Studie: Vorliebe für PS-starke Autos nimmt zu

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Deutsche haben laut einer Untersuchung eine Vorliebe für Kraftprotze. Der Porsche Boxster S leistet 315 PS (232 kW). Von Null auf Tempo 100 spurtet der Wagen in 5,0 Sekunden; 8,0 Liter Verbrauch.

Essen - Das Jammern über Spritpreise ist groß, doch warum nur? Deutsche Autofahrer kaufen Neuwagen mit viel Wumms unter der Haube. Der Trend zu mehr PS ist, laut einer neuen Studie, kaum zu stoppen. 

Trotz steigender Spritpreise kaufen deutsche Autofahrer immer leistungsstärkere Neuwagen. Nach einer Studie des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer hatten im ersten Halbjahr gekaufte Neuwagen im Schnitt 138 PS unter der Motorhaube. Das waren drei PS mehr als im vergangenen Jahr. (2010 waren es im Schnitt 129,8 PS) Die Motorstärke des durchschnittlichen neuen Autos sei auf einen neuen Höchstwert gestiegen, heißt es in der am Dienstag in Essen veröffentlichte Studie. „Auch höhere Treibstoffpreise stoppen das PS-Rennen nicht“, stellt Dudenhöffer darin fest.

Hoher Spritpreis kann PS-Rennen nicht stoppen

Der Trend zu steigenden PS-Zahlen gehe trotz Umweltdiskussion und steigenden Spritpreisen weiter. Es zeige sich, dass deutsche Autofahrer so gut wie nicht auf Treibstoffpreise reagierten. „Die Nachfrage nach Treibstoff ist starr“, erklärte Dudenhöffer. Ein Ende des PS-Rennens bei Neuwagen sei nicht erkennbar. Es sei notwendig, dass die EU-Kommission mit deutlichen Klimazielen dem Fahrzeugmarkt einen Rahmen gebe.

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Die Studie geht der durchschnittlichen Motorleistung bis zum Jahr 1995 nach. Damals hatte der normale Neuwagen noch 95 PS unter der Haube. Mittlerweile sind es mit 138 PS im Schnitt 45 Prozent mehr. Seit 1995 sank die durchschnittliche Leistung neuer deutscher Autos nur einmal. 2009 im Jahr der Abwrackprämie ging die PS-Zahl von zuvor 131 auf im Schnitt 118 zurück.

Dieselfahrzeuge haben im Schnitt 154 PS

Ein wichtiger Grund für die höhere Leistungsstärke der im ersten Halbjahr gekauften Neuwagen ist laut Dudenhöffer die vermehrte Anschaffung von Dieselfahrzeugen. Ein neuer Diesel bringe derzeit im Schnitt 154 PS auf die Straße, bei einem neuen Benziner seien es 122 PS.

Bei den Automarken liegt Porsche mit einer Durchschnittsleistung des Neuwagens von 323 PS an der Spitze, vor Jaguar, Land Rover und Jeep. Unter den Volumenherstellern habe Opel die Leistung am stärksten erhöht, um 5 PS binnen fünf Jahre auf 126 PS. Opel liege damit nun vor VW mit im Schnitt 124 PS. „Toyota und Honda sind die einzigen Autobauer im Volumenmarkt, die sich in den letzten fünf Jahren nicht am PS-Rennen bei den Neuwagen beteiligt haben“, stellt der Autoexperte fest.

Der neue Porsche Boxster

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Mehr PS müssten nicht unbedingt zu einem höheren Verbrauch führen, da neue Motorgenerationen den Verbrauch bei gleicher PS-Zahl bis zu 15 Prozent senken könnten. Der Weg, mit weniger PS Verbesserungen des CO-2-Ausstoßes zu erreichen, sei aber bei deutschen Autofahrern nicht wirklich beliebt, meint Dudenhöffer.

Über die Studie hatte das „Handelsblatt“ am Montagabend vorab berichtet.

dapd

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