Zeichnungen von Ernst Meister im Landesmuseum Münster

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Eine Zeichnung von Ernst Meister (Gouache, Tusche, Deckweiß), ohne Titel, o. J., zu sehen in Münster. ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–„Malen und Schreiben gehören für mich zum Abenteuer des Lebens …“, sagte Ernst Meister, der als Dichter bekannt ist, als Maler noch auf seine Entdeckung wartet. Insgesamt hat er ein grafisches Werk hinterlassen, das mehr als 1000 Papierarbeiten umfasst. Wobei die Bilder keine Illustrationen zu Gedichten sind, sondern ein eigenständiges Werk darstellen. Etwa 400 von ihnen befinden sich als Dauerleihgabe der NRW-Stiftung im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster.

Rund fünfzig Aquarelle, Pastell- und Farbstiftzeichnungen sind nun in einer Studioausstellung anlässlich Meisters 100. Geburtstags zu sehen. Die Werke des 1979 verstorbenen Hagener Schriftstellers stammen aus der Zeit zwischen 1930 bis in die späten 70er Jahre und werden präsentiert mit einigen Handschriften und Fotos.

Viele Schriftsteller haben gemalt. Edgar Allan Poe, Victor Hugo, Franz Kafka, bis hin zu Hermann Hesse und Günter Grass. Die US-amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith erklärte die häufig vorkommende Doppelbegabung so: „Alle Künste sind ein- und dieselbe Kunst – selbst Ballett ist eine Art des Geschichtenerzählens“.

Das älteste Bild der Ausstellung ist ein Selbstporträt (um 1930) und stellt den Künstler mit ernstem Gesicht und der typisch verstrubbelten Frisur dar. Bis in die 50er Jahre hinein bleiben Meisters Werke gegenständlich geprägt und von Kandinsky, Klee und Nay beeinflusst. So zeigt ein undatiertes Aquarell drei schlanke Vasen mit jeweils einer einzelnen Blume. Durch das grüne Glas schimmert ein grünes Gesicht.

Meister setzte sich mit den künstlerischen Entwicklungen seiner Zeit auseinander und pflegte Freundschaften zu Malern wie Emil Schumacher und Wilhelm Wessel. So wandte er sich in den 60er Jahren dem Informel zu und schuf abstrakte Werke, die in der Farbe oft zurückhaltend waren. So erinnern einige der Aquarelle auf Raufasertapete an Höhlenmalereien. Körperumrisse werden angedeutet, verwischte Linien und schwache Farbverläufe sind zu sehen.

Eine Werkgruppe aus den frühen Siebzigern wirkt mit schwungvollen schwarzen Linien sehr kalligrafisch. Überhaupt spielt die Linie in Meisters grafischem Werk eine große Rolle. Besonders deutlich wird das an einer Filzstiftzeichnung aus 1971, mit der der Künstler seinen Eindruck der italienischen Stadt Montegrotto festhält. In horizontalen Linien scheinen sich Häuser, Straßen, Brücken und Gleise übereinander zu türmen. Die Linien wirken hastig auf das Blatt geworfen und geben dem Bild seine vibrierende Spannung.

Meister reiste viel und gern, nach Frankreich, Italien, Spanien, Kroatien und 1970 nach Norwegen. Seine malerischen Reiseimpressionen gehören zu den interessantesten Bildern der Ausstellung. Vor allem die in Norwegen entstandenen Arbeiten überzeugen in ihrer lockeren Lässigkeit. Das Türkis zwischen all den grauen und bräunlichen Flächen wirkt sehr kühl und weckt Assoziationen an nordische Landschaften.

Bis 27. November; di-so 10 bis 18 Uhr, do bis 21 Uhr; Katalog mit CD 19 Euro

Quelle: wa.de

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