Autonomes Fahren und E-Auto

Das sind die Trends auf der IAA

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Sportlich: der Nanuk des Ingolstädter Herstellers Audi

Die eierlegende Wollmilchsau der Automobilbranche ist eine Kreuzung aus einer komfortablen Limousine mit SUV-Eigenschaften und der DNA eines Sportwagens.

Angetrieben wird das Fahrzeug von einem kombinierten Brennstoff-Elektro-Hybrid-Motor. Und das Beste ist: Es fährt vollständig allein, wenn der Fahrer müde ist, keine Lust hat oder ein Gläschen zu viel getrunken hat. Sie glauben, das ist eine Zukunftsvision? Dann sollten Sie zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) nach Frankfurt gehen (von 12. bis 22. September) oder diesen Artikel lesen. Wir haben uns umgesehen und die neuesten Trends der Autobauer aufgespürt:

Autonomes fahren?

Hier gebührt Mercedes Benz offensichtlich ein echter Stern. Mit einem sehr seriennahen S-Klassen-Fahrzeug, das mit acht Radarsystemen und drei Kameras ausgestattet war, gelang es den Technikern eine 103 Kilometer lange Strecke, jeweils zur Hälfte in der Stadt und die andere Hälfte über Land, zurückzulegen ganz ohne, dass der Fahrer lenken, Gas geben oder bremsen musste.

„Die erste Benzinkutsche hat die Pferde abgeschafft, bei dieser S-Klasse wird der Chauffeur abgeschafft“, sagte Mercedes-Boss Dieter Zetsche, der sich bei der Vorstellung der Technologie tatsächlich in einer S-Klasse im Fond sitzend und ganz ohne Fahrer auf die Bühne chauffieren ließ. Noch ist dieses Auto Zukunftsmusik, denn neben technischen Details fehlt auch noch eine Gesetzesgrundlage für autonomes Fahren.

Aber in bestimmten Bereichen ist teilautonomes Fahren jetzt schon Realität. Sowohl die Stuttgarter Autobauer als auch Audi beispielsweise haben bereits elektronische Assistenten mit an Bord, die im Stop-and-go-Verkehr übernehmen.

Alles SUV?

Mercedes GLA

Es wächst und wächst und wächst, das Segment der geländegängigen höhergelegten Fahrzeugklasse. Mit dem GLA , einer echten IAA-Weltpremiere, bringt Mercedes jetzt den fünften SUV auf den Markt. Schon jetzt werden jährlich weltweit eine Million Autos in diesem Segment verkauft, am Ende des Jahrzehnts sollen es 2,6 Millionen sein. Und da will auch Mercedes seinen Anteil haben. Schick ist er jedenfalls der GLA und soll ebenso wie A-Klasse, B-Klasse und CLA das Konzernergebnis steigern.

Ach ja: Auch Jaguar will im SUV-Segment mitmischen. Die Studie C-X-17 tritt in der Audi-Q5-Klasse an, ab 2015 soll sie in Serie gehen. Verwundert ist man trotzdem. Schließlich baut im gleichen Konzern Land Rover ja schon höchst erfolgreiche SUVs.

SUV oder SAV oder was?

Gekreuzt wird in der Autobranche fast alles, was geht. Gab es früher neben Limousine noch Kombi und allenfalls ein Coupé, so sind mittlerweile fast alle Fahrzeugvarianten denkbar. Mit dem Nanuk stellt Audi beispielsweise jetzt ein Concept-Car vor, das sowohl Supersportwagen ist, aber auch SUV(Sports Utility Vehicle)- oder SAV(Sports Activity Vehicle)-Eigenschaften hat. Optisch gelungen ist die Studie jedenfalls schon, die mit der VW-Tochter Italdesign entwickelt wurde. Und wenn der V-10-Bolide mit seinen 544 PS, 1000 Newtonmeter Drehmoment (3,8 Sekunden von 0 auf 100, Verbrauch 7,8 Liter) tatsächlich kommt, dann kann das Fahrgerät genauso gut beim Schaufahren auf der Leo­poldstraße eingesetzt werden wie beim Trip über Stock und Stein.

