„Verschleppt“: Letzter „Tatort“ mit Kappl und Deininger

Franz Kappl (Maximilian Brückner, links) und Stefan Deininger (Gregor Weber) ermitteln zum letzten Mal. ▪

Die Vorzeichen sind alles andere als gut. Gregor Weber, der den Saarbrücker „Tatort“-Kommissar Stefan Deininger mimt, warnt die Zuschauer vor seinem letzten ARD-Krimi: „Gucken Sie sich die Folge ‚Verschleppt‘ bloß nicht an! Sie ist schlecht“, sagte er dem Kölner „Express“. Während der Dreharbeiten hätten die Schauspieler Ärger mit dem zuständigen SR-Redakteur gehabt. „Wir haben nur Dienst nach Vorschrift gemacht“, erklärte Weber – und zwar aus inhaltlichen Gründen.

Von Ulrike Dietz

„Das Drehbuch strotzte vor Logikfehlern“, sagte der Schauspieler. So hätten sie dann „hier etwas improvisiert, da etwas geflickschustert“. Ein Beispiel: „Wir sollten plötzlich an einem Waschbecken ein Beweismittel finden. Aber da stand nicht, wie und warum. Wie im Kindertheater. Puff, eine Stichflamme und ein grüner Dschinn erscheint. Wir haben uns dann was ausgedacht, damit es im Ansatz plausibel erscheint. Im Drehbuch stand ja nichts.“

Weber und sein Kollege Maximilian Brückner sind am Sonntag zum letzten Mal als „Tatort“-Kommissare Stefan Deininger und Franz Kappl zu sehen. Der Saarländische Rundfunk (SR) hatte das überraschende Ende des Ermittler-Duos damit begründet, dass ihre Geschichte „auserzählt“ sei.

Dabei startet „Verschleppt“ vielversprechend: Eine junge Frau flieht in Panik über eine stark befahrene Autobahn. Ihre Arme und Beine sind blutig, die Lippen spröde. Das lange Haar hängt strähnig herab. Am Körper hat sie nichts außer einer Art OP-Kittel. Wenig später wird sie erschlagen in der Nähe einer Hochhaussiedlung aufgefunden.

Schnell ist klar, dass es sich bei der Toten um Sonia Lehmann (Michelle Boullay) handelt. Sie wurde vor Jahren als kleines Kind entführt. Kurze Zeit später taucht eine weitere junge Frau namens Barbara Romers (Mathilde Hannah Bundschuh) auf, die lange als vermisst galt. Ihre Haut ist blass, ihr Körper dehydriert. Vermutlich hat sie lange Zeit keine Sonne gesehen, wurde in einem Kerker festgehalten. Angaben zum Täter, der wahrscheinlich noch ein anderes Opfer in seiner Gewalt hat, kann Barbara jedoch nicht machen. Sie ist apathisch und wesensverändert, starrt im Krankenhaus unentwegt an die Decke, in den Belüftungsventilator. Sie sagt nicht viel mehr als: „Lehmann, Körper reinigen!“

„Verschleppt“ greift nach dem Entführungsfall von Natascha Kampusch ein brisantes Thema auf. Jedoch bietet der „Tatort“ aus Saarbrücken wenig Überraschendes. Die düsteren und beklemmenden Szenen im Kerker wirken übertrieben. Etwa, wenn die gefangenen Frauen mit Fußfesseln und leerem Blick zombiegleich durch Keller-Gänge wanken. „Das ist die reinste Geisterbahn“, bemerkt Maximilian Brückner als Franz Kappl da treffend. Dessen prophetische Alpträume, in denen der Hauptkommissar nur mit einer Unterhose bekleidet und wild mit den Armen rudernd durch nicht enden wollende Flure stolpert, sind ebenfalls seltsam.

Stereotyp sind auch die Tatverdächtigen. Da gibt es beispielsweise den stadtbekannten Exhibitionisten und Pädophilen Andi Mollet (Thomas Bastkowski). Durch die Rolladenschlitze seiner Plattenbauwohnung beobachtet er mit dem Feldstecher die Kinder auf dem naheliegenden Spielplatz.

Beim aktuellen Saarland-„Tatort“ kommt selten Spannung auf. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Anspielungen auf Natascha Kampuschs Schicksal die Handlung vorhersehbar machen. So fehlt sogar der verdächtige „weiße Kastenwagen“ nicht.

Sonntag, ARD, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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