Auto: LEDs fürs Cockpit 

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Mehr als nur beleuchtete Armaturen: LEDs im Innenraum sollen es den Augen bei Nachtfahrten leichter machen, sich an helle Außenlichter zu gewöhnen.

Hochwertig, nachhaltig und federleicht: So präsentierte sich das Auto der Zukunft, vor allem im Innenraum. Auf der diesjährigen INTERauto sind die neusten Trends zu sehen. 

Dabei setzen die Hersteller auf die Hilfe der Natur, um Gewicht und Sprit zu sparen.

Weniger Spritverbrauch bei gleichem Komfort - das ist ein Trend in der Automobilbranche, der sich auch bei der INTERauto 2010 zeigte. Bei der Messe in Köln stand Anfang Dezember der Fahrzeuginnenraum im Fokus. “Leicht und energiesparend“ war nach Angaben der Messeveranstalter auch beim Interieur das Motto.

Nur zwölf Kilo soll dieser Recaro-Sitz wiegen und laut Hersteller so stabil sein wie ein Reptilienpanzer.

Als Paradebeispiel zeigte der Automobilzulieferer und Textilspezialist Strähle + Hess das Konzeptfahrzeug Nios, für das er gemeinsam mit Studenten verschiedener Hochschulen den Fahrzeug-Innenraum entwickelt hat. Der Zweisitzer wiegt insgesamt nur 210 Kilo. Erreicht wurde das unter anderem mit Hilfe der den Angaben zufolge “leichtesten Naturfaser der Welt“ bei der Konstruktion des Innenraums. Das in den Tropen wachsende Facalis hat weitere Vorteile: Es ist wasserabweisend und atmungsaktiv. Neben Sitzen, Verkleidung, Lüftung und Kofferraum kommt die Naturfaser bei den Armaturen des Nios zum Einsatz.

Das geringe Gewicht des Innenraums sei positiv für die Ökobilanz des gesamten Autos, erläutert der Produktentwickler Armin Scheugenpflug. Denn der Kraftstoffbedarf werde durch die Gewichtsreduktion deutlich gezügelt. Strähle + Hess-Designerin Julia Müller ist überzeugt davon, dass der Nios auch vom Kunden gut angenommen würde: “Der Verbraucher will guten Gewissens Auto fahren.“ Eine nachhaltige Innenraumgestaltung könne da nur von Vorteil sein.

Auch Sitzspezialist Recaro glaubt zu wissen, was die zukünftige Generation der Autofahrer von ihren Fahrzeugen erwartet: Umweltfreundlich sollen sie sein und leicht zu bedienen. Mit seinem neuen Pure-Seating-Konzept versucht der Hersteller, diesen Annahmen gerecht zu werden - ebenfalls durch Leichtbau. “Das Zielgewicht des neuen Autositzes liegt bei 12 im Vergleich zu 20 bis 25 Kilogramm bei einem herkömmlichen Kleinwagensitz.“ Jedes Kilo mehr koste den Verbraucher mehr Sprit, argumentiert der Entwicklungsleiter Max Riedel.

Der Sitz wurde auf eine einteilige, leichte und ergonomisch geformte Schale reduziert. Zum Abspecken gehört auch der Verzicht auf Sitzpads. Den Entwicklern half der Blick in die Tierwelt: Sie nahmen sich die Stabilität von Reptilienpanzern und den Leichtbau eines Vogelknochens zum Vorbild. Belüftungsschlitze im Sitz sind Kiemen nachempfunden.

Als ideales Einsatzgebiet für das leichtgewichtige Gestühl macht Riedel den “Großstadtdschungel“ aus - etwa bei Carsharing-Anbietern. Pure-Seating-Sitze ließen sich schnell und einfach an verschiedene Personen anpassen. Eine spezielle Mechanik erlaube mit einem einzigen Handgriff das Einstellen der individuellen Sitzposition. Recaro will die Sitze zum Preis konventioneller Kleinwagensitze produzieren.

Bei aller Vernunft darf auch der Wohlfühlfaktor nicht zu kurz kommen. Auch das ist eine Botschaft der INTERauto. So hat Recaro seinen neuen Sitzen Lichtelemente in Form von energieeffizienten LEDs verpasst. Dass Innenraumgestaltung immer mit Ambiente zu tun hat, weiß auch der Beleuchtungsspezialist Hella und konzentriert sich deshalb verstärkt auf den Bereich “Ambiente Beleuchtung“.

Durch die wahlweise in vielen unterschiedlichen Farben gedämpft leuchtenden LEDs soll eine entspannte Atmosphäre geschaffen und zugleich die Orientierung im Fahrzeug erleichtert werden. So versucht Hella den Spagat von Ästhetik und Funktion zum Beispiel beim “welcome light“, das jeweils auf die Wünsche des Autoherstellers abgestimmt werden kann. Beim Öffnen der Tür wäre zum Beispiel eine Ausleuchtung in einem freundlichen Rot- oder Orangeton vorstellbar, die dann beim Türschließen und Motorstarten in eine bläuliche Grundbeleuchtung übergeht, erläutert Rene Berthold, verantwortlich für die Designentwicklung bei Hella.

Durch die dezente, aber dauerhafte Innenraumbeleuchtung verringere sich außerdem die Anpassungszeit des Auges an helle Außenlichter, erklärt der Industriedesigner. Und die Ermüdungswahrscheinlichkeit werde geringer. Bisher gab es eine Beleuchtung dieser Art nur in Luxusautos. Der Trend gehe nun aber auch auf günstigere Modelle über, sagt Berthold. Der Farbauswahl der Beleuchtung seien dabei nahezu keine Grenzen gesetzt, sie müsse aber momentan noch im Vorhinein vom Hersteller festgelegt werden. Hin- und Herschalten zwischen den verschiedenfarbigen Lichtern ist also zumindest bei Hella zurzeit noch Zukunftsmusik im automobilen Interieur.

Nike Zafiris, dpa

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