WDR zeigt sein Projekt „Ein Tag Leben in NRW“

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Mal flüchtig, mal ergreifend zeigt der WDR-Film Momente eines Tages. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ Es gibt sie noch, die ungewöhnlichen Fernsehexperimente. Der Westdeutsche Rundfunk hat seine Zuschauer aufgerufen, einen Tag, den 30. April 2012, festzuhalten und den Film einzusenden. 3500 Einsendungen gab es. Das Ergebnis präsentiert der WDR als Internetseite, als Hörspiel und als einen sehr besonderen Film. Luzia Schmid montierte aus 180 Einsendungen „Ein Tag Leben in NRW“.

Mit der Wirklichkeit wird hier anders umgegangen als in Reality Shows und Pleiten-Videos. Der Film reiht nicht einfach Amateurvideos aneinander. Die Regisseurin komponiert einen Tagesablauf vom Aufstehen bis zum Licht-Ausschalten, nur mit den Originaltönen und aufgespielter Musik, ohne Kommentar. Der Film ist trotz den vielen Schnitten sehr ruhig und in seiner Montage ähnlicher Motive kunstvoll. Hier wird nicht alles auf den schnellen Lacher zugespitzt. Man lacht nicht auf Kosten derjenigen, die sich präsentieren. Selbst Bernd Grode aus Castrop-Rauxel, der jede Szene wie ein Hollywood-Regisseur einleitet: „14, 4, die vierte: Das gemeinsame Frühstück“, und dann mit einem hörbar auswendig gelernten Spruch den „besonders guten Kaffee“ lobt, wirkt authentisch und liebenswert.

Höhen und Tiefen des Lebens begegnen einem. Vom Kloster springen wir in die Backstube, vom Jogger mit Hündin „Smilla“ zum 92-Jährigen, der Herztabletten vorzeigt. Die Familie singt der kleinen Ida ein Geburtstagslied. Vor einem unscharfen Fensterblick hören wir einer Frau zu, der eine Freundin gerade die Krebsdiagnose mitteilt. Ein verschmitzter Studiendirektor fährt mit dem Kleinmoped seit 30 Jahren zur Schule. Ein Bettler zeigt einem Kiosk-Besitzer das blutunterlaufene Auge, das ihm ein Schläger verpasste. Es wird gearbeitet, geheiratet und gefeiert, zum Beispiel beim Technofestival „Mayday“ in Dortmund.

Inspiriert wurde der WDR durch das britische Internet-Filmprojekt „Life in a Day“ von 2010. Auch der NDR sucht übrigens den Alltag seiner Zuschauer auf: Am 10. November zeigt er den „Tag der Norddeutschen. Da allerdings führen professionelle Teams die Kamera.

WDR-Fernsehen, 20.15 Uhr,

http://www.eintagleben.de

Quelle: wa.de

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