzend: Die erhöhte SUV-Position ist sowieso irgendwie ein Frauending, naja, und der Komfort und Luxus im Innenraum sind wunderbar: Nach allen Seiten elektrisch einstellbare Sitze, ein Panorama-Glasdach (Aufpreis 650 Euro), die zügig arbeitende Klimaautomatik, optionales Navigations- und Entertainmentschnickschnack (zum Beispiel ein Fernseher im Display, der sehr zum Ärger der Tochter aber aus Sicherheitsgründen nur bei Stillstand arbeitet). Jede Menge Assistenzsysteme, wie der von mir geschätzte Tote-Winkel-Helfer (Aufpreis 400 Euro), machen sicheres und dynamischen Cruisen möglich. Kurven schluckt der Evoque sportlich und sauber. Doch apropos Schlucken: Hier gibt‘s Frust! Trotz serienmäßigen Start-Stopps und Schaltempfehlungen sind die angegebenen 5,7 Liter auf 100 Kilometern nicht zu halten – wir pendeln uns bei stolzen 9,4 Litern kombiniert ein.

Das Cockpit: übersichtlich und beherrschbar

Obwohl die schießschartenkleine Heckscheibe beim Gedanken ans Einparken Schweißperlen erzeugt, sieht die Realität doch anders aus: Der Evoque vermittelt eine erstaunlich gute Rundumsicht, selbst beim Abbiegen im rechten Winkel kann man heranrasende Radlfahrer doch rechtzeitig orten. Wer beim Parken dennoch auf Nummer Sicher gehen will, für den gibt es die Rückfahrkamera (Technikpaket für 3800 Euro) inklusive des helfenden Piepsens der Einparkhilfe. Bleibt noch der riesige Kofferraum, der selbst größte Shopping­orgien locker verdaut. Und die riesige Schultasche der Tochter sowieso. Auch hier zeigt sich der königliche Komfort des Wagens: Per Knopfdruck lässt sich die Klappe öffnen und schließen: „Wie cool ist das denn?“, ist nun auch die Zwölfjährige restlos vom Evoque überzeugt. Nachbar Peter träumt inzwischen davon, was er alles mit seinem neuen Range Rover transportieren könnte: Die Angel­ausrüstung im Frühling, die Golfschläger im Sommer, das Zelt und das Mountainbike im Herbst, das Snowboard im Winter, die Gattin ganzjährig in die Oper. Dann fragt er lässig: „Und was soll das Baby kosten?“ Los geht’s für einen Evoque zwar bei 33.100 Euro, doch wer einen stärkeren Motor und den wunderbaren Komfort genießen will, landet schnell bei mindestens 45.000 Euro. Da schluckt Peter doch ein bisschen und zieht schließlich geknickten Hauptes von dannen. Gesehen habe ich ihn seither nicht mehr, wohl aber den einen oder anderen Evoque. Und auch wenn er nicht in meinem Budget liegt – unsere kurze Liaison bleibt unvergesslich.

Katrin Basaran

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