X-Men – Erste Entscheidung Comic-Reihe mit Magneto

+
Sie schmieden Pläne: Szene aus „X-Men – Erste Entscheidung“ mit Jason Flemyng und January Jones. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ Gerade noch hat der Brillenträger versichert, man müsse nicht immer die Methoden der Nazis anwenden. Dann aber wird seine Stimme scharf: „Bewege die Münze“, schnauzt er den zitternden Jungen an. Wir sehen, wie der sich anstrengt, wie er etwas versucht, von dem er selbst nicht genau weiß, was es ist. Vergeblich. Da beschließt der Mann, es eben doch wie die Nazis zu machen. Er zückt die Pistole und erschießt die verängstigte Mutter des Jungen. Die erwünschte Reaktion erfolgt. Im benachbarten Zimmer, hinter einer Glaswand, spielen all die Werkzeuge verrückt. Der Junge bewegt sie in einem Ausbruch von Schmerz und Hass mit seinen übersinnlichen Kräften.

In den früheren Filmen der „X-Men“-Reihe war angedeutet worden, dass der Superschurke Magneto KZ-Überlebender ist. Der neue Film der Reihe, „X-Men – Erste Entscheidung“, führt ganz an den Anfang der Geschichte zurück. Er erklärt, wie die X-Men entstanden, jene Gruppe von Mutanten um Professor X, die sich um Verständigung mit den „normalen“ Menschen bemühen. Und ihre Gegenspieler, die gleichfalls mit übernatürlichen Fähigkeiten begabten Mutanten um Magneto. Die Szenen aus dem Menschenlabor der Nazis weckt Verständnis für diesen Mann.

Am Anfang sind Charles Xavier und Eric Lehnsherr Verbündete. Das Autorenteam um Regisseur Matthew Vaughn verlegt die Handlung ins Jahr 1962, in den Kalten Krieg, auf dessen Höhepunkt die Kubakrise lag, als die Sowjets mit der Stationierung von Atomraketen an der Grenze der USA drohten. Wie Vaughn reale Geschichte in die Welt der Gedankenleser, Teleporter und Feuerwerfer einbaut, das ist ein kleiner Geniestreich. Ihm gelingt noch mehr: Er entwickelt eine glaubwürdige Retro-Optik für die Comic-Welt. Der Film kommt als Genremix daher, der neben Fantasy-Elementen und Special Effects auch die Optik von 007 einsetzt, der Mutter des Agentenkinos.

Magneto sucht seinen Peiniger, der sich in Shaw umbenannt hat, selbst über Mutantenkräfte verfügt und mit einer schlagkräftigen Truppe versucht, USA und Sowjetunion in einen atomaren Krieg zu treiben. Die Menschheit soll sich auslöschen, damit die Welt den Mutanten gehört. Charles und Eric formieren dagegen die X-Men.

Regisseur Vaughn bietet in „X-Men“ das ganze Programm. Vor allem natürlich Action und Effekte. Die jungen, noch untrainierten Nachwuchsmutanten zeigen sich bei einer Party mit Beatmusik ihre Fähigkeiten, was an die Zauberschüler von Hogwarts erinnert. Es gibt auch eine zarte Romanze zwischen Mystique, die jede Gestalt annehmen kann, und Hank McCoy, dem „Biest“.

Der Film macht viel Spaß, zumal die Darsteller auf der Höhe der Produktion spielen. Allen voran Michael Fassbender als junger Magneto, als von Trauer und Hass getriebener Heißsporn ein würdiger Vertreter des großen Ian McKellen. James McAvoy hebt den jungen Professor X ab von der väterlichen Abgeklärtheit, die Patrick Stewart der Figur gab. Sein Charles, noch nicht an den Rollstuhl gefesselt, hat Spaß an Mädchen und Alkohol – und ist verwundbar durch seinen Idealismus. Kevin Bacon als Shaw tritt in den Posen der großen Bond-Schurken auf, ganz der Mann, der im eleganten Anzug Sektflaschen öffnet, während seine Killer ein Opfer erledigen. Dazu die schillernde January Jones als gedankenlesende Diamantenfrau und Jennifer Lawrence als Mystique.

Bei alledem vergisst der Film nicht die durchaus politische Botschaft, die die Serie prägt: Dass Menschen und Mutanten sich annehmen sollen. Mystique formuliert das, indem sie einen Slogan der Bürgerrechtsbewegung variiert: „Mutant and proud!“

Der Film

Gelungene Übertragung der Comic-Saga in die 1960er.

Regie: Matthew Vaughn

Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Kevin Bacon, January Jones

Dauer: 131 Minuten

Wertung: ++++o

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare