Voca People begeistern in der Kölner Philharmonie

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Sie sind gelandet: Die außerirdischen „Voca People“ begeistern in der Kölner Philharmonie. ▪

Von Achim Lettmann ▪ KÖLN–Eine A-Cappella-Gruppe aus Israel zählt zu den überraschenden Unterhaltungsnummern der Saison. Die Voca People gerieren sich als Außerirdische und servieren unsere Musikkultur in kurzen und ironischen Häppchen. Witzig und frech, niedlich und gemein. In der Kölner Philharmonie werden sie bejubelt.

Nachdem Zauberei und Magie, Science-Fiction und Fantasie zu den Umsatzgaranten im Literatur- und Kinobetrieb geworden sind, ist es nicht verwunderlich, dass fremdartige Gestalten auch auf den Showbühnen zunehmen. Zu ihnen zählen die Voca People. Sie purzeln ins Halbdunkel und kreischen, sobald das Publikum im Lichtschein zu sehen ist. Menschen! So etwas muss erschrecken. Licht aus.

Die Show von Lior Kalfo gebraucht eine Alltagstechnik des 21. Jahrhunderts. Seine Voca People docken an einem Zuschauer in der ersten Reihe an und laden sich sein Musikgedächtnis hoch. Dann gibt es erstmals „Musica Historia“ in fünf Minuten und die kecke Erkenntnis, dass Gesang nur eine Erweiterung des Schmerzschreis sein kann. Bitteschön! Diese ironische Distanz zu Klangäußerungen grundiert das ganze Programm der Voca People. Hier wird keine Melodie wirklich ernst genommen und dennoch mit Inbrunst intoniert. Herrlich! Nach dem gefühligen „Mr. Sandman“, dem rockigen „Tutti Frutti“ folgt zu „Billy Jean“ von Michael Jackson der erste Szenenapplaus. Es gibt einen perfekten Moonwalk zu sehen. Was für Außerirdische eigentlich keine Leistung darstellt. Aber wir Menschen sind ja schnell zu erfreuen. Vor allem wenn Häme und Schadenfreude inszeniert werden. Das ist die andere Seite der weißen Acht, die weiß geschminkt in weißen Anzügen daher hüpfen. Sie lernen nicht nur schnell im Download-Tempo, sie verlieren auch den Respekt vorm Erdenbewohner. Wer einen Sitzplatz am Treppenaufgang hat, wird schnell mal zum Mikrohalter, Dudelsack oder zum Didgeridoo umfunktioniert. Ein älterer Herr im grauen Jackett bot sich als Plattenteller zum Scratchen – seine Kopfplatte war groß genug.

Die Voca People sind drei Frauen und fünf Männer, die professionell jeden Ton treffen und ohne Instrumente jede Musik hörbar machen – von Mozart, Bach und Rossini bis zu Lennon, Madonna und Glenn Miller. Man kann nicht annähernd alle Komponisten nennen, die in Köln angespielt wurden – Abba, Piovani, Queen.

Arrangeur und musikalischer Direktor ist Shai Fishman, wie Lior Kalfo ein vielbeschäftigter Künstler in Israel. Beide haben aus den Voca People einen internationalen Bühnenerfolg gemacht. Das hängt auch damit zusammen, dass ihre stilisierten Figuren eine globale Sprache nuscheln, wie einst die Teletubbies aus England. Mit dem Kindchenmuster wird das Publikum vereinnahmt, um immer mal wieder verulkt zu werden. Der Slapstick ist ihr urkomisches Bewegungsmuster, das auch bei den Pärchenspäßen in Stellung gebracht wird. Und nicht aus jedem Kopf lässt sich Musik runterladen. „Sex, Sex, Sex“ wird bei dem einen Herr und einer anderen Dame diagnostiziert. So verkuppeln die Voca People auch neue Paare in der Philharmonie. Ein feister Spaß.

Dass das Gros des Vocalwerkzeugs auf Beatboxing aus der Hip-Hop-Szene zurückzuführen ist, dass machen der Captain („Beat-on“) und Scratcher deutlich. Ihre Techno-Nummer könnte auch die Mayday-Party in Dortmund erfrischen.

So kommt man aus dem Staunen kaum raus. Es gibt Musikprogramme zum Kino, zur Liebe und zum Liebesschmerz. Überflüssig zu sagen, dass diese menschlichen Gefühle besonders theatralisch und pantomimisch ausgereizt werden.

Die Show

Furioser Spaß aus Musik, Beatboxing und Slapstick.

Voca People in der Kölner Philharmonie. Bis 31. Juli,

Tel. 0221 / 2801 und 0221 / 280 280. Weitere Termine sind für 2012 geplant.

http://www.koelnersommerfestival.de

Quelle: wa.de

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