„We Will Rock You“ ertönt nun in Essen

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Einigkeit: Jeannine Michele Wacker (von links), Christopher Brose, Markus Neugebauer und Anna Lidmann suchen die Gitarre, die alle erösen soll. Szene aus „We Will Rock You“.

Von Achim Lettmann -  ESSEN–Galileo rutscht es so einfach raus: „I need somebody“. Der junge Typ träumt Sätze, wie „I want to break free“ und weiß nicht, was das bedeutet. Da haben ihm die 1500 Besucher der Musical-Premiere von „We Will Rock You“ einiges voraus.

Hits der britischen Gruppe Queen gehören in die ewige Bestenliste des Rock-Pop, und der Abend im Essener Colosseum Theater ist nicht ganz neu. Das Queen Musical ist runderneuert wieder in NRW zu sehen. Nach dem Erfolg von Köln, wo „We Will Rock You“ 2004 bis 2008 lief, gibt nun Essen den Startschuss zur zweiten Auswertung der Queen-Legende. Bisher haben 13 Millionen Menschen die Show weltweit gesehen.

Galileo fallen nun auch Sätze ein wie „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen. Das Team um Autor Ben Elton akzentuiert die Story ein wenig. Das Publikum in Essen reagiert amüsiert.

Wieder wird auf dem Planet I-Pad ein Instrument gesucht, das die abgestumpften Menschen („Internet-Gaga“) befähigen soll, Musik zu machen, zu tanzen, zu leben, frei zu sein: „Make Peace, Not War“. Mit der Friedens-Losung wird auf zotige Gestalten gesetzt, wie BAP, den sabbeligen Rock-Oldie (Léon Van Leeuwenberg). Er weiß noch was von Queen, legt eine alte „Video-Kastagnette“ ein und erzählt – verdammt lang her. Solche Figuren machen Spaß in einer Produktion, die die Heroen des Rocks nicht ganz ernst nimmt und gerade deshalb für Unterhaltung sorgt. Der depperte Brit (Markus Neugebauer) zählt dazu, der mit Wikinger-Helm und asiatischem Kampfgeraunze den „Dreamer“ sucht. Er gehört gewiss zur Metal-Szene. Und seine Ozzy (Anna Lidmann) ist eine springlebendige Rockröhre, die das halbdunkle Szenenbild auf dem öden Planeten belebt.

Der Bildkontrast zur muffigen Apokalypse fällt herrlich kitschig aus. Der supra-nationale Konzern Global-Soft beherrscht die Plastik-Klon-Welt, die hell erstrahlt, wenn die „Killer-Queen“ auftritt. Den Superhit singt Brigitte Oelke in Leoparden-Mantel und mit Löwen-Mähne. Richtig klasse. Rotes Licht flutet das Colosseum Theater. In den ersten Reihen spürt man, wie die eigene Netzhaut knistert. Khasoggi (Martin Berger) ist der Vollstrecker, der die Bohemians verfolgt, weil die jungen Leute an selbstgemachte Musik glauben – nicht an Facebook. Mit grünem Laserlicht werden sie gefangen. Und die Gehirnwäsche wird zum schrulligen Horror, wenn auf Monitoren die Schädelknochen glimmen. Er spricht bald selbst die verbotene Sprache Englisch („A Kind Of Magic“) und folgt dem Heilsweg des Rock.

Solche netten Effekte bereiten das große Show-Finale vor. Der Hit „We Will Rock You“ lässt das Publikum hochschnellen. Die Bohemians haben stylische Frisuren und tanzen in fetzigen Outfits, die sexy aussehen (Choreografie: Arlene Phillips). „We Are The Champions“ stärkt das Selbstwertgefühl und signalisiert, was Rockmusik immer war, Kraftfutter für die Seele.

In Essen wird diese Portion von einer spielfreudigen Liveband mit Jeff Frohner (Direktor) souverän serviert. Verantwortlich sind nach wie vor die Queen-Musiker Brian May und Robert Taylor. Der Mythos von Freddy Mercury, 1991 gestorben, wird im „Heart Break Hotel“ mit See- und Alpenaussicht beatmet. Andächtig kommt das rüber. Am Genfer See fühlte sich der Sänger wohl.

Schön frech spielt Jeanne Michele Wacker, die als Scaramouche zum „Baby“ von Galileo wird. Christopher Brose ist ein ganz natürlicher Galileo, der Freddy-Gesten am Mikro zeigt und stark singt. Seine Erleuchtung vom „hellen Stern, der den Weg weist“ knickt Scaramouche: „Hört sich an wie kompletter Schwachsinn.“ Bei der Zugabe „Bohemian Rhapsody“ sind alle längst vereint. Es ist ein stimulierendes Fest.

Das Musical

Um einige Effekte erweitertes Erfolgsmusical der Gruppe Queen.

We Will Rock You im Colosseum Theater Essen. Bis 30. Juni. di/mi 18.30 Uhr, do/fr 19.30 Uhr, sa 15 und 20 Uhr, so 14 Uhr;

Tel. 0209/1477 920; Hotline: 01805/2001 (14 Cent/Min.) www.wewillrockyou.de

Quelle: wa.de

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