Erste Fahreindrücke und großer Check

Golf VII: Er golft und golft und golft

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Schärferes Profil: Länger und flacher als sein Vorgänger wirkt er dynamischer.

VW bringt den neuen Golf auf den Markt. Auf die siebte Version hat die Autowelt gespannt gewartet. Jetzt ist er da. Wir haben den Golf Probe gefahren. Hier die erste Fahreindrücke:

Wenn es um den Golf geht, dann werden die Wolfsburger Autobauer gerne grundsätzlich. „Der Golf“, sagt Konzernchef Martin Winterkorn, „ist das wichtigste Auto von VW bei Absatz, Rendite und auch als Markenbotschafter. Der Golf ist der Kern und die Substanz von Volkswagen!“ 29 Millionen wurden seit dem Start 1974 verkauft, die Version 7 wird ab Anfang November ausgeliefert, zur Stunde gibt es 15.000 Vorbestellungen. Ob sich die Kunden schon mal freuen können? Wir haben den Golf Probe gefahren. Unsere Eindrücke:

Design 

Große Klappe: Der Kofferraum fasst bis zu 1270 Liter

Das niedersächsische Paar entdeckt den Neuen im Hafen von Porto Cervo (Sardinien). Auf dessen Bitten lassen wir die beiden Probe sitzen, das Leihauto hat Rückenprobleme verursacht. Bequem machen und dann der erste Kommentar: „Von außen tut sich ja nicht so viel, aber innen ist er richtig schick!“ Es stimmt: Ein Golf ist ein Golf, und bleibt auch ein Golf. Zunächst, denn auf den zweiten Blick entdeckt man ein viel schärferes Profil als bislang. Hat man erst mal die schmale Dachlinie mit der Lichtkante gesehen, hat man erst einmal die auffällige Charakterlinie rund um das Auto genau studiert, stellt man fest: Der Golf ist in der Tat dynamischer und knackiger geworden. Man kann es auch so formulieren, wie der Urvater des Golfs, der italienische Design-Papst Giorgio Giugiaro: „Mit dem Golf habe ich vor 38 Jahren ein hübsches Mädchen erschaffen, jetzt ist aus ihr eine schöne Frau geworden!“

Gehobene Mittelklasse: Das übersichtliche und schön designte Cockpit freut Ästheten und Pragmatiker

VW-Chefdesinger Walter de Silva meint. „Ein Golf ist wie eine klassische Komposition. Es ist immer die gleiche Musik, aber verschiedene Interpretationen sind möglich!“ Wie dem auch sei: Mag man bei der Außenhaut noch geteilter Meinung sein, beim Innenleben des Golfs gibt es keinen Interpretationsspielraum: Es ist unbestritten moderner geworden und schön. Dominierte bislang die kühle und nüchterne Optik des Technikers, so ist der neue Golf richtig elegant und fast schon mondän (natürlich vor allem in den höheren Ausstattungsvarianten). Das Cockpit ist zwar immer noch sachlich, aber die Klavierlackfarbe in Kombination mit Chrom-Elementen und das fast schon schwebende Armaturenbrett machen mindestens auf gehobene Mittelklasse. Und noch etwas fällt auf: Die Dreiecksscheibe neben den Seitenspiegeln. Die ist ganz neu und eigentlich auch schick. Die Putzfrau in uns stöhnt auf: Wie soll man in den schwer zugänglichen Winkel kommen, wie soll man das nur sauberkriegen? Der Ästhet findet’s einfach gut.

Die Ausmaße

Das Auto für Millionen ist im Vergleich zum Vorgänger um 60 Millimeter länger geworden, um 30 Millimeter flacher, das Vorderrad ist ein Stück nach vorne gerückt. Das bringt mehr Platz und beim Aussehen mehr Dynamik. Im Vergleich zum ersten Golf ist das Auto insgesamt um 42 Millimeter in der Höhe, um 180 Millimeter in der Breite und um 550 Millimeter, also über einem halben Meter, in der Länge gewachsen.

Motoren + Verbrauch

Wir haben zwei Motoren getestet. Zuerst einmal den Benziner, den 1,4 TSI mit 140 PS. Erstaunlich was das kleine Aggregat für eine Power entwickelt (null auf 100 in 8,4 Sekunden). Mehr muss nicht sein, mehr braucht man meistens nicht. Die Laufruhe ist gut, die Zylinderabschaltung ACT funktioniert reibungslos. Und wenn man noch so genau hinhört – man merkt das Ab- und wieder Zuschalten nicht. Das Gleiten auf zwei Zylindern soll 0,5 Liter Ersparnis auf 100 Kilometer bringen. Unser Testverbrauch lag bei 6,6 Liter. Ordentlich für ein Auto mit so viel Spaßfaktor, wenn auch nicht gerade weltmeisterlich! Angegeben werden von VW 4,7 Liter.

