ZDF-Zweiteiler „Schicksalsjahre“

+
Ursula (Maria Furtwängler) und Wolfgang (Pasquale Aleardi) in „Schicksalsjahre“. ▪

Von Kathrin Nolte ▪ Das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung fallen nur zwei Worte: „Wolfgang lebt!“ In diesem Moment wird die Existenz von Ursula Heye (Maria Furtwängler) in ihren Grundfesten erschüttert. Ihr totgeglaubter Ehemann Wolfgang (Pasquale Aleardi) hat den Zweiten Weltkrieg überlebt und wohnt nun in Stuttgart.

Der ZDF-Zweiteiler „Schicksalsjahre“ beruht auf dem biografischen Roman „Vom Glück nur ein Schatten“. Uwe-Karsten Heye, Regierungssprecher unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, beschreibt darin den Lebensweg seiner Mutter Ursula, den so oder ähnlich zahlreiche Frauen durchlebt haben. Es ist das Schicksal einer Frau, die gleich in vier deutschen Epochen – vom Vorkriegs-Berlin über die Kriegsjahre bis zur Nachkriegszeit erst im Osten, dann im Westen – ihr Leben meisterte.

In mehreren Rückblenden schildert Drehbuchautor Thomas Kirchner („Das Wunder von Berlin“) authentisch das Leben von Ursula Heye. Regisseur Miguel Alexandre („Die Frau von Checkpoint Charlie“) erzählt mit einfachen Bildern die Handlung, ohne die Szenen zu überfrachten. Durch den Einsatz von Originalaufnahmen aus der Nazi-Zeit und den Nachkriegsjahren wird die Geschichte zuweilen dokumentarisch verdichtet.

Im Jahr 1938 lernt Ursula den Sänger Wolfgang Heye in Berlin kennen und lieben. Sie heiraten und gründen eine Familie. Bärbel und Uwe kommen zur Welt. Während Ursula als Sekretärin bei der Kriegsmarine und somit für das NS-Regime arbeitet, äußert sich Wolfgang kritisch über die Diktatur: „Die Braunen halten sich nicht ewig.“ Viele seiner Künstlerkollegen sind Juden und müssen emigrieren. Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus. Wolfgang wird von der Wehrmacht eingezogen. Trotz der innerlichen Ablehnung verspricht er Ursula durchzuhalten: „Sterben wäre ja auch die leichtere Übung.“ Ursula zieht mit den Kindern zu ihren Eltern nach Danzig. Wolfgang flieht von der Ost-Front, wird festgenommen und als Fahnenflüchtiger zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Auf Druck ihres neuen Arbeitgebers – des Reichspropagandaamts – muss sich Ursula scheiden lassen. Um den Wirren des Kriegsendes zu entkommen, flieht Ursula mit ihren Kindern nach Rostock, wo sie 1949 von Wolfgangs angeblichem Tod erfährt.

Während der erste Teil des Melodrams oft etwas langatmig wirkt, gewinnt die Handlung in den zweiten 90 Minuten an mehr Tiefe. Die Hauptfigur entwickelt mehr und mehr ein Bewusstsein für das politische Unrecht. Sie wehrt sich gegen die DDR. In der Sängerin Norah Kellermann (Dorka Gryllus) findet Ursula eine Verbündete in ihrer Aversion gegen das Regime. Sie tritt nicht der SED bei und flieht erneut. Im Westen bauen sich die Frauen eine neue Existenz auf. Die Freundschaft zerbricht, als Ursula die Liebe von Norah nicht erwidert. Die Sängerin verlässt die gemeinsame Wohnung. Und dann klingelt 1958 das Telefon, und Norah sagt ihr, dass Wolfgang lebt.

Maria Furtwängler überzeugt in der Rolle der Ursula Heye besonders im zweiten Teil. Zwar verkörpert die 44-Jährige die junge Ursula eher unglaubwürdig – 20 Jahre Altersunterschied lassen sich nicht einfach wegschminken. Aber die in ihrer bekanntesten Rolle als „Tatort“-Kommissarin kühl wirkende beweist ihre Wandlungsfähigkeit, hin zu einer Frau, die Gefühle offenbart. Es gelingt ihr, die tiefgreifenden Umbrüche jener Zeit aus einer individuellen Sicht zu zeigen. Die Empfindung von Schmerz und Verlust ist im Film allgegenwärtig.

„Schicksalsjahre“ ist ein monumentales Denkmal für die Frauen, die Deutschland trotz des großen Leids mit ihrem Einsatz wieder aufgebaut haben.

ZDF, so + mo, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare