„Whatever Happens“ mit Fahri Yardim

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Intimer Moment: Hannah (Sylvia Hoeks) und Julian (Fahri Yardim) im Film „Whatever Happens“.

Sie ist vom Glitzerschnee einer Glaskugel beeindruckt, bewegt eine Puppe vor sich und riecht an der Jacke, die ihr Ex-Freund in der gemeinsamen Wohnung gelassen hat. Der Film „Whatever Happens“ beginnt mit dem Ende einer Beziehung in melancholischen Moll-Tönen. Hannah wird Julian treffen, um die letzten Kisten aus der ehemaligen Heimstätte zu schleppen. Dann soll es zur Hochzeit eines befreundeten Paares gehen, aber die Trauzeugen können ihre eigene Geschichte noch nicht abhacken.

Regisseur Niels Laupert dreht seine Story immer wieder zurück, um die Stationen einer gescheiterten Liebe aufzublättern. Und wie war das sieben Jahre zuvor, als beide genau diese Wohnung anmieten wollten, und durch einen Zufall vom Makler als Paar wahrgenommen wurden. Es war verheißungsvoll. Beide rauften sich zusammen, ohne dass es rosarot wurde. Denn beide hatten eine Karriere vor sich. Sylvia Hoeks („Blade Runner 2049“) spielt Hannah, die als Unternehmensberaterin nach ihrem Studium durchstartet. Sie ist introvertiert, taff und egozentrisch. In jeder Szene wirkt ihr Haar stylisch geschüttelt, ist ihr Blick vom Makeup gerahmt. Dagegen muss Fahri Yardim („Almanya“, Hamburg-„Tatort“) den burschikosen Julian geben, der als Fotograf gerade noch coole Shootings mit Modells durchzieht und schon bald Hannah bei den Prüfungen hilft. Er wird immer kuscheliger. Wenn das Liebe ist, ist sie sehr konventionell angelegt. Solche Handlungsschritte widersprechen Niels Lauperts Anspruch, „deutsches Erzählkino“ zu entwickeln, das „eine Leichtigkeit und eine gewisse Tiefe“ hat, wie er seinen eigenen Film beschreibt. Zu oft versackt diese Leichtigkeit in alberne Neckereien und gefühliges Gegeneinander, wie es schon unzählige Mal in der deutschen Beziehungskomödie inszeniert wurde. Das unterstützt auch der phasenweise gefällige Soundtrack („La Mer“).

Bindeglied der chronologischen Aufarbeitung ist die Altbauwohnung. Die WG mit Küche und Einzelzimmern mausert sich zur Liebeshöhle und Familienhort. Und anscheinend kann das Glück daheim nur noch als Sehnsuchtsort der Deko- und Möbelindustrie daherkommen, denn so perfekt ist das Interieur und alltagsfern. Dabei arbeitet Hannah in Frankfurt, reist mit dem Flugzeug und ist selten zuhause. Klar, dass sich Julian für die patente Nachbarin interessiert, die ein Café eröffnet hat und hilft, wo sie nur kann. Klischees dominieren.

Und „Whatever Happens“ wird vorhersehbar. Das niedliche Töchterchen vergisst über der Nähe zum Vater die eigene Mami. So kommt auch Hannah nicht an dem Etikett Rabenmutter vorbei: eine antiquierte Schuldzuweisung.

Gemeinsame Essen mit Freunden wirken irgendwie aufgesetzt, denn gemeinsam und glücklich sind nur noch andere. Julians Seitensprung – die Nachbarin – führt zur Eskalation, und Hannah will nach New York mit ihrer Tochter. Geht denn sowas überhaupt noch?

Die letzte Szene spielt wieder in der leeren Wohnung, und wie das „deutsche Erzählkino“ ausgeht, braucht niemand mehr zu fürchten. Oder doch, vielleicht gerade deshalb.

Der Film

Ein Liebesfilm, der als interessante Erzählanordnung startet, aber dann sehr konventionell gerät.

Regie: Niels Laupert

Darsteller: Fahri Yardim, Sylvia Hoeks

Dauer: 100 Minuten

Freigabe: 6 Jahre

Wertung: ++ooo

Quelle: wa.de

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