Van zum kleinen Preis

Dacia Lodgy: Raumriese mit Schwächen

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Autor Michael Brommer testete den Dacia Lodgy

Dacia – das bedeutet viel Auto für vergleichsweise wenig Geld. Und die Zeiten, in denen man sich dafür mit Leichenwagendesign à la Logan begnügen musste, scheinen vorbei.

Dacia Lodgy: Mäßig verarbeitet und Abstriche bei der Sicherheit. Doch bereits ab Werk sind Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie das elektroni­sche Stabilitätsprogramm ESP an Bord.

Der völlig neu entwickelte Lodgy macht eine – für klobige Van-Verhältnisse – gute Figur. Der Einstiegspreis des siebensitzigen Familienautos klingt spektakulär: 9.990 Euro. Zum Vergleich: der ebenfalls preisgünstige Kia Venga kostet in der Basisversion schon 13.990 Euro. Die Lodgy-Einstiegsvariante ist freilich arg puristisch ausgestattet, nicht einmal höhenverstellbare Gurte sind da drin, immerhin ist aber der Antischleuderschutz ESP ebenso serienmäßig wie die Front- und Seitenairbags. Komfortabler dran ist man mit unserem Testwagen: dem Lodgy Lauréate, der zweithöchsten von vier Ausstattungsstufen, der u. a. mit Bordcomputer (leider ohne die im Alltag sehr sinnvolle Außentemperaturanzeige), elektrisch einstellbaren Außenspiegeln und einer manuellen, erstaunlich rasch runterkühlenden Klimaanlage bestückt ist, und dank zweier Zusatzextras (16-Zoll-Alufelgen: 600 Euro; Navi, kinderleicht zu bedienen, nur leider ohne Stauumfahrung: 430 Euro) mit 16.520 Euro zu Buche schlägt. Eine Einparkhilfe für 200 Euro wäre überdies jedem zu empfehlen bei einer Fahrzeuglänge von fast 4,5 Metern.

Das Ambiente im Cockpit im 4,50 Meter langen Riesen könnte hochwertiger sein.

Wer noch nie in einem Van gesessen ist, der wird sich hier wie im Land der Riesen vorkommen: das leider billig wirkende und sehr kratzempfindliche Armaturenbrett ist gewaltig breit wie tief, der Weg zur Handbremse misst eine volle Armlänge, im Fonds bleibt bei installierten Kindersitzen auf den Außenplätzen noch in der Mitte bequem Raum für einen Erwachsenen. Und selbst hinter der zweiten Fondssitzreihe, die aus zwei etwas hakelig zu bewegenden Einzelsitzen besteht, hat man immer noch 207 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Baut man die dritte Sitzreihe aus, blickt man in die Weite von 827 Litern (2617 Liter, wenn man die zwei Drittel zu einem Drittel geteilte Rücksitzbank nach vorne umklappt). Aber Vorsicht beim Öffnen der schweren Heckklappe – besser einen Schritt zurücktreten, sonst erwischt sie einen beim Aufschwingen.

Dacia Lodgy dCi 110

Leistung: 107 PS
Drehm.: 240 Nm/1750 Umin
Höchstgeschw.: 175 km/h
0 auf 100 km/h: 11,3 sek.
Hubraum: 1461 ccm
Verbrauch EU Drittelmix:
5,4 l/100km (im Test)
Tankinhalt: 50 Liter
Leergewicht: 1306 kg
Kofferraumvolumen: 207–2617 l
Basispreis: 16.290 Euro
Testwagen: 16.520 Euro

Platz also satt, gepaart mit einer guten (Rundum-) Sicht. Lässt man den Motor an, in unserem Fall den genügsamen 107-PS-Diesel (laut Werk 4,4 Liter/100 km, wir haben rund einen Liter mehr gebraucht), zeigt sich sofort die angenehm niedrige Geräuschkulisse. Kein Brummen, kein Vibrieren stören das Dahingleiten mit dem sechsgängigen Triebwerk. Kurze Schaltwege erleichtern die früh möglichen Gangwechsel. Und wenn man etwas schaltfreudiger ist, dann kann man den Lodgy auch durchaus sportlicher um die Ecken bewegen, was dank des früh und beherzt zubeißenden ESP auch ungefährlich ist.
Da haben die Dacia-Ingenieure die Schwächen ihrer Neukreation gut im Blick gehabt. Denn die Fahrlage des Autos ist weit weniger stabil, als man es bei einem Wagen dieser Größe erwarten darf. Gerade auf der Autobahn, wenn man schneller als 130 km/h fährt oder mal zügiger in Kurven einlenkt, muss man schon bei der Sache sein, dass der Wagen die gewählte Linie hält. Zu diesem Eindruck trägt auch die schwammige Lenkung bei, die sich die Renault-Tochter bei einem zehn Jahre alten Clio abgeschaut haben könnte. Zum Unfall, der möglicherweise Folge des toten Winkels im Seitenspiegel sein kann, sollte es besser ohnehin nicht kommen, denn der ADAC konnte dem Lodgy nur drei von fünf Sternen beim Crashtest zubilligen.

Fazit

Der nur mäßig verarbeitete Lodgy weiß mit seinen Stärken zu punkten: viel Platz für wenig Geld. Dass dabei auch bei der (Crash-)Sicherheit gespart wurde, ist ein Unding und sollte schnell behoben werden. Denn ansonsten ist der Riese als Familiengefährt(e) durchaus geeignet.

Michael Brommer

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