Im Westfälischen Kunstverein wird über „Kultur und Freizeit“ nachgedacht

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Lehnt eine Käseecke an der Wand: Ditte Gantriis’ Skulptur aus der Serie „Facon artisanale“ ist in Münster zu sehen.

Von Ralf Stiftel MÜNSTER - Eine Käseecke aus Holz lehnt an der Wand im Westfälischen Kunstverein Münster. Die dänische Künstlerin Ditte Gantriis hat ein gut zwei Meter breites Reliefbild geschaffen, mit dem sie das moderne Produktmarketing ironisiert. Alles soll heute hochwertig sein, selbst die Tiefkühlpizza und der aufgebackene Teigrohling in der Filiale der Bäckereikette. Gantriis stellt für ihre Serie „Facon artisanale“ Grundlebensmittel dar, den Käse, eine Zwiebel, ein Brot, ein Steak. Sie zeichnet sie in den Raum als Aussägearbeiten aus billigem Sperrholz und veredelt die Oberfläche, indem sie eine dünne Schicht Walnussholz aufbringt. Schon in der Machart setzt sie die Dialektik aus industriellem Sein und edlem Schein um.

Die Arbeiten sind in der Gruppenausstellung „Kultur und Freizeit“ zu sehen. Kristina Scepanski, Direktorin des Kunstvereins, hat sieben internationale junge Künstler um Beiträge gebeten, die einen modernen Konflikt kommentieren. Besonders für Kulturarbeiter wird es immer schwieriger, zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen. Wenn vermeintlich aufgeschlossene Arbeitgeber den „Casual Friday“ ausrufen, an dem der Angestellte in Freizeitkleidung arbeiten darf, dann geht es ebenfalls um diese Aufhebung von Grenzen.

Das Private und das Dienstliche sind auch Thema in den Fotos von Calla Henkel und Max Pitegoff. Die US-Künstler betrieben in Berlin eine Bar, die gern von Kollegen besucht wurde. War das nun ein Treffen unter Freunden oder ein Brotjob? Die Antwort kam, wenn der letzte Gast gegangen war. Dann mussten die Wirte die Gläser abräumen. Fotos der Stapel dokumentieren diesen Moment.

Florian Auer wiederum setzt Computergrafiken um in Gemälde mit Neon-Applikationen. Die völlig unregelmäßige Leuchtröhre steht für frühe Chronozyklografien des 20. Jahrhunderts. Diese Fototechnik machte Bewegungsabläufe als Lichtspuren sichtbar. So konnten zum Beispiel Bewegungsabläufe anm Fließband optimiert werden. Hinter der weißen Linie sieht man ein Steak: Leistungsträger müssen gut genährt sein.

Die Malerin Jeanette Mundt zeigt die Serie eines Wohnzimmers. Acht Bilder hat sie gemalt, und um die Kunstmarktgesetze offenzulegen, verfügte sie, dass ein Bild einzeln, die restlichen sieben aber nur als Serie abgegeben werden. Das Einzelbild ist fort, die Serie noch immer in ihrem Besitz. Mit kargen Fotos seines Arbeitsplatzes unterläuft Lasse Schmidt Hansen romantische Künstlerklischees. Und Sara McKillop macht aus Kugelschreibern und buntem Garn minimalistische Rauminterventionen.

Eröffnung Freitag, 19 Uhr, bis 27.4., di – so 11 – 19 Uhr,

Tel. 0251/ 46 157,www. westfaelischer-kunstverein.de

Quelle: wa.de

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