Werke von Bach eröffnen Orgeltriduum in Liebfrauen

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Johannes Krutmann beeindruckte das Publikum in der Liebfrauenkirche mit Werken von Bach. ▪

HAMM ▪ „Alles findet bei Bach statt“ hatte Alban Berg gesagt und auch nach intensivster Auseinandersetzung mit dem Werk Johann Sebastians Bachs sei immer noch Neues zu entdecken. Johannes Krutmanns Einführung zu seinem Eröffnungskonzert des diesjährigen Orgeltriduums in der Liebfrauenkirche zeugte von tiefstem Respekt für den Meister. Den Termin hatte Krutmann bewusst gewählt, um Bachs musikalische Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit an dessen 325sten Geburtstag zu präsentieren.

Am 21. März 1685 erblickte das Musikgenie in Eisenach das Licht der Welt und doch ist das Datum nicht wirklich passgenau. In lutherischen Ländern verwendete man immer noch den julianischen, anstelle des per päpstlichem Dekret zu Ende des 16. Jahrhunderts verordneten gregorianischen Kalenders.

Der Dekanatskirchenmusiker begann mit dem drei kontrastierende Themen verbindenden Praeludium Es-Dur, das partiell Merkmale der französischen Ouvertüre und auch Elemente des italienischen Stils aufweist. Klangreichtum und –vielfalt der Goll-Orgel kamen bei der Partita „Sei gegrüßt, Jesu gütig“ besonders eindrucksvoll zur Geltung. Vom Sterben des Erlösers ausgehend, hatte Bach Emotionen tönend umgesetzt und Hingabe, Zorn, Trost, Kampf, Erlösung, das Jüngste Gericht und schließlich die Vision der Auferstehung in die Sprache der Musik übertragen.

Kongenial ergänzte die jeweils fein abgestimmte Registrierung Krutmanns Orgelspiel von zagend, über kämpferisch oder sphärisch, bis gewaltig triumphierend. Die Choralbearbeitung wirkte trotz der späteren Neubearbeitung einzelner Variationen wie aus einem Guss.

In jungen Jahren schrieb der Komponist - auf Wunsch seines herzoglichen Dienstherren in Weimar - für Streicher und Continuo geschriebene Musik Antonio Vivaldis für die Orgel um. Das hier gespielte Concerto Nr. 2 a-moll zeigte eine weitere Facette von Tonschöpfer, Interpret und Orgel. „By the rivers of Babylon“ im Disco-Sound ist die heutzutage wohl bekannteste Version der Psalmhymne „An Wasserflüssen Babylon“ von Wolfgang Dachstein, einem der populärsten Lieder zu Barockzeiten. Einem höfischen Tanz ähnlich, mit sparsam verziertem cantus firmus, erzeugte Bachs Choralbearbeitung eine fast fühlbare Wehmut und ließ die Seelentiefe dieses absolut spirituellen Menschen ahnen.

Technische Schwierigkeiten mit spielerischer Leichtigkeit zu präsentieren gelang dem Organisten bei der Fantasie und Fuge g-moll. Klar strukturiert, mit lyrischen Passagen und dazu beschwingt: Der Improvisationsform weit gefasster, norddeutscher Fantasien huldigten Bach und Krutmann zum Abschluss des bewegenden Konzerts. ▪ lau

Quelle: wa.de

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