Get Well Soon begeistern im FZW Dortmund

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Meister wehmütiger Klänge: Konstantin Gropper im Dortmunder FZW. ▪

Von Frank Zöllner ▪ DORTMUND–Es scheint fast ein Heimspiel zu sein. Zum vierten Mal in ihrer noch jungen Laufbahn standen Get Well Soon in Dortmund auf einer Bühne. Einst im längst abgerissenen FZW aus den 50ern, dann 2010 im Konzerthaus, nun im FZW-Neubau in der Innenstadt.

Was denn das für ein Gebäude nebenan sei, bei dem das U beleuchtet sei, fragt Konstantin Gropper. Der Kopf der Gruppe, Songschreiber und Arrangeur, interpretiert die kurz ausgefallene Antwort („Eine frühere Brauerei“) als schlechte Laune im Publikum. Doch wenn es diese tatsächlich gab, dann nur in diesem Moment, an dem die sechsköpfige Band hätte für einen Stimmungabfall sorgen können.

Ansonsten bereiten Get Well Soon 90 Minuten lang für einen beseelten Abend der großen Pop-Gefühle. Das erinnert an die Briten von The Divine Comedy oder auch an die Kanadier von Arcade Fire. Dabei, und das macht die Klasse und Format von Get Well Soon aus, klingt die Band höchst individuell.

Gropper, klassisch ausgebildeter Multi-Instrumentalist, erzeugt mit seinen fünf Mitmusikern eine melancholische Grundstimmung, die perfekt genauso in einem bildungsbürgerlichen Rahmen wie einem bestuhlten Konzertsaal wie in einen Klub passt. Nun sind die Klangzauberer auf ihrer kurzer Winterttournee mit ihrem dritten und aktuellen Album „The Scarlet Beast O'Seven Heads – La Bestia Scarlatta Con Sette Teste“ unterwegs, das der Cinematographie gewidmet ist.

Dass Gropper, der einige Filme vertont hat und eine komplette TV-Serie in Frankreich mit Musik ausgestattet hat, nun mit Songs wie dem großartigen Spaghetti-Western-Song „Roland, I Feel You“ über den Regisseur Roland Emmerich aufwartet, ist da also nur konsequent. Verträumt geht es weiter durch das Programm wie mit Songs mit „We Are Free“, „Just Like Henry Darger“, der melancholischen Kindheits-Erinnerung „Disney“ und dem tollen „Angry Young Man“. Das Publikum genießt dies still und zurückhaltend – eben das passende Verhalten zu diesen erhabenen Klangwelten.

Der Abend wird kunstvoll und souverän ausgeführt. Der elegant gekleidete 30-jährige Gropper mit seiner getragenen Stimme breitet einen dicken Moll-Teppich aus – doch seine eigene Laune konterkariert den musikalischen Grundton. So erzählt Gropper, dass die Band auf den Spuren der Flippers wandele: „Wir sind nun an einem Punkt: Wo soll es hingehen?“. Und sie trinke deren Lieblings-Cocktail „Sonnenschein“ aus den 70er Jahren, ein Mix aus Eierlikör und Fanta. Deshalb sei auch für nichts zu garantieren. Das ist Koketterie, denn die Band verliert nie die Kontrolle über ihr Tun.

Das sind vor allem wendig gestaltete Gitarren-Popsongs von erhabenem, teils kräftig aufgetragenem Weltschmerz. Die werden im Breitwand-Format bestehend aus Gitarre, Schlagzeug, Geige, Trompete und Keyboards vorgetragen. Die perfekte Ergänzung zu Konstantin Gropper ist dabei der stimmliche Kontrast durch Verena Gropper, die live ein tragendes Element ist und über eine ausdrucksstarke Stimme verfügt. Eines steht fest: Hier waren Meister der wehmütigen Klänge am Werk.

Quelle: wa.de

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