Noch mehr Vergnügen bringt der 2,0 TDI auf die Straße. Mit seinen 150 PS, einem Drehmoment von 320 Newtonmetern und einem Sprint von null auf 100 in 8,6 Sekunden liegt der Diesel fast auf Augenhöhe mit den früheren GTI. Den versprochenen Normverbrauch von 4,1 Litern bekommt man bei so viel Temperament natürlich nicht hin. 6,8 Liter sind es bei der ausgiebigen Testfahrt durch die hügelige Landschaft. Und: Man hört aus dem Motorraum, dass man Diesel fährt! Schön für die Nostalgiker unter uns.

Fahrwerk + Fahrkomfort

Das adaptive Fahrwerk DCC wurde ein wenig geschärft und bietet jetzt vier verschiedene voreingestellte Situationen. Stufe Normal fühlt sich schon relativ hart an, wer das Gefühl einer Sänfte auf vier Rädern haben will, muss auf Komfort gehen. Im Sport-Modus bewegt sich der Golf wie ein GTI und bei ECO werden die Sparbemühungen gleich im Display mitgeteilt. Wem diese Variantenbreite zu grobschlächtig erscheint, der kann auch auf der Stufe Individuell sein ganz persönliches Profil hinterlegen. Sollten Sie im neuen Golf Platz nehmen und es kommt Ihnen so vor, als ob der Schaltknüppel ein wenig höher liegt als sonst – genau gesagt um 20 Millimeter – dann trügt dieses Gefühl nicht: Als Konzession an die asiatischen Körpermaße (zum Beispiel kürzere Arme) wurde die Mittelkonsole eben ein wenig geliftet. Ansonsten ist alles bequem und übersichtlich wie ehedem.

Die Assistenzsysteme

Oberklasse in der Mittelklasse. Für den Golf ist fast alles zu haben, was der VW-Konzern zu bieten hat.

  • Das vorausschauende Anti-Kollissions-System ACC zum Beispiel mit Stop- und Go-Funktion auch im Stau.
  • Der lernende Lane Assist, der angeblich die Eigenheiten des Fahrers studiert und dann eine individuelle Fahrlinie anbietet.
  • Die Multikollissionsbremse, die den zweiten Aufprall nach der Erstkollission (immerhin rund 25 Prozent der Unfälle) abfangen soll. Ein Novum übrigens auf dem Markt.

Schöne neue elektronische Welt, die einst mit dem ABS anfing und die jetzt dort endet, wo man den Fahrer gerade noch selbst braucht.

Der Kofferraum

Mit 1270 Litern im umgeklappten Zustand und einer Länge von 2,40 Metern sowie einer Ladekante von 66,5 Zentimetern riskiert der Wolfsburger eine große Klappe. Der Gag dabei: Die Hutablage verschwindet unter der Bodenabdeckung. Technikvorstand Ulrich Hackenberg zeigt auch gleich, wozu der Kofferraum fähig ist. „Wenn ich ein Auto baue, dann passen da zwei Golfbags rein, und zwar quer!“ Sprach’s und holt aus dem Golf zwei Golftaschen heraus.

"Lieblingsauto der Europäer" - Das ist der neue Golf

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Die Preise

Der Golf kostet so viel wie sein Vorgänger: Start ist bei 16.975 Euro. Dafür hat er aber schon ein paar Extras mehr an Bord. Stolz ist man bei den Wolfsburgern auf die Preisgestaltung bei den Assistenzsystemen. „Die Demokratisierung der Technik“, wie man sich ausdrückt, sieht so aus: Das Abstands- und Frühwarnsystem ACC kostet 555 Euro, der Lane-Assist 505 Euro, die Rückfahrkamera 280 Euro und der Müdigkeitswarner nur 70 Euro. Dennoch bei entsprechendem Motor und entsprechender Freude am Detail kann ein Golf schon mal über 40.000 Euro kosten.

Damit sind wir bei der Meckerecke

Rudolf Bögel ist den neuen Golf schon mal Probe gefahren.

Die angeblich stufenlose Türöffnung hat mindestens eine Stufe. Und die hinteren Fenster versenken sich immer noch nicht komplett im Türrahmen. Lässiges Armanwinkeln auf den billigeren Rängen? Nicht möglich!

Ausblick

Das Jahr 2013 soll bei Volkswagen das Jahr des Golfs werden. Der stärkste GTI mit circa 220 PS kommt, der GTD mit knapp 190 PS ist angekündigt, eine Blue-Motion-Ausgabe ebenso, der Variant, ein Elektro-Golf, ein Plug-In-Hybrid, ein Gas-Golf und die Plus-Variante sollen nächstes Jahr und zum Teil auch 2014 ebenfalls auf den Markt.

Das Fazit

Der schönste Golf aller Zeiten, mit knackigen Motoren und einem dem Golf GTI fast ebenbürtigen Fahrwerk. Das alles hat natürlich seinen Preis. Auf der anderen Seite: Das war noch nie anders. Ein Golf bleibt ein Golf, weil die Kunden schließlich nichts anderes haben wollen als einen Golf.

Rudolf Bögel

Wie die Zeit vergeht! Mit dem VW Golf...

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