Branche unter Spannung

Der Smart Fourjoy präsentiert sich auf der IAA im futuristischen Design

Die Deutschen laden nach! Neben der großen Elektrooffensive von BMW, steht nun auch der Volkswagen-Konzern unter Strom. Mit dem E-Up und dem Elektro-Golf gehen gleich zwei Neue an den Start. Zwar ist der Massenmarkt für diese Fahrzeuge noch nicht ganz reif, aber dabei sein ist zunächst alles. BMW allerdings meint seine i-Offensive ganz ernst. Mit dem i3, der im Gegensatz zur Konkurrenz nicht nur ein bereits existierendes Auto mit einem neuen Elektroantrieb, sondern eine komplette Neuentwicklung ist, möchten die Münchner Autobauer den Markt aufmischen. Aus Freude am Fahren und am Sparen, könnte das Motto heißen. Wie ernst es BMW ist sieht man auch daran: Der visionäre Sportwagen i8, bei der letzten IAA 2011 erstmalig als Konzeptauto vorgestellt, steht hier nun als Serienfahrzeug. Allerdings läuft er nicht vollelektrisch, sondern ist ein waschechter Hybrid. Womit der i8 zwei weitere Trends markiert.

Die Hybridsportler und die neuen Dreiliterautos

Denn der i8, ausgestattet mit einem Elektromotor (131 PS) und einem Doppelturbobenziner mit 3 Zylindern, 1,5 Litern Hubraum und 231 PS, spurtet in mehr als ordentlichen 4,4 Sekunden von null auf hundert, und soll aber im Schnitt nur 2,5 Liter brauchen. Da muss er auch sparsam sein, so kann man zumindest die etwas höheren Anschaffungskosten von 126 000 Euro ein wenig refinanzieren.

Da kann der eigentliche Star der diesjährigen IAA, der Porsche 918 Spyder aber locker noch eins drauflegen. Zunächst aber hat er das gleiche Motorenprinzip. Hier wird verbrannt (V8-Mittelmotor, 4,6 Liter) und dort wird elektronisch geboostet (zwei Elektromotoren jeweils an Vorder- und Hinterachse). Macht eine Systemleistung von 887 PS, ein Drehmoment von sagenhaften 1280 Nm und eine für Experten fast schon unglaubliche Zeit von knapp unter sieben (!!) Minuten auf der Nordschleife des Nürburgrings. Kosten wird der 918er, der auf 918 Exemplare limitiert ist, die stattliche Summe von 768.023 Euro. Der Verbrauch von 3,3 Litern ist in dieser Preisklasse sicher kein ausschlaggebendes Kaufargument mehr.

Dennoch: Verblüffend ist es schon, wie vor allem leistungsstarke aber auch komfortable Luxusschiffe mittlerweile bei Verbrauchswerten um die drei Liter angelangt sind. Das gilt auch für die neue Mercedes S-Klasse hybrid, die ebenfalls Weltpremiere in Frankfurt feierte. Drei Liter Kraftstoff und nur 0,69 g CO2 soll das edle Gefährt brauchen. Zetsche nennt dies „green luxury“, womit wir wieder bei der eierlegenden Wollmilchsau der Autoindustrie sind. Apropos: Eine neue Variante bringt Toyota ab 2015 ins Spiel. Dann soll ein Brennstoffzellen-Hybrid als Serienfahrzeug auf den Markt kommen. Toyota wirbt damit, dass es den Entwicklern gelungen ist, einen Wasserstoffantrieb zu bauen, der Reichweite und Fahrleistungen auf dem Niveau der heutigen Verbrennungsmotoren bietet – aber keine Schadstoffe mehr freisetzt. ´

IAA 2013: Lust auf Glamour und PS

IAA 2013: Lust auf Glamour und PS 

Wir dürfen auf die nächste IAA, die genau wieder in zwei Jahren, also 2015 sein wird, gespannt sein. Übrigens: Alle neuen Modelle werden in der Wochenendausgabe vorgestellt.

Rudolf Bögel

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