Ein Märchen?

Endlich am Start: der Myroad 700i

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Erlebte ein Märchen: Unser Tester Volker Pfau konnte endlich auf dem Kymco Myroad reiten.

Es war einmal – so muss die Geschichte dieses aktuellen Fahrberichts beginnen, und es mutet fast schon wie ein Märchen an, dass der Kymco Myroad 700i letztlich doch noch vor uns stand.

Bereits im Jahr 2006 war das Triebwerk präsentiert worden, dessen Eckdaten für jede Menge Vorfreude sorgten: 59 PS/43 kW sollte der flüssigkeitsgekühlte Zweizylinder mit 700 Kubikzentimetern leisten. Doch es folgten noch viele Motorradmessen, auf denen der taiwanesische Super-Scooter ausgestellt wurde. Auf der Straße ward er jedoch nicht gesehen.

Jetzt ist es so weit, der Schlüssel dreht sich im Multifunktionszündschloss, das Aggregat nimmt die Arbeit auf, und aus dem vermutlich größten Roller-Auspuff entweichen eindeutige Lebenszeichen in Form eines Soundspektrums, das, je höher die Drehzahl steigt, mächtiger und mächtiger klingt. Die Beschleunigung bleibt dann jedoch etwas hinter den akustischen Erwartungen zurück: Stattliche 292 Kilogramm Gewicht müssen hier in Bewegung gebracht werden.

Alles im Blick: Die Instrumente sind gut ablesbar und gefallen durch beste Verarbeitung.

Ist der Myroad dann aber mal in Fahrt, wirkt er gleich viel leichter. Sportlich-dynamisch kann man diese Fortbewegung aber nicht nennen, da kommen die Mitbewerber besser aus den Startblöcken. Dafür hat der Kymco etwas Einzigartiges: Als erster Scooter weltweit besitzt er elektrisch einstellbare Dämpfer vorn und hinten, die während der Fahrt mittels Knopfdruck am rechten Lenkerende zwischen soft, medium und hart geändert werden können. Im Fahrverhalten holt sich der 700i die meisten Punkte beim Geradeauslauf, Autobahn­etappen sind ein Genuss, und selbst bei der Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h bleibt er völlig ruhig.

Auf engeren Straßen dagegen wirkt er etwas schwerfällig, er kann halt die Pfunde auf den Hüften nicht verleugnen. Fahrfreude kommt vor allem beim ruhigen Schwingen auf gut ausgebauten Straßen auf. Dann lassen sich auch Verbrauchswerte von weniger als fünf Liter auf 100 Kilometer erzielen. Ansonsten fordert das Gewicht seinen Tribut, und der Myroad 700i konsumiert locker über sechs Liter, auf Vollgasetappen gar fast acht Liter auf 100 Kilometer. Da ist der ansonsten ausreichend dimensionierte 14-Liter-Tank viel zu schnell leer.

Das sicherlich beste Argument des Kymco Myroad 700i ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. 8499 Euro sind für den Maxi-Scooter fällig. Neben dem 8255 Euro teuren Honda Integra 700 ist dies das attraktivste Angebot in dieser Klasse, zumal der Roller aus Taiwan obendrein über gut ablesbare Instrumente, exzellente ABS-Bremsen, ein ausreichend dimensioniertes Staufach unter der Sitzbank und zwei weitere Fächer sowie per Hebel ausklappbare Beifahrerfußrasten verfügt. Und das ganze Zweirad mit sehr guter Verarbeitung gefällt. Das lange Warten hat sich also doch noch gelohnt, dem späten Glück steht nichts mehr im Wege.

Volker Pfau